Käimpfe gegen Frankreich 119
jedoch zugleich als Symptom auffassen können für die veränderte
Stellung der Habsburger zum Reiche; sie waren es müde geworden,
stets die Zeche der Friedensschlüsse zu zahlen, wie es Leopold eben
wieder in Nymwegen durch Freiburgs Abtretung hatte tun müssen,
sie haben einmal mit Erfolg das Gegenteil versucht.
Schwer empfand man diese Haltung des Kaisers im Reiche, namentlich
als dann in einer besonderen Klausel des Friedens mit Frankreich
bestimmt wurde, daß in den von Frankreich zurückgegebenen
deutschen Landesteilen die katholische Religion, die von Ludwig XIV.
dort zwangsweise zur Herrschaft gebracht worden war, ungestört weiter
bestehen sollte; die sogenannte Rijswycker Klausel, die plötzlich
den protestantischen deutschen Fürsten es wieder klar vor Augen
führte, welch eine Welt sie von dem katholischen Leopold trennte!
Während das Reich und die Seemächte fast allein den kaiserlichen
Krieg gegen Frankreich geführt hatten, war dem Kaiser die Eroberung
von Ungarn geglückt und jetzt erntete er noch unverdiente Vorteile
im Friedensschlusse, war das billig? Schwer empfand man den
Verlust Straßburgs, wegen der überaus wichtigen Stellung dieser
Stadt am Rhein; gestützt auf Straßburg, auf zwei weitere Forts,
die Ludwig XIV am Oberlauf des Flusses anlegte, Fort St. Louis
und Hüningen, konnte Frankreich jederzeit ungehindert seine Truppen
über den Strom werfen; die benachbarten Länder Pfalz, Trier,
Köln, sie waren offen gegen Frankreich, der Rhein schützte sie nicht
mehr. War das der deutsche Kaiser, der Hüter und Mehrer des Reiches
sein sollte?
Im engsten Zusammenhange mit dieser alten Feindschaft zwischen
den Häusern Habsburg und Bourbon stand jetzt der Streit um die
spanische Erbschaft. 1665 war König Philipp IV. von Spanien gestorben;
er hatte ein kleines Söhnchen hinterlassen, Karl, das die
Arzte als nicht lebensfähig bezeichnet haben. Das Kind hat den Ausspruch
der Mediziner Lügen gestraft, indem es noch volle fünfunddreißig
Jahre am Leben blieb und als König Karl II. in Spanien,
Amerika, Italien und den Niederlanden regierte. Freilich nur dem
Namen nach, ein grämliches Leben führend, ohne Freuden und ohne
Glück, von anderen beherrscht, noch mehr von seinem kranken Körper,
von seinem ungesunden Geiste unterjocht, was in schrecklichen Visionen,
die leicht von der Umgebung auszunützen waren, seine Kußerung
fand. Nach zweimaliger Verheiratung des Königs war es bald
klar, daß er auf keine Nachkommenschaft zu hoffen hatte; damit waren
die spanischen Habsburger dem Aussterben bestimmt, wer sollte