Full text : Friedrich der Vorläufige, die Zietz und die Anderen.

wegen.  Endgültig  ist  er  auch  heute  noch  nicht  Leiter  der  preußischen
  Politik  geworden,  sondern  nur  vorläufig;  aber  er  hat
wenigstens  sein  gesetzliches  Mandat  von  dem  Präsidenten  der
verfassunggebenden  Landesversammlung  erdhalten.  Das
Haus  hat  einen  besonderen  Staatspräsidenten  in  der  Notverfassung
  abgelehnt;  es  will  alleine  regieren  und  sich  dazu
einen  Ministerpräsidenten  als  Geschäftsführer  bestellen.  In
dem  Augenblick,  in  dem  das  Gesetz  über  die  vorläufige  Staatsgewalt
  mit  allen  gegen  die  Stimmen  der  Unabhängigen  angenommen
  ist,  erbhebt  sich  Hirsch  und  legt  sein  Mandat,  das
er  „aus  der  Revolution  empfangen“,  in  die  Hand  der  „gesetzlichen
  Bertreter  des  preußischen  Bolkes“  zurück.  Der  Präsident
  der  Landesversammlung  bittet  jhn,  einstweilen  weiter
amtieren  zu  wollen.  Herr  Hirsch  nickt  sauertöpfisch  und  müde.
Es  sind  ja  alles  nur  Faxen,  republikanisches  Zeremoniell,
herzlich  überflüssig.  Der  Revolutionsminister,  der  vorläufige
  Minister,  der  endgültige  Minister:  Hirsch  hieß  er,
Hirsch  heißt  er,  Hirsch  wird  er  beißen,  daran  zweifelt  kein
Mencch.

Ein  besonderes  Vergnügen  istes  beute  nicht,  mit  der  Preußenpolitik
  belastet  zu  sein,  und  Hirsch  ist  schon  heute  so  abgearbeitet,
wie  nur  je  einer  seiner  Vorgänger.  Wer  seine  Kollegen  sein
werden,  weiß  man  noch  nicht.  Hinter  den  Kulissen  wird  noch
immer  lebhaft  „gekuhhandelt“.  Ein  alter  Fortschrittler,  Fischbeck,
  bemüht  sich  eifrig  um  das  Ministerium  des  Innern,  weil
er  gar  zu  gern  mal  „mit  den  Landräten  Schlitten  fahren“
möchte.  Für  jedes  Portefeuille  hat  man  schon  ein  halb  Dutzend
Anwärter.  Aber  die  große  Frage,  ob  nur  Sozialdemokxatie
und  Händlerdemokratie  oder  ob  auch  das  Zentrum  die  Amtssessel
  besetzen  solle,  ist  zur  Stunde  noch  nicht  entschieden.  Die
„vorläufige“  Staatsverfassung  aber  ist  jedenfalls  unter  Dach
und  Fach.

Die  Opposition  hat  einen  Redner  nach  dem  anderen  vor-101