Full text : Das Interregnum.

—  11  —

ist,  dass  kein  solches  zur  Welt  kommt,  durch  den  Uebergang  der  Krone
auf  den  demnächst  zur  Thronfolge  Berechtigten,  im  Interregnum  der
Wahlmonarchie  und  in  allen  übrigen  äurch  Wahl  oder  sonstige  Berufung
  eines  neuen  Thronfolgers,  genauer  durch  die  Annahme  der
Berufung  seitens  des  Berufenen.  Alles  dies  bedarf  keiner  weiteren
Ausführung.

ll.  Während  die  Verfassungen  der  Wahlmonarchien,  weil  sie
das  Interregnum  als  nothwendig  statuiren,  sämtlich  auch  Bestimmungen
  über  die  Organe,  denen  die  Entscheidung  über  die  Person
des  zukünftigen  Monarchen  obliegt,  und  über  die  Form  des  Wahlakts
wenigstens  in  Umrissen  enthalten,  schweigen  die  Konstitutionen
der  Erbmonarchien  vielfach,  die  deutschen  z.  B.  sämtlich,  über
diese  Frage.  Nur  in  denen,  die  sich  mit  dem  Interregnum  und  der
provisorischen  Regierung  befassen,  finden  wir  auch  Anordnungen
hinsichtlich  der  Beseitigung  des  monarchenlosen  Zustandes.  Nach
diesen  allen  geschielit  die  Wahl  des  Monarchen  durch  das  Volk,
sei  es  dass  das  Volk  als  solches  (Serbien  a.  10)  oder  in  seinem
Repräsentativkörper  zur  Neuwahl  schreitet.  So  in  den  Niederlanden
  nach  der  Verfassung  von  1848  (a.  24)'),  in  Belgien  (a.  85),
in  Spanien  (Verf.  von  1876:  a.  62)2),  in  Portugal  nach  der  Verfassung
  von  1822  (a.  134)3),  in  Luxemburg  (a.  7),  in  Schweden
und  Norwegen  (Reichsakte  a.  3),  in  Rumänien  (a.  84)  und  in  Griechenland
  (a.  52).  Für  Bulgarien  gilt  nach  dem  Berliner  Vertrage
(a.  3)  Neuwahl  des  Fürsten  durch  das  Volk  und  Bestätigung  durch
die  Pforte  unter  Anerkennung  der  Grossmächte.  Um  die  Abstimmung
  der  Volksrepräsentation  noch  deutlicher  als  Ausdruck  des
Volkswillens  erscheinen  zu  lassen,  ordnen  mehrere  Verfassungen  Neuwahl
  der  Kammern  vor  der  Fürstenwahl  an  (Belgien:  a.  85,  Luxemburg:
  a.  7)  oder  fordern  die  Vermehrung  der  bisherigen  Kammer
durch  Hinzuwahl  der  gleichen  Anzahl  neuer  Abgeordneter  (avzızr000wrsor:
  Griechenland  a.  52).  So  verlangt  doppelte  Anzahl  der
Mitglieder  der  zweiten  Kammer  die  niederländische  Verfassung  von
1815  (a.  27.  a.  24)*),  beider  Kammern  die  niederländische  von  1848
(a.  24),  der  einen  Kammer  die  luxemburgische  (a.  7).  Zur  Vereinfachung
  des  Wahlakts  wird  in  den  Staaten  des  Zweikammersystems

 

1)  Vgl.  die  Verfassung  von  1815,  a.  27  und  den  Entwurf  von  1814,  a.  11
(Pörırz  II.  S.  208,  192).

2)  S.  auch  die  Verfassungen  von  1812  (a.  182)  bei  Pörırz  II.  S.  279,  und
von  1869  (a.  78)  bei  Lauser,  Geschichte  Spaniens  u.  s.  w.  II.  S.  331.

3)  Pörırz  II.  S.  314.  4)  Pöuızz  Il.  S.  208.