Full text : Heerwesen und Dienst in der königlich bayerischen Armee.

III.  Abschn.  Von  den  Obliegenheiten  der  einzelnen  Chargen.  351

Die  Autorität  des  Gouverneurs  re.  ist  hiebei  zur  Erfüllung  ihres
wichtigen  Wirkungskreises  immer  aufrecht  zu  erhalten  und  dabei
keine  Rüchicht  auf  das  vielleicht  ältere  Patent  des  Truppenbefehlshabers

u  nehmen.
5.  Das  Ausrücken  der  Truppen  zu  außergewöhnlichen  Uebungen
  2c.,  besonders  auf  größere  Entfernungen  von  der  Stadt,  das  Abgehen
von  Kommandos  2c.  muß  dem  Govuverneur  2c.  von  den  Regimentern
oder  Bataillonen  gemeldet  werden.

6.  Sämmtliche  Offiziere,  welche  in  Urlaub  abgehen,  ankommen
oder  eine  veränderte  Anstellung  erhalten,  krank  waren  2c.  2c.  melden  sich
beim  Gouverneur  und  Kommandanten.

7.  Fremdherrliche  Offiziere,  wenn  sie  sich  in  diesseitigen  Garnisonen
ausschließlich  in  Civilkleidern  zeigen,  melden  sich  bei  den  Kommandanturen
  nicht,  sind  vielmehr  in  Ansehung  der  Fremdenpolizei
wie  Personen  des  Civilstandes  zu  behandeln.

Sollten  dergleichen  Offiziere  indessen  öffentlich  in  Uniform  erscheinen
und  die  Meldungen  bei  der  Kommandantur  versäumen,  auch  nach
erfolgter  Aufforderung  des  Kommandanten  nicht  erstatten,  so  bleibt  es
diesem  unbenommen,  ihre  Abreise  zu  veranlassen.

8.  Es  ist  in  den  Amtsbefugnissen  eines  Festungskommandanten
begründet,  einen  Offizier  der  Garnison  vom  Dienste  zu  suspendiren;
eine  Suspension  vom  Garnisonsdienste  führt  dann  nothwendig  zur  Suspension
vom  Dienste  überhaupt.

9.  Alle  einzelnen  Militärpersonen,  welche  nicht  unter  ein
besonderes  Kommando  eingetheilt  sind  und  sich  in  der  Gouvernementstadt
oder  Festung  aufhalten,  stehen  unter  spezieller  Aufsicht  des  Gouverneurs
und  Kommandanten.

10.  Alle  Truppenbefehlshaber,  die  zur  Besatzung  eines  festen
Platzes  zu  zählen  sind,  haben  bei  Festungsmanövern,  wie  überhaupt  bei
Verwendung  der  Truppen  im  Rayon  der  Festung,  ohne  jede  Rückficht
auf  Rang  oder  Anciennetät  vom  Kommandanten  der  Festung  nach  dessen
Anordnung  zur  Truppenführung  sich  verwenden  zu  lassen  und  demselben,
wo  dies  nöthig  ist,  Relationen  einzureichen.  Zu  diesen  Truppenbefehlshabern
  zählt  der  Brigadekommandeur,  wenn  mehr  als  3  Bataillone  seiner
Brigade,  der  Regimentskommandeur,  wenn  2  Bataillone  seines  Regiments
zur  Besatzung  gehören.

11.  Will  der  kommandirende  General  —  in  kleineren  Orten
und  Festungen  auch  ein  anderer  höherer  Truppenbefehlshaber  —  eine
außergewöhnliche  Alarmirung  behufs  einer  vorzunehmenden  Trupbesichtigung
  veranlassen,  so  hat  er  vorher  dem  Kommandanten  Mittheilung
zu  machen.  Dieser  ist  dabei  nicht  weiter  betheiligt.

12.  Beabsichtigt  der  kommandirende  General  mit  der  Alarmirung
zugleich  ein  Festungsmanöver  zu  verbinden,  so  gibt  er  hierüber  seine
Weisungen  und  setzt  gleichfalls  den  Gouverneur  oder  Kommandanten  in
Kenntniß.

13.  Für  die  vom  Festungskommandanten  anzuordnenden
Festungsmanöver  gehen  die  Lokalanordnungen  hiezu  von  dem  betreffenden
  Kommandanten  aus.

14.  Den  Kommandanten  steht  eine  kontrolirende  Einwirkung
auf  die  Lazarethadministration  und  Krankenpflege  zu.  Sie  erhalten  Rapporte
über  den  Krankenstand  der  Garnison  von  dem  Chefarzte.