Volltext : Das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

Reichs=  und  Staatsangehbrigkeitsgesetz.  §§  23,  24.  109

8.  Verhaftung  und  Festnahme.  Die  Strafprozeßordnung  unterscheidet
  Verhaftung  und  vorläufige  Festnahme.  §  112—132.

Verhaftung  ist  die  auf  Grund  richterlichen,  schriftlichen  Haftbefehls
  erfolgende  Festrahme  —  §  114  —,  vorläufige  Festnahme
jede  andere  nach  §  127  zulässige  Festnahme.  §  23  Röt.  meint
mit  Festnahme  offenbar  die  vorläufige  Festnahme  im  Sinne  des
§  127  StPO.,  jedoch  nur  dann,  wenn  sie  auf  Anordnung  einer
Gerichts=  oder  Polizeibehörde  erfolgt.

9.  Absatz  2.  Bisher  umfaßte  die  Entlassung  auch  Frau  und
Kinder,  sofern  in  der  Urkunde  kein  Vorbehalt  gemacht  worden
war.  Jetzt  ist  es  umgekehrt.  Frau  und  Kinder  gelten  nur  dann
als  einbegriffen,  wenn  sie  ausdrücklich  erwähnt  werden.  Es  muß
auch  stets  für  sie  ein  besonderer  Antrag  gestellt  werden.

Bei  der  Entlassung  der  Frau  ist  §  18,  bei  der  der  Kinder  §  19
und  bei  minderjährigen  Söhnen,  die  älter  als  17  Jahre  sind,
§  22  zu  beachten.

10.  Kinder.  Einleitung  32.  Erläuterung  3  zu  4,  7  zu  16.

11.  URA.  Die  Vorschrift  gilt  auch  für  die  Entlassung  aus
der  URA.

§  24.

Die  Entlassung  gilt  als  nicht  erfolgt,  wenn  der  Entlassene
  beim  Ablauf  eines  Jahres  nach  der  Aushändigung
der  Entlassungsurkunde  seinen  Wohnsitz  oder  seinen
dauernden  Aufenthalt  im  Inland  hat.

Diese  Vorschrift  findet  keine  Anwendung,  wenn  der  Entlassene
  sich  die  Staatsangehörigkeit  in  einem  anderen
Bundesstaate  gemäß  §  20  vorbehalten  hat.

1.  Geschichte.  Das  alte  Gesetz  sagte  in  §  18:  Die  Entlassung
wird  unwirksam,  wenn  der  Entlassene  nicht  binnen  6  Monaten
vom  Tage  der  Aushändigung  der  Entlassungsurkunde  an  seinen
Wohnsitz  außerhalb  des  Bundesgebietes  verlegt.

Die  V.  hatte  unter  Beibehaltung  der  Frist  von  6  Monaten  die
jetzt  in  das  Gesetz  gebrachte  Fassung  gewählt,  mit  der  Begründung,
die  Absicht  des  Gesetzes,  Scheinauswanderungen  zu  vereiteln,  werde
durch  die  neue  Fassung  „in  zweckmäßigerer  Weise  zur  Ausführung
gebracht“.  B.  28.

In  der  R.  hat  man  erkannt,  daß  die  neue  Fassung  geeignet
sei,  einem  ganz  anderen  Zwecke  zu  dienen,  nämlich  zurückkehrenden