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Trotzdem daß sie in Ergland andere Namen führen und die beiden ersteren aristokratischen
Ursprunges sind, erscheinen dennoch in ihrer weiteren Entwickelung die
charakteristischen Gegensätze des Kontinents.
Auf die alten Parteien Frankreichs und Deutschlands übergehend, behauptet der
Verfasser, daß mit Napoleon's Sturz der Konservatismus begonnen habe, praktisch
aufzutreten, und daß ihm sofort der Liberalismus entgegengetreten sei, von daher
aber die förmliche Organisation der beiden Parteien sich datire (S. 9). Fünf
Seiten zurück (S. 4.) erblickt der Verfasser für das kontinentale Parteiwesen den
Ausgangspunkt in der französischen Revolution. Unseren Studien nach ist das Ergebniß
folgendes: Am 5. Mai 1789 ward in Frankreich eine Versammlung der Reichsstände
eröffnet. Als Klerus und Adel aus Hochmuth ihre Vollmachten nicht gemeinsam
mit dem dritten Stande verificiren wollten, konstituirte sich der dritte Stand für
sich als Nationalversammlung und es trat hierauf zu demselben die ülste des
Klerus und eine ansehnliche Anzahl von Edelleuten. In der Nationalversammlung
organisirte sich zum ersten Male die Parteibildung durch Wahl bestimmter Sigße.
Auf der Linken saßen die Angreifer des Alten, auf der Rechten dessen Vertheidiger,
im Mittelpunkt die Gemäßigten. Nach Umsturz der Privilegien in der Sturmnacht
des 4. August trat bei der Debatte über die neue Verfassung die principielle Parteiung
bestimmter hervor: die Linke mit immer stärkerer demokratischer Färbung und
ihr gegenüber Konstitutionelle, vielsach aus der Blüthe des hohen Adels. Der Konservatismus
ist denn daher doch wohl schon vor der Restauration als Rechte und
Konstitutionelle aufgetreten. Richtig ist nur, daß in der nach der Restauration unter
Ludwig XVIII. am 7. Oktober 1815 eröffneten Wahlkammer die Oppofition den
Namen der Liberalen führte, indeß wurden damals die Bourbonisten und Reaktionäre
nicht Konservative, sondern Ultras genannt. In der nach Auflösung dieser
Kammern neugebildeten unterschied man zum ersten Mal eine äußerste Linke und
Rechte als die beiden Extreme und ein linkes und rechtes Centrum als die Mittelparteien.
Unter Karl X. wurde die opponirende liberale Partei immer zahlreicher.
Die Bezeichnung der Parteien nach den Sitzen, auf der Linken oder Rechten oder im
linken oder rechten Centrum setzte sich auch unter Louis Philippe fort. Von geschlossenen
und gehörig organisirten politischen Parteien konnte unter der scheinkonstitutionellen
Verrschsst Napoleons nicht die Rede sein. Die Parteien der Republik
der Gezenwart aber haben die Eintheilung in Rechte, Centrum und Linke mit ihren
Unterabtheilungen, leich den Parteien zur Zeit der bourbonistischen und orleanistischen
Monarchie, wieder aufgenommen und beibehalten. #
Was aber speciell Deutschland betrifft, so hat es dem Wesen nach zwar in der
Einzelkammern Deutschlands und in den Gesammtversammlungen des Nationalparlaments
Konservative, Liberale und Radikale gegeben, und den Sitzen nach: eine Rechte und
Linke, und später auch Centrum, aber die Bezeichnungen für dieselben waren wohl
ehr verschiedene und find es noch. So zählte z. B. der Reichstag des Norddeutschen
undes fieben Fractionen: die konservative, die freikonservative, das Centrum, die
bundesstagtlich-konstitutionelle, die nationalliberale, die freie vereinigte und die
deutsche Fortschrittspartei. In Bezug auf die erste Parteibildung im Reichstage
sagte Ludwig Bamberger: „Das überkommene Partei-Gefüge hat sich durch das
Schwergewicht seiner eigenen Daseinsgründe als ein berechtigtes und unvermeidliches
bewährt."“ Es bildeten sich neben der konservativen, freikonservativen, nationalliberalen,
Fortschrittspaxtei den nicht deutschen Fraktionen und der der Solialdemokraten
die liberale Reichspartei und das Centrum der ultramontanen Katholiken
nebst ihren protestantischen Hospilanten, erstere als neue und letztere als
so kompakte Partei heraus wie nie zuvor. In neuerer Zeit hat sich noch eine besondere
deutsch-konservative Partei, welche wohl auch so ziemlich die Agrarier absorbirt
hat, gebildet. Ob mit allen diesen zahlreichen Parteien die Bildung von Parteien
für den deutschen Reichstag abgeschlossen ist, steht dahin. Freihandel oder Schutz-Loll.
Regierungsfolge oder Opposition wider dieselbe können vielleicht noch zu neuen
Parteien führen. »
Alle diese Parteien sind aber aus deutschen Zuständen entstanden, und wenn ihre
Bezeichnungen wie Liberale, Rechte und Linke französischen verwandt sind, so ist
doch dadurch ihr Wesen dem der Parteien Frankreichs nicht nachgebildet. Auch in
Deutschland wird sich die Sichtung und Vereinsachung des Parteiwesens vollziehen
müssen nach den drei großen Grundrichtungen: den Konservativen mit dem Princip