Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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Zu  einer  Gruppenwasserversorgung  haben  sich  die  rheinhessischen
Gemeinden  Bodenheim,  Nackenheim,  Laubenheim,  Gau--Bischofsheim.
Harxheim,  Lörzweiler,  Mommenheim  und  Ebersheim  in  dem  „Wasserverstergungan#erband
  für  das  Bodenheimer  Gebiet“
busammengeschlossen.  Jede  Gemeinde  besitzt  zwei  Behälter,  von  denen
einer  nur  bei  Bränden  zur  Speisung  der  Oydranten  in  Tätigkeit  tritt,
während  der  andere  zur  täglichen  Wasserversorgung  die  Für  die  ein-.
gelnen  Gemeinden  sollen  die  Kosten  für  1000  Liter  mt  über  25  Pfg.

etragen.

Durch  cin  großes  Kreiswasserwerk  ist  der  Kreis  Bergheim
(Prov.  Rheinland)  vorbildlich  vorgegangen.  Und  zwar  ist  es  von  besonderem
  Interesse,  daß  es  sich  um  einen  Kreis  mit  ausgesprochen  landwirtschestlichem
  Charakter  handelt,  der  ein  so  gewaltiges  Werk,  das  etwa

1¼  Millionen  M.  Kosten  verursachte,  aus  eigenen  Kräften  heraus  ge-Fffen
  hat.  Wie  dankbar  von  der  Bevölkerung  diese  Gelegenheit  #ur
sserbeschaffung  empfunden  wurde,  geht  daraus  hervor  daß  schon
der  Betriebseröffnung  am  1.  Juli  1005  4500  Hausanschlüsse  ritgecptenn
und  1500  in  sicherer  Aussicht  waren.  Das  Rohrnetz  umfaßt  rund  245
Kilometer.  Die  zurzeit  bestehenden  Sätze  für  Wasserabgaben  sind
äußerst  niedrig  (15  Pfg.  für  den  Kubikmeter),  und  ermäßigen  sich  be
größerem  Wasserverbrauch  noch  beträchtlich.  (Aus  der  eielen  ktigteit.
der  preußischen  Kreisverwaltungen",  Berlin  1907,  Seite  117  f.)

Um  die  beste  und  billigste  Versorgung  mit  Licht  und  Kraft
streiten  sich  verschiedene  Techniken,  in  erster  Reihe  das  Gas  und  die
Elektrizität.  Die  Entscheidung,  welche  Quelle  der  Licht-  und  Krafterzeugung
  vorzuziehen  ist,  sällt  deshalb  ost  schwer,  und  ist  nur
von  Fall  zu  Fall  unter  Berücksichtigung  der  örtlichen  Verhältnisse
und  besonderen  Bedürsnisse  zu  tressen.  Es  scheint  freilich,  als
ob  neuerdings  mit  Rücksicht  daraus,  daß  für  die  Zukunft  der  endgültige
  Sieg  doch  wohl  der  Elektrizität  vorbehalten  ist,  bei  der
Anlage  von  ländlichen  Licht-  und  Kraftwerken  im  allgemeinen
dieser  der  Vorzug  gegeben  wird,  trotzdem  ihre  Verwendung  für
manche  Zwecke  des  täglichen  Lebens  (Kochen,  Heizen  usw.)  noch
wesentlich  teurer  ist  als  der  Gebrauch  von  Gas.

Das  Ideal  der  billigen  Versorgung  des  ganzen  Landes  mit
dieser  reinlichen,  bequemen  und  vielseitig  verwendbaren  Kraft,
wird  umso  eher  Wirklichkeit  werden,  je  eher  man  sich  bei  ihrer  Erzeugung
  von  der  teuren  Kohle  unabhängig  machen  kann.  Als
Ersatz  dasür  kommen  in  Betracht  die  noch  wenig  oder  gar  nicht  aus.
genutzten  riesigen  Kraftmengen,  die  uns  vor  allem  in  den  Wasserläusen,
  dann  aber  auch  in  den  der  Kultivierung  harrenden  großen
Mooren,  und  in  gewissem  Maße  auch  in  den  Luftströmungen  zur
Verfügung  stehen.

In  einer  Denkschrift  vom  Jahre  1907,  die  das  bayerische  Ministerium
des  Innern  über  die  Wasserkräfte  Baherns  herausgegeben  hat,  heißt  es.
daß  das  20.  Jehrhundert  das  Jahrhundert  der  Wasserkräfte  sein  wird.
Diese  Behauptung  erscheint  nicht  übertrieben,  wenn  man  bedenkt,  daß  in
den  letzten  20  Jahren  in  Deutschland  gegen  100  Talsperren  mit  über

00  000  Pferdekräften  gebaut  oder  in  Angriff  genommen  sind  und  weiter
EWin  Kraftwerke  mit  1½  Millionen  Pferdekräften  bereits  geplant