— 349 —
bildet Diakonieschwestern für ländliche Krankenund
Gemeindepflege aus:; eine Anzahl solcher Schwestern
sind in verschiedenen Lerbgemeinden als Gemeindeschwester tätig.
Die Rote-Kreuz= Schwestern, die in den in allen Gegenden
Deutschlands befindlichen 31 Mutterhäusern des „Verbandes
Deutscher Krankenpflege-Anstalten vom Roten Kreuz“ eine in
technischer und ethischer Beziehung gleich vortreffliche Ausbildung
erhalten, können in allen Landgemeinden angestellt werden, doch
sind sie hauptsächlich nur in der Krankenpflege tätig, weniger in
den übrigen Zweigen der Gemeindepflege. In Notständen auf
dem Lande, wie z. B. beim Ausbruch von Epidemien usi stellen
sie sich, den Statuten des Roten Krenzes entsprechend, den Landkrankenpflegestationen
auch zu außergewöhnlicher Hilfeleistung bereit.
Die acht großen Frauen-Vereine vom Roten Kreuz in
Preußen und Norddeutschland, Bayern, Baden, Württemberg,
Sachsen, Hessen, Weimar und Mecklenburg- Schwerin. haben in den
von ihnen begründeten Landkrank · eine große Anzahl
Noter Kreuz.Schwestern angestellt.
In Anbetracht der Schwierigkeit, Krankenschwestern von Beruf
in auseichender # für die ländliche Krankenpflege zu gewinnen,
hat der Badische Frauenverein auf Veranlassung
der pn de de schon im Jahre 1885 zuerst den Versuch gemacht,
Hilfskräfte aus den Landgemeinden selbst, ältere Mädchen oder
Witwen zu freiwilliger Hilse in der Krankenpflege in ihrer
Heimatgemeinde zu gewinnen. Sie erhalten völlig kostenlos im
Ludwig Wilhelm-Krankenhaus in Karlsruhe sechs Wochen theoretische
und praktische Unterweisung in der Krankenpflege und
Krankenkost, daun sechs Wochen Uebung in praktischer Tätigkeit in
vier Krankenhänsern. Darauf übernehmen sie in ihrer Heimat
das Amt einer „freiwilligen Landkrankenpflegerin“ neben ihrem
alten Beruf, und bekommen entweder ein festes kleines Gehalt oder
Vergütung von Einzelleistungen in der Krankenpflege. Alle
bleiben in fester Verbindung mit dem Badischen Frauenverein,
tragen ein silbernes Dienstkreuz und Diensttracht, sobald sie die
Krankenpflege im Nebenamt ausüben und verwalten
den ihnen übergebenen Schrank mit den Krankenpflegeapparaten.
Nach dem Jahresbericht von 1900 sind jetzt 69 solcher freiwilligen
Idtrantenrilegerinnen in ihren Heimatgemeinden in Baden
tätig. — Eine ähnliche Einrichtung begründete einige Jahre nach
Einrichtung dieser badischen Landkrankenpflege Pastor Lühmann
in Sittensen, Bez. Stade, Hannover. Auf seine Veranlassung
bildet das „Hen riettenstift“ in Hannover
Mädchen oder Witwen im Alter von 36—50 Jahren aus Landorten
in sechs Monaten theoretisch und praktisch in der Krankenund
Gemeindepflege aus:; die ausgebildeten Gemeindepflegerinnen
übernehmen dann in ihrem Heimatort neben ihrem
bisherigen Beruf Krankenpflege und andere Zweige der Gemeindepflege,
leiten Kinderbewahranstalten, Franen- und Jungfranen-