Volltext : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

38

freund  läßt  sich  bei  seinen  immer  häufigeren  Besuchen  noch  bupentfeltlich
  verpflegen  und  beherbergen,  ferdert.  auch  ungeniert
*  Kartoffeln,  bald  beinige  Metzen  Hafer  und  wird  immer  mehr
err  im  Hause.  Mit  jedem  Biehwechsel,  mit  jeder  neuen  Lieserung
wächst  das  Schuldlonto  2  Bauern  —  da  plötzlich  wird  der  ute  eerund
  Hausfreund  ängstlich,  er  müsse  nun  doch  eine  Sicher
6.  eine  Verschreibung,  Bin  Hypothelchen.  Der  geängstigte  #ett-  #
n  und  ist  nun  gänzlich  in  den  Händen  des  Wucherers,  der  eines  Tages
76  Schliace  zusgieht,  elle’  in  Haus  und  Hof  unler  das  amtliche  Siegel
en  läßt  und  eenlih  ur  gerichtlichen  Versteigerung  bringt.  Der  ge-—
  r—  Bauer  aber  muß  das  mit  seinem  Schweiß  gepflegte
Heim  verlassen.  So  ist  die  wucheris  vichleib-  der  erste  Schritt  zum
Ruin  vieler  kleiner  Existenzen  auf  dem  Lande  und  ihre  Bekämpfung
eine  der  Aufgaben,  welche  der  ländlichen  Wohlfahrtopflege  zu  stellen  sind.

Der  Schwindel  im  Dünger-  und  Futtermittelhandel  besteht
noch  immer  in  großem  Umsange,  vor  allem  werden  mit  Freß-  und
Mastpulvern  der  Landwirtschaft  erhebliche  Summen  aus  der  Tasche
gezogen.  Ein  Beweis  ist  die  ungeheure  Summen  kostende  Reklame,
  welche  von  diesen  „Freunden  der  Landwirtschaft“  dauernd
gemacht  wird.  Eine  Blütenlese  versänglicher  und  schwindelhafter
Anzeigen  ist  in  der  im  Auftrage  der  Dentschen  Landwirtschafts-Gesellschaft
  herausgegebenen  Broschüre  „Vorsicht  beim  Ankauf  von
Diinge-  und  Futtermitteln“  veröfsentlicht.  Wo  Genossenschaften
nicht  bestehen,  die  durch  Bezug  von  reellen  Firmen  oder  ihren
Zentralorganisationen  den  Abnehmern  reelle  Ware  garantieren,
empsiehlt  sich  zu  diesem  Zwecke  Zusammenschluß  der  Interessenten
zu  gemeinsamem  Kauf.

Dem  Schwindel  mit  Heilmitteln  ist  nicht  leicht  zu  begegnen,
da  Aberglaube  und  Unwissenheit  diesem  unsauberen  Handel  Vorschub
  leisten.  In  erster  Linie  kommt  Ausklärung  und  Belehrung
der  Landbevölkerung  in  Betracht.

Zu  erwähnen  sind  die  fortlausend  erscheinenden  Bekannt.
machungen  des  Ortsgesundheitsrates  in  Karlsruhe  über  Geheim.
mittel.  Eine  gleichartige  Verösfentlichung  in  Kreisblättern  und
anderen  amtlichen  Organen  wäre  zu  wünschen.  Es  empfiehlt  sich
auch,  die  sogenannten  volkstümlichen  Blätter  und  Kalender  auf
derartige  Inserate  hin  anzusehen  und  nur  auf  die  Verbreitung
solcher  Schriften  hinzuwirken,  in  denen  Anzeigen  dieser  Art
prinzipiell  nicht  ausgenommen  werden.

Dem  Geldwucher  haben  die  Darlehnskassen  auf  dem  Lande  erfolgreich
  entgegengearbeitet  (vergl.  Genossenschaftswesen).  Unerläßlich
  ist  eine  reichhaltigere  Belehrung  der  Landbevölkerung  in
Vereinen,  Winter-  und  Fortbildungsschulen  über  Natur  und  Wesen
des  Wechsels.  Der  Verein  gegen  wucherische  Ansbeutung  des
Volkes  im  Großherzogtum  Baden  ist  schon  erwähnt.

Literatur.  Der  Wucher  auf  dem  Lande.  Berichter  und  Gatachten.
  Schrift  r.  f.  z#ialpolitik.  Leipslg.  Bd.  36  und  38.  1
1886.  —  v.  cher  Der  Wucher  auf  dem  Lande  i.  der  Zeir.