Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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habe  sich  die  zweite  Kurie  bei  diesem  Bescheid  beruhigt,  und  den
kurfürstlichen  Entwurf  zunächst  einfach  angenommen,  der  noch
an  demselben  Tage,  nach  Tische,  den  Städten  im  Namen  beider
höheren  Kurien  mitgeteilt  wurde).

Aber  diese  anscheinende  Einmütigkeit  innerhalb  der  letzteren
erwies  sich  nur  zu  bald  als  trügerisch.  Eben  in  diesem  Augenblick,
  als  dergestalt  eine  erste,  vorläufige  Einigung  erzielt  und  die
Sache  im  besten  Gang  zu  sein  schien,  traten  sich  die  im  Schofse
der  Versammlung  vorhandenen  Gegensätze  zum  ersten  Mal,  und
zwar  gleich  mit  einer  solchen  Schroffheit  entgegen,  dafs  einen
Augenblick  der  Fortgang  der  Verhandlungen  überhaupt  in  Frage
gestellt  war.

Es  waren  die  Altgläubigen,  welche  sich  gegen  die  bisherige
Behandlung  der  Dinge  am  Reichstage  zur  Wehr  zu  setzen  begannen;
  zumal  wohl  die  geistlichen  Fürsten,  welche  damals  innerhalb
  der  zweiten  Kurie  um  so  mehr  Gelegenheit  fanden,  sich  zur
Geltung  zu  bringen,  als  die  weltlichen  Glieder  durch  die  erwähnten
Dessionsirrungen  gespalten  und  zum  Teil  von  den  Sitzungen  fern
gehalten  wurden?).  Allerdings  hatten  sich  die  Bischöfe  anfangs  so
geberdet,  dafs  auf  weltlicher  Seite  teilweise  die  Erwartung  herrschte,
sie  seien  geneigt,  mildere  Saiten  aufzuziehen,  während  freilich
Schärferblickende  von  Anfang  an  nicht  das  Zutrauen  zu  ihnen  hatten,
dals  sie  sich  in  die  Sachlage  würden  zu  finden  wissen°).  Es  scheint,
dafs  sie  anfangs  allerdings  eine  gemäflsigtere  Haltung  beobachteten,  die

»  N  S.305;  T  zum  30.  Juni;  vgl.  unten  Kap.  3  und  die  städtische
Aufzeichnung  in  Beilage  7  (Variante  E).

2)  Eine  Frankfurter  Relation  vom  27.  Juni  sagt:  „der  meiste  Teil  der
Fürsten  sind  geistlich  und  die  weltlichen  den  geistlichen  anhängig,“  welches
letztere  allerdings  wohl  mit  einiger  Einschränkung  zu  verstehen  ist,  aber
gerade  die  reformfreundlichen  Botschaften,  wie  die  des  Markgrafen  Kasimir
und  Philipps  von  Hessen,  nahmen  wegen  der  Sessionsirrungen  an  den
Sitzungen  meist  keinen  Anteil,  während  unter  den  weltlichen  Mächten  die
in  der  That  den  Geistlichen  nahestehenden  Abgeordneten  der  bairischen
Herzöge  anfangs  in  der  Fürstenkurie  tonangebend  gewesen  zu  sein  scheinen.

3)  Philipp  von  Feilitsch,  welcher  als  Vertreter  Kursachsens  am  28.  Juni
anlangte,  erstattete  noch  an  demselben  Tage  seinem  Herrn  über  den  Stand
der  Dinge  am  Reichstage  Bericht.  Darin  heifst  es:  einige  Fürstenräte  hätten
ihm  gesagt,  die  Geistlichen  liefsen  sich  etwas  milder  als  früher  vermerken;
allein  „ein  anderer  Part“  habe  ihn  berichtet,  sie  hätten  sich  vielmehr  miteinander
  vereinigt,  „ihre  alte  Bahn  zu  erhalten“.  Vgl.  hierzu  auch  die
Äufserung  Nürnbergs  vom  30.  Juni,  unten  $.  232,  1.