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habe sich die zweite Kurie bei diesem Bescheid beruhigt, und den
kurfürstlichen Entwurf zunächst einfach angenommen, der noch
an demselben Tage, nach Tische, den Städten im Namen beider
höheren Kurien mitgeteilt wurde).
Aber diese anscheinende Einmütigkeit innerhalb der letzteren
erwies sich nur zu bald als trügerisch. Eben in diesem Augenblick,
als dergestalt eine erste, vorläufige Einigung erzielt und die
Sache im besten Gang zu sein schien, traten sich die im Schofse
der Versammlung vorhandenen Gegensätze zum ersten Mal, und
zwar gleich mit einer solchen Schroffheit entgegen, dafs einen
Augenblick der Fortgang der Verhandlungen überhaupt in Frage
gestellt war.
Es waren die Altgläubigen, welche sich gegen die bisherige
Behandlung der Dinge am Reichstage zur Wehr zu setzen begannen;
zumal wohl die geistlichen Fürsten, welche damals innerhalb
der zweiten Kurie um so mehr Gelegenheit fanden, sich zur
Geltung zu bringen, als die weltlichen Glieder durch die erwähnten
Dessionsirrungen gespalten und zum Teil von den Sitzungen fern
gehalten wurden?). Allerdings hatten sich die Bischöfe anfangs so
geberdet, dafs auf weltlicher Seite teilweise die Erwartung herrschte,
sie seien geneigt, mildere Saiten aufzuziehen, während freilich
Schärferblickende von Anfang an nicht das Zutrauen zu ihnen hatten,
dals sie sich in die Sachlage würden zu finden wissen°). Es scheint,
dafs sie anfangs allerdings eine gemäflsigtere Haltung beobachteten, die
» N S.305; T zum 30. Juni; vgl. unten Kap. 3 und die städtische
Aufzeichnung in Beilage 7 (Variante E).
2) Eine Frankfurter Relation vom 27. Juni sagt: „der meiste Teil der
Fürsten sind geistlich und die weltlichen den geistlichen anhängig,“ welches
letztere allerdings wohl mit einiger Einschränkung zu verstehen ist, aber
gerade die reformfreundlichen Botschaften, wie die des Markgrafen Kasimir
und Philipps von Hessen, nahmen wegen der Sessionsirrungen an den
Sitzungen meist keinen Anteil, während unter den weltlichen Mächten die
in der That den Geistlichen nahestehenden Abgeordneten der bairischen
Herzöge anfangs in der Fürstenkurie tonangebend gewesen zu sein scheinen.
3) Philipp von Feilitsch, welcher als Vertreter Kursachsens am 28. Juni
anlangte, erstattete noch an demselben Tage seinem Herrn über den Stand
der Dinge am Reichstage Bericht. Darin heifst es: einige Fürstenräte hätten
ihm gesagt, die Geistlichen liefsen sich etwas milder als früher vermerken;
allein „ein anderer Part“ habe ihn berichtet, sie hätten sich vielmehr miteinander
vereinigt, „ihre alte Bahn zu erhalten“. Vgl. hierzu auch die
Äufserung Nürnbergs vom 30. Juni, unten $. 232, 1.