Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

L

land  an  der  Genossenschaftsbewegung  beteiligt
  sein  müssce.

In  diesem  Sinne  sucht  auch  der  „Deutsche  Verein  für  ländliche
  Wohlfahrts.  und  Heimatpflege“'  seinen  Einfsluß  überall
geltend  zu  machen.  Wenn  es  selbstverständlich  auch  nicht  seine
Ausgabe  sein  kann,  selbst  Genossenschaften  zu  gründen  und  zu  organisieren
  —  das  überläßt  er  den  berufenen  genossenschaftlichen
Zentral-Organisationen  —  so  sucht  er  doch  da,  wo  noch  keine  Genossenschaften
  vorhanden  sind,  ihrer  Einführung  den  Boden  zu
bereiten.  An  einem  Beispiel  möge  gezeigt  werden,  wie  die  Wohl.
fahrtspflege  für  die  Ausbreitung  des  Genossenschaftsgedankens
erfolgreich  wirken  kann.  Dies  von  Landrat  Duderstadt  in  Westerburg
  eingehend  beschriebene  Beispiel  ist  wiedergegeben  in  dem
1907  erschienenen  Werke:  „Aus  der  fozialen  Tätigkeit  der  preußischen
  Kreisverwaltungen“,  S.  56  ff.  Der  genannte  Landrat  hatte
wiederholt  die  Erfahrung  gemacht,  daß  die  Bauern  seines  Kreises
eine  starke  Abneigung  gegen  jeden  genossenschaftlichen  Zusammenschluß
  hatten  und  allen  Bemühungen,  Genossenschaften  zu  gründen,
hartnäckigen  entgegensetzten.  Hauptgrund  war:  mangelndes
  Verständnis  und  Mißtrauen.  Die  Bildung
  einer  Obstabsatzgenossenschaft.  die  für  den  Kreis  ein  dringendes
  Bedürfnis  gewesen  wäre,  erwies  sich  als  ganz  unmöglich.

„Ich  entschloß  mich  deshalb“,  so  heißt  es  in  dem  Berichte,  „den
gemeinschaftlichen  Obstverkauf  auf  eigene  Faust  zu  organisieren.
Neben  dem  eigentlichen  Zwecke,  hierdurch  eine  lohnende  Verwertung
  des  Obstes  zu  schaffen,  verfolgte  ich  auch  den  idealeren

weck,  den  Leuten  an  einem  Beispiele  zu  zeigen,
welche  Macht  die  gemeinschaftliche  Arbeit  erzeugt
  und  welche  Erfolge  ein  zielbewußtes  gemeinsames  Vorgehen
  hat,  mit  anderen  Worten,  ich  wollte  die  Bevölkerung  genossenschaftlich
  vorbilden  und  so  den  Boden  für  die
Gründung  von  Genossenschaften  auf  allen  geeigneten  Gebieten  vorbereiten.“
  —  Wie  das  zielbewußt  gegebene  Beispiel  gewirkt  hat,
möge  man  daraus  ersehen,  daß  heute  fast  der  ganze  Kreis  mit
blühenden  Genossenschaften  versehen  ist.

Wie  andererseits  die  genossenschastlichen  Verbände  und  die
Einzelgenossenschaften  die  ländlichen  Wohlfahrtsbestrebungen  in
jeder  Weise  unterstützen,  darüber  soll  im  letzten  Abschnitt  dieses
Kapitels  noch  gesprochen  werden.  Mit  besonderer  Freude  aber
wollen  wir  hier  schon  seststellen,  daß  unser  auf  Gegenseitigkeit  beruhendes

  Verhältnis  zu  den  Genossenschasten  im  Laufe  der  Jahre
immer  herzlicher  und  inniger  geworden  ist.

Um  ihre  umfassenden  und  großen  Aufgaben  nach  einheitlichen
  Plänen  zum  Wohle  der  gesamten  Landbevölkerung
ausführen  zu  können,  haben  sich  die  Genossenschaften  zu  Verbänden
  zusammen  geschlossen,  und  zwar  hat  seit  der  Herausgabe
  der  letzten  Auflage  unseres  „Wegweisers“  in  dieser