Volltext : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

stellung  französischer  Meisterwerke,  die  aus  vorwiegend  französischem
Besitz  stammten,  in  der  Berliner  Akademie  einige  Jahre  vor  dem
Weltkriege.  Graf  Seckendorff  war  alles  in  allem  eine  der  markan—
testen  Erscheinungen  in  der  Kunstwelt  und  als  solche  von  unschätzbarem
  Wert  für  die  künstlerischen  Bestrebungen  meiner  Mutter.

Ein  steks  willkommener  Gast  in  meinem  Elternhause  war  der  hochgeschätzte
  Bertraute  meines  Vaters,  der  nachmalige  Justizminister
v.  Friedberg,  uns  Kindern  von  frühester  Jugend  her  bekannt.  Wir
haben  ihn  verehrt  und  sehr  an  ihm  gehangen.  Er  war  ein  prächtiger
  Mann,  schlicht,  selbstlos  und  lopal.  Bei  meinen  Eltern  stand
er  ebenso  wie  nachmals  bei  mir  in  hohem  Ansehen,  mein  Bater  hat
ihm  in  seiner  kurzen  Regierungszelt  den  Schwarzen  Adlerorden  verliehen.
  Es  war  eine  der  wenigen  Dankesbezeugungen,  die  er  seinen
Getreuen  erweisen  konnte.  Ich  werde  Friedbergs  bei  dem  Kapitel
über  die  neunundneunzig  Tage  noch  zu  gedenken  haben.

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Eine  große  Rolle  spielte  bei  meinen  Eltern  der  damalige  Generaldirektor
  der  Königlichen  Museen,  Graf  Usedom,  der  früher  Diplomat
gewesen  war.  Mit  seinem  Bart  und  dem  ausrasierten  Kinn  sah  er
aus  wie  ein  richtiger  Elblotse.  Er  war  schon  in  den  vierziger  Jahren
preußischer  Gesandter  in  Rom  gewesen  und  soll,  wie  mein  Vater  sagte,
höchst  amüsant  aus  dieser  Zeit  erzählt  haben,  meine  Mutter  konnte
er  damit  immer  erfolgreich  zum  Lachen  bringen.  Seine  Frau  Olympia,
eine  resolute  Dame  englischer  Herkunft,  pflegte  ihre  Urteile  über  alle
Menschen,  hoch  und  niedrig,  mit  erschreckend  offenem  Freimut  kund—
zutun,  während  ihre  umfangreiche  Tochter  Hildegard  eine  der  übermäßig
  begeisterten  Wagnerkanerinnen  war,  wie  man  sie  in  sener  Zeit
nicht  so  selten  antraf.  Der  alte  Usedom  pflegte  sich  darüber  gern  mit
der  ihm  eigenen  Mokanterie  zu  äußern.

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