128 Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1918—1923)
aber eine neue Abwärtsbewegung ein; am 23. März wurde zum ersten
Mal der Tiesstkurs des Vorjahres unterschritten. Es folgte eine kurze Zeit
relativer Stabilität, die jedoch im Juni 1922 von einem neuen starken Sturz
abgelöst wurde. Nur mit kurzen, für die Gesamtentwicklung des Wirtschaftslebens
aber desto gefährlicheren Unterbrechungen fiel die Mark bis zum 24. August
1922 auf den Stand von 1972,53 A = 1 3 und stieg dann vorübergehend
bis auf 1248,43 A — 18 am 6. September, um von diesem Tage ab weiter
bis auf 9127 A 13 am 8. November, den im Jahre 1922 verzeichneten
tiefsten Stand, zu fallen. Gegen Jahresschluß zeigte sich wieder eine kleine
Erholung, indem der Kurs vorübergehend bis auf 6084,75 .4A am 18. Dezember
gesteigert werden konnte.
Das Jahr 1923 brachte dann den völligen Zusammenbruch der Markwährung.
Zu Beginn des Jahres wurde noch ein Kurs von 7241,85 M
— 18 notiert. Durch die Stützungsaktion, die dem dringenden Verlangen der
Reichsregierung entsprechend zu Beginn der Ruhrbesetzung von der Reichsbank
vorgenommen wurde, gelang es, den Markkurs, der bereits am
31. Januar den Stand von 50 000.A für den Dollar erreicht hatte, auf etwa
20 000 A herunterzubringen und auf diesem Stande bis Mitte April d. Is.
zu halten. Von diesem Zeitpunkte datiert der unaufhaltsame neue Fall der
Markwährung. Schon am 14. Juni mußten über 100 000 aufgewendet
werden, um einen Dollar zu erwerben, am 30. Juli mehr als 1 Million, am
30. August mehr als 10 Millionen und am 17. September mehr als 100 Millionen
Mark. Am 9. Oktober wurde der Kurs von 1 Milliarde, am 19. Oktober
der von 10 Milliarden, am 1. November der von 100 Milliarden und am 14. November
der Kurs von 1 Billion Mark für einen Dollar überschritten. Am
20. November 1923 gelang es dann, den Kurs auf 4,2 Billionen Mark = 1 Dollar
zu stabilisieren.
Die devisenpolitischen Maßnahmen, die entweder von der Reichsbank
unmittelbar oder doch auf ihre Veranlassung und unter ihrer Mitwirkung getroffen
wurden, dienten teils dem Zweck, die für die dringenden Bedürfnisse der
Wirtschaft, besonders für die Volksernährung erforderlichen Devisen aufzubringen
und nach Möglichkeit in einer dem Gesamtwohl entsprechenden Weise zu
verteilen, teils sollten sie die allzu starken Schwankungen der Währung, besonders
die auf spekulative Machenschaften zurückzuführenden Schwankungen, mit ihren
unheilvollen Folgen für das Wirtschaftsleben verhindern oder doch wenigstens
mildern. Daneben bemühte sich die Reichsbank, dem Reich die Devisen zu