— 121 —
Leute, die zur Araberzeit vornehmlich von Sklavenraub und einem von den
Handeltreibenden erpreßten Durchgangszoll lebten. Sie bemalen sich mit
rotem Ton, mehr vielleicht zum Schutz gegen die Sonne als aus Eitel—
keit. Die Aschenhäufchen bei ihren Siedelungen deuteten auf den Gebrauch
hin, unschuldige Weiber als Hexen zu verbrennen. Und die tiefen Gräben
sind Zeichen ihres Eifers auf der Suche nach dem Kopalharz, das sich
in der Erde findet wie bei uns der Bernstein.
Im Westen von Usogo erstreckt sich die Landschaft Usagara, die bis
an den Rufidschi reicht. Sie steigt in drei Stufen an, die zwischen 500
und 5000 Fuß hoch sind. Tiefe Schluchten und Furchen bilden Wege
und Pässe. Feigen, Reis, Korn, Palmen, Bambus, Pisang wachsen in
den fleißig angebauten Tälern, und an den Abhängen finden zahlreiche
Rinderherden ausgiebige Weide. Nur der höchste Teil ist Halbwüste, wo
Aloe und Dorn zwischen Steinen wachsen. Die Wasseradern versiegen
hier nie. In den Überschwemmungsgebieten steht der dichte Urwald
zwischen November und April im schlammigen Untergrund, das sind die
Dschungeln. Und sie bildeten in der Araberzeit die vornehmlichste Zuflucht
der armen Bantu, denen die Jagd galt. Wir haben ihnen auf
unseren Plantagen reichlich lohnende Arbeit gegeben, dazu die Sicherheit
für den Ertrag ihrer eigenen Anlagen. Weinbau, Maulbeer= und Seidenzuchten,
Tabakpflanzungen bedecken jetzt das paradiesische Gelände. Man
wirbt Wangwana und Chinesen, auch Irwanesen, um der Kultur von
Tee, Kaffee, Zucker und Kakao Eingang zu verschaffen. Bohnen, Erbsen,
Kraut, Kohl, Melonen, Gurken, alle Obstsorten, Getreide, Mais, Baumwolle,
Mohn, Indigo bisher, ehe die chemische Synthese auf heimischem
Boden weit besseres künstliches Indigo schuf, auch dieses Färbemittel,
ferner Vanille, Pfeffer und Gewürze aller Art, geben reichliche Erträge.
In den Wäldern sind noch unangebrochene Bestände von Riesenstämmen
ungeheuren Wertes, wie des Cedro-, Teak-, Baobab= und Mahagonibaumes.
Auch in Deutsch-Ostafrika haben wir es mit einem ausgedehnten
Hochland zu tun, welches durch südnördlich verlaufende breite Verwerfungen
oder „Gräben“ mit stellenweise 2000 m tiefen Abstürzen, in denen
das Seengebiet eingebettet ist, begrenzt und durch vielfache westöstlich
verlaufende Regenströme zerklüftet ist. Das Hochland, reich an meist
erloschenen Vulkanen, bildet die Wasserscheide zwischen dem Nil, Kongo
und Sambesi. Die Steppe liegt durchschnittlich in 8o0 m Meereshöhe.