Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

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Leute,  die  zur  Araberzeit  vornehmlich  von  Sklavenraub  und  einem  von  den
Handeltreibenden  erpreßten  Durchgangszoll  lebten.  Sie  bemalen  sich  mit
rotem  Ton,  mehr  vielleicht  zum  Schutz  gegen  die  Sonne  als  aus  Eitel—
keit.  Die  Aschenhäufchen  bei  ihren  Siedelungen  deuteten  auf  den  Gebrauch
hin,  unschuldige  Weiber  als  Hexen  zu  verbrennen.  Und  die  tiefen  Gräben
sind  Zeichen  ihres  Eifers  auf  der  Suche  nach  dem  Kopalharz,  das  sich
in  der  Erde  findet  wie  bei  uns  der  Bernstein.

Im  Westen  von  Usogo  erstreckt  sich  die  Landschaft  Usagara,  die  bis
an  den  Rufidschi  reicht.  Sie  steigt  in  drei  Stufen  an,  die  zwischen  500
und  5000  Fuß  hoch  sind.  Tiefe  Schluchten  und  Furchen  bilden  Wege
und  Pässe.  Feigen,  Reis,  Korn,  Palmen,  Bambus,  Pisang  wachsen  in
den  fleißig  angebauten  Tälern,  und  an  den  Abhängen  finden  zahlreiche
Rinderherden  ausgiebige  Weide.  Nur  der  höchste  Teil  ist  Halbwüste,  wo
Aloe  und  Dorn  zwischen  Steinen  wachsen.  Die  Wasseradern  versiegen
hier  nie.  In  den  Überschwemmungsgebieten  steht  der  dichte  Urwald
zwischen  November  und  April  im  schlammigen  Untergrund,  das  sind  die
Dschungeln.  Und  sie  bildeten  in  der  Araberzeit  die  vornehmlichste  Zuflucht
  der  armen  Bantu,  denen  die  Jagd  galt.  Wir  haben  ihnen  auf
unseren  Plantagen  reichlich  lohnende  Arbeit  gegeben,  dazu  die  Sicherheit
für  den  Ertrag  ihrer  eigenen  Anlagen.  Weinbau,  Maulbeer=  und  Seidenzuchten,
  Tabakpflanzungen  bedecken  jetzt  das  paradiesische  Gelände.  Man
wirbt  Wangwana  und  Chinesen,  auch  Irwanesen,  um  der  Kultur  von
Tee,  Kaffee,  Zucker  und  Kakao  Eingang  zu  verschaffen.  Bohnen,  Erbsen,
Kraut,  Kohl,  Melonen,  Gurken,  alle  Obstsorten,  Getreide,  Mais,  Baumwolle,
  Mohn,  Indigo  bisher,  ehe  die  chemische  Synthese  auf  heimischem
Boden  weit  besseres  künstliches  Indigo  schuf,  auch  dieses  Färbemittel,
ferner  Vanille,  Pfeffer  und  Gewürze  aller  Art,  geben  reichliche  Erträge.
In  den  Wäldern  sind  noch  unangebrochene  Bestände  von  Riesenstämmen
ungeheuren  Wertes,  wie  des  Cedro-,  Teak-,  Baobab=  und  Mahagonibaumes.


Auch  in  Deutsch-Ostafrika  haben  wir  es  mit  einem  ausgedehnten
Hochland  zu  tun,  welches  durch  südnördlich  verlaufende  breite  Verwerfungen
  oder  „Gräben“  mit  stellenweise  2000  m  tiefen  Abstürzen,  in  denen
das  Seengebiet  eingebettet  ist,  begrenzt  und  durch  vielfache  westöstlich
verlaufende  Regenströme  zerklüftet  ist.  Das  Hochland,  reich  an  meist
erloschenen  Vulkanen,  bildet  die  Wasserscheide  zwischen  dem  Nil,  Kongo
und  Sambesi.  Die  Steppe  liegt  durchschnittlich  in  8o0  m  Meereshöhe.