Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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Weltlichen  nicht  so  friedlich.  Die  Baiern  nämlich  setzten  alles
daran,  um  einen  der  ihrigen,  den  entschieden  kurial  gesinnten
Christof  von  Schwarzenberg,  den  Vertreter  des  Herzogs  Wilhelm
von  München,  „einzureiben“'),  aber  all’  ihr  Mühen  war  umsonst,
die  reformfreundliche  Mehrheit  hielt  fest  und  errang  daher  den
vollständigsten  Sieg.  Das  Ergebnis  des  Wahlganges  war  nämlich
die  Entsendung  von  vier  entschiedenen  Reformfreunden,  ja  drei
ausgesprochenen  Anhängern  der  evangelischen  Lehre,  in  den  Ausschuls;
  letztere  waren  der  hessische  Deputierte  Balthasar  von
Weitelshausen,  genannt  Schrautenbach,  der  markgräflich  badische
Kanzler  Hieronymus  Vehus,  und  Graf  Bernhard  von  Solms;  ihnen
wurde  als  vierter  der  Vertreter  des  Pfalzgrafen  Friedrich,  Doktor
Laux  zugesellt,  welcher  vielleicht  als  altkırchlich,  aber  sicherlich
nicht  als  Freund  der  Beibehaltung  des  alten  Systerms  mit  allen
seinen  Schäden  angesehen  werden  konnte?).  Jedenfalls  war  das
Ergebnis  der  Ausschufswahl  bei  den  Weltlichen  ein  solches,  dafs
es  die  besten  Aussichten  auf  die  Entfaltung  einer  ersprielslichen
Wirksamkeit  eröffnete.

Noch  am  5.  Juli  hatte  die  Wahl  des  fürstlichen  Ausschusses
stattgefunden;  am  6.  bereits  begann  derselbe  seine  Thätigkeit;  täglich
hielt  er  Sitzungen  ab°),  und  in  verhältnismälsig  kurzer  Zeit  konnte  er
mit  einem  ausführlichen  Gutachten  hervortreten®).  Immerhin  drohte
auf  dem  hiermit  eingeschlagenen  Wege  der  Gang  der  Verhandlungen
  ein  schleppender  zu  werden:  der  fürstliche  Ausschuls  konnte
natürlich  nur  seinen  Auftraggebern,  den  Gliedern  der  fürstlichen
Kurie,  referieren;  hatte  dann  diese  sich  über  die  vorgelegten  Ratı)

  Ausdruck  der  Pfalzneuburgischen  Relation  vom  9.  Juli;  mit  dem  Hinzufügen
  „hat  aber  nicht  erhebt  werden  mögen“.

?)  Die  bairische  Relation  vom  1.  Juli  führt  ihn,  wie  wir  sahen,  unter
den  „christlichen  auf;  andererseits  erinnere  man  sich  des  einschneidenden
Reformprogrammes,  welches  Pfalzgraf  Friedrich  in  seiner  Instruktion  zum
Augsburger  Reichstage  entwickelte.  —  Über  die  Wahl  des  Ausschusses  berichtet
  am  eingehendsten  Schrautenbach;  dazu  vgl.  die  Pfalzneuburgische
Relation  vom  9.  Juli  und  Baumgärtners  Bericht  vom  gleichen  Tage,  sowie
die  bischöflich-  Augsburgische  Relation  vom  10.  Juli.  Die  Namen  der  Ausschufsglieder
  giebt  auch  N  zum  5.  Juli.

3)  Wenigstens  sagt  Schrautenbach,  am  nächsten  Morgen  7  Uhr  solle  der
Ausschuss  sich  konstituieren:  am  9.  berichtet  dann  Baumgärtner:  die  Ausschulsglieder
  „kommen  täglich  emsig  zusammen“.

%)  Über  dasselbe  s.  u.  Kap.  6.