MSBiuaeiter Teil: Im Stillen Ozean.
Neu-Guinea oder Kaiser-Wilhelmsland.
Wir versetzen uns nun um etwa hundert Grad nach Osten. Zwischen
Deutsch-Ostafrika und unserem Schutzgebiet in der „Südsee“ liegt so
ziemlich die ganze Länge Asiens.
Neu-Guinea ist die größte Insel der Erde, wenn man Australien
als Erdteil rechnet. Sie ist die nordöstlichste der gewaltigen Inselgruppe,
welche von den Philippinen und den Großen Sundainseln bis Neu-Seeland
ein Areal bedeckt fast so groß wie Afrika. Es reicht von Wendekreis
zu Wendekreis, und Neu-Guinea selbst stößt mit seiner Nordwestspitze
an den Aquator.
Mit dem Namen Kaiser-Wilhelmsland bezeichnet man den deutschen
Teil von Neu-Guinea. Sein Flächeninhalt beträgt etwa halb so viel
wie der des Königreichs Preußen. Auch dieses Schutzgebiet ist ein
tropisches und teilt in vielen Dingen die Natur der bisher geschilderten
Landstriche.
Ebenso bietet der Werdegang dieser Erwerbung ähnliche Phasen.
Hanseatische Reeder und Kaufßherren hatten Faktoreien angelegt, die sich
auf die Küste von Neu-Guinea erstreckten, dessen westliche Hälfte bereits
durch die Holländer von den benachbarten Sundainseln aus in ihr
Interessenbereich gezogen worden war. Zugleich hatte eine 1884 in
Berlin durch den Bankier von Hansemann gebildete Gesellschaft den
Reisenden Dr. Otto Finsch entsandt, der im Bismarck-Archipel (unseren
nördlich von Neu-Guinea liegenden Inseln) und auf Neu-Guinea selbst
die deutsche Flagge heißte. Auch hier erhob England, und zwar auf
heftige Vorstellungen Australiens, Einspruch, und auch hier gelangte es
mit uns zu einem Abkommen. Danach wurde die östliche Hälfte Neu-Guineas
durch eine Mittellinie zwischen Deutschland und England geteilt.