150 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Sept. 16.—20.)
winnen. Und haben wir die Frauen erst und die Jugend — und eine
nationale Erziehung gehört zu unsern heutigen Aufgaben — dann sind
wir gesichert für alle Zeiten. Ich hege das Vertrauen, daß die deutsche
Frau hierfür alle Eigenschaften besitzt, und ich bitte Sie deshalb, mit mir
ein Hoch auszubringen auf die deutschen Frauen im Großherzogtum Posen;
und möge das Deutschtum feste Wurzel fassen in Ihrem Lande! Hochl
Hoch! Hoch!
Meine Herren! Das beste Mittel gegen das Leiden, das ich habe,
ist, wie ich eben finde, daß ich mich frei aussprechen kann; ich sah dem
Augenblick, mit Ihnen zu sprechen, mit einiger Besorgnis entgegen, aber
nun ist mir wieder wohler als vorher. (Jubelnde Zustimmung.)
16. September. Teilnahme der preußischen Polen am
polnischen Nationalfeste in Lemberg s. Osterreich.
17. September. (Dortmund.) Niederlage der Sozialisten.
Bei den Wahlen für das Gewerbegericht siegt die Liste der christlichpatriotischen
Partei gegen die sozialistische Liste.
20. September. (Polenfrage.) Artikel der „Köln. Ztg."“
„Polnischer Hochmut und deutsche Demut. (Vgl. 26. Sept.).
Die „Köln. Ztg." bringt anläßlich einer Besprechung der Posener
Bismarckfahrt einige Ereignisse zur Sprache, die die Unterdrückung des
Deutschtums durch die Polen erweisen sollen. So soll der kommandierende
General des 5. Armeekorps v. Seeckt die Beteiligung einer Militärkapelle
an der Varzinfahrt verboten haben. „Dieses Verbot“, schreibt die „K. Z.“,
„muß wohl selbst die besondere Aufmerksamkeit des Kaisers erregt haben;
denn wir glauben zu wissen, daß sich der Kaiser bei dem General v. Seeckt
nach den Gründen des Verbotes erkundigt hat. Die Antwort, die hierauf
dem Kaiser, irren wir nicht, sowohl vom kommandierenden General als
vom Oberpräsidenten geworden ist, soll dahin gegangen sein, daß man der
Militärkapelle deshalb nicht die Teilnahme gestattet habe, weil die ganze
Huldigungsfahrt auf eine böswillige Kundgebung gegen die kaiserliche Politik
hinauslaufe. Nun sind wir aber überzeugt, daß eine solche Absicht gar
nicht vorlag, und die Reden haben das vollauf bestätigt. Für wie wenig
staatsgefährlich man die Fahrt nach Varzin ansah, geht ja auch schon
daraus hervor, daß das zweite Armeekorps ohne weiteres dem Komitee zwei
Militärkapellen in Uniform zur Verfügung stellte. Der Grund, den die
Behörden vorschieben, hat denn auch mit ihrer eigentlichen Haltung gar
nichts zu thun, sondern liegt sehr viel tiefer. In der sogenannten Bismarckpresse
wird die Sache manchmal so dargestellt, als ob sich die Haltung
der Regierung gegen den Reichskanzler richte, aber auch das ist ganz unzutreffend.
Die Lösung des Rätsels liegt einfach darin, daß man den
Deutschen Posens nicht gestatten will, sich an einer Kundgebung zu beteiligen,
die den Polen unerwünscht ist und gegen die diese alle ihnen zur
Verfügung stehenden Einflüsse aufwenden.“
Ferner soll der Oberpräsident der Provinz Posen v. Wilamowitz-Möllendorf
den Beamten die Beteiligung untersagt haben, während
polnische Demonstrationen kein Hindernis fänden; so habe sich ein polnischer
Graf, auf dessen Schlosse Prinz Georg v. Sachsen Quartier nahm, geweigert,
eine deutsche Fahne zu hissen. „Und fragt man nach dem Grunde
einer solchen schwächlichen Haltung, so gibt es nur den einen: Furcht vor
den Polen. Es scheint als ob die Regierung, d. h. der preußische Minister
des Innern, sich jedes Einflusses auf seine Untergebenen in Posen begeben