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Die Kiautschou-Bucht.
Rußland, England, Frankreich, Japan, auch Portugal hatten schon
seit 1842 eine Reihe großer Konzessionen von China sich erzwungen, als
Deutschland noch diesem maßgebenden Boden zukünftiger handelspolitischer
Entwicklung fernblieb. Daneben aber hatte der deutsch-chinesische Handel
bereits einen Riesenaufschwung genommen. Er steht an zweiter Stelle,
hinter dem englischen. Wir hatten nur in Tientsin am Peiho und in
Hankau am Nangtsefluß zwei kleine Gebiete als Kronkonzessionen inne,
die aber unserer Kriegsflotte, wie sie zum Schutze des Handels erforderlich
ist, keinen Stützpunkt boten. Freiherr von Richthofen hatte schon 1870
auf die Kiautschou-Bucht hingewiesen, und auch der Vater unseres jetzigen
Kaisers hatte die Notwendigkeit betont, daß wir an Chinas Küste einen
Hafen besitzen müßten. Der Geheime Marinebaurat G. Franzius prüfte
die Verwendbarkeit der sonst wenig begehrten und von China völlig ver-
nachlässigten Kiautschou-Bucht für diesen Zweck, und Verhandlungen mit
dem Tsungli-YDamen, dem Auswärtigen Amte zu Peking, wurden eingeleitet.
Trotzdem ging der Friedensschluß von Schimonoseki zwischen China und
Japan, bei dem wir das bedrängte China auf diplomatischem Wege
nachdrücklichst unterstützt hatten, vorüber, ohne daß unserem nach Lage
der Sache durchaus gerechtfertigten Verlangen nach einer gewissen Gleich-
stellung mit anderen Mächten genügt worden wäre.
Da geschah es im November 1897, daß zwei deutsche katholische
Missionare in Schantung ermordet wurden, und das gab den Anlaß,
daß Admiral Diederichs am 14. November mit drei Kriegsschiffen die
Einfahrt zur Kiautschou-Bucht besetzte. Die dort stationierten chinesischen
Truppen, etwa 2000 Mann, zogen sich ohne Schwertstreich zurück. Die
Besetzung der gesamten Bai erfolgte ohne tragisches Ereignis.
Ein Panzergeschwader unter dem Prinzen Heinrich folgte, und am
6. März 1898 kam ein Vertrag zustande, durch den uns China die Pro-
vinz Schantung als Einflußsphäre überließ und auf 99 Jahre die Kiaut-
schou-Bai bis zur Hochwassergrenze, dazu die vorliegenden Inseln Toloschan,
Thsalientau, Tschiposan, Tsintau (Potato-lsland) usw. sowie die Haupt-
inseln Lauscha und Hwangtau in Pacht gab. Das ganze Gebiet umfaßt
mit der Wasserfläche 920 qkm, und die neutrale Zone von 50 km Breite
mit der Stadt Kiautschou, innerhalb welcher China nur mit Zustimmung