Volltext : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Tod  Bernhards  von  Weimar.  Negterungsmwechjel  in  Brandenburg.  637

das  Faiferliche  Heer  zum  größeren  Teile  in  Norddeutichland  be-\häftigt
  war,  im  Süden  am  Nhein  Erfolge,  im  Dezember  Fapitulierte
das  wichtige  Breifach,  daS  er  lange  belagert  hatte:  bei  feinem  Streben,
das  ihm  im  Elfaß  zugeficherte  Fürftentum  zu  realifteren,  ftieß  er
auf  den  üblen  Willen  der  Franzofen,  die  ihr  Auge  jelbjt  auf  dies
\höne  Grenzland  geworfen  hatten;  und  inmitten  der  großen  Laufbahn,
  die  ihm  noch  vorbehalten  Ichien,  in  der  Blüte  der  Mannesfraft,
  erft  fünfundpreißig  Sahre  alt,  am  18.  Sulı  1639  ftarb  diefer
hochbegabte  und  heldenhafte  Fürft,  einer  der  wenigen  aus  Dieler
trüben  Zeit,  deren  Bild  die  Erinnerung  der  Nation  einigermaßen
feftgehalten  hat.  Sein  Heer,  buntgemifcht  aus  allerlei  Volk,  wie
alle,  die  jebt  das  deutiche  Zand  im  wörtlichen  Sinne  verheerten,
wurde  in  franzöfilchen  Sold  und  Dienft  übernommen.

Das  Frievensbedürfnis  machte  fich  Itärker  geltend:  im  Sahre
1640  fam  an  einer  wichtigen  Stelle  in  Deutjchland  ein  Mann  auf
den  Thron,  der  Flare  Einficht  und  Willensftärfe  befaß:  in  Brandenburg
  folgte  auf  den  armjeligen  Georg  Wilhelm  am  1.  Dezember
1640  fein  Sohn  Friedrich  Wilhelm.  Er  verlangte  bejtimmt,  was
nottat  —  einfache  Herftellung  des  Zuftands  vor  1618  und  unbedingte
Amneftie.  Sm  September  diejes  Jahres  1640  trat  zum  eritenmal
wieder  feit  1613  zu  Regensburg  ein  Reichstag  zujammen,  dem
der  Kaifer  auch  jelbjt  beimohnte.  Aber  e3  ging  langjam  zu  in  Dielen
Heiten,  und  im  Sanuar  1641  ftörte  ein  friegerifches  Ereignis  die
Verhandlungen:  ein  franzöfiich-[chwediiches  Heer  unter  Baner  und
Suebriant  erichien  vor  der  Stadt  und  jebte  die  VBerfammlung  in
Schreden.  Sndes  der  Handftreich  mißlang  durch  den  Eisgang,  der
die  Überjchreitung  der  Donau  hinderte,  und  im  Mai  ftarb  der  fedfe
Sührer  Baner  felbjt.  Die  tüchtigen  Kriegs-  und  StaatSmärnner
fehlten  den  Schweden  auch  fernerhin  nicht  und  der  bedeutendfte  unter
ihnen,  Toritenfon,  übernahm  im  November  den  Befehl.  Der  Krieg
\pielte  jegt  hHauptlächlich  im  Norden,  in  Niederfachjen;  Torftenjon  ftellte
dag  nach  Baners  Tode  zerrüttete  Heer  wieder  her  und  drang  dann
mit  Macht  in  einer  Reihe  glänzender  Erfolge  wieder  nah  Süden
por,  jchlug  die  Kaiferlichen  unter  dem  Erzherzog  Leopold  Wilhelm