Contents : Amtliche Kriegsdepeschen Band 1 (1)

 

 

 

  
 
  
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
        
    
    
    
    
    
    
    
     

 

 

günstigung  verbrecherischer  Anschläge  das  Unheil  dieses  Krieges  veranlaßte.  Daß
auch  Frankreich  sich  auf  die  Seite  unserer  Gegner  gestellt  hat,  konnte  uns  nicht  überraschen.
  Zu  oft  sind  unsere  Bemühungen,  mit  der  französischen  Republik  zu  freundlicheren
  Beziehungen  zu  gelangen,  auf  alle  Hoffnungen  und  allen  Groll  gestoßen.

Meine  Herren!

Was  menschliche  Einsicht  und  Kraft  vermag,  um  ein  Volk  für  die  letzten  Entscheidungen
  zu  wappnen,  das  ist  mit.  Ihrer  patriotischen  Hilfe  geschehen.  Die  Feindseligkeit,
  die  im  Osten  und  im  Wessen  seit  langer  Zeit  um  sich  gegriffen  hat,  ist  nun  zu  hellen
Flammen  aufgelodert.  Die  gegenwärtige  Lage  ging  nicht  aus  vorübergehenden  Interessenkonflikten
  oder  diplomatischen  Konstellationen  hervor,  sie  ist  das  Ergebnis  eines

seit  langen  Jahren  tätigen  Uebelwollens
gegen  Macht  und  Gedeihen  des  Deutschen  Reichs.

Uns  treibt  nicht  Eroberungslust,  uns  beseelt  der  unbeugsame  Wille,  den  Platz
zu  bewahren,  auf  den  Gott  uns  gestellt  hat,  für  uns  und  alle  kommenden
Geschlechter.

Aus  den  Schriftstücken,  die  Ihnen  zugegangen  sind,  werden  Sie  ersehen,  wie
Meine  Regierung  und  vor  allem  Mein  Kanzler  bis  zum  letzten  Augenblick  bemüht
  waren,  das  Aeußerste  abzuwenden.  In  aufgedrungener  Notwehr,  mit  reinem
Gewissen  und  reiner  Hand  ergreifen  wir  das  Schwert.

An  die  Völker  und  Stämme  des  Deutschen  Reichs  ergeht  Mein  Ruf,  mit  gesamter
  Kraft,  in  brüderlichem  Zusammenstehen  mit  unseren  Bundesgenossen
zu  verteidigen,  was  wir  in  friedlicher  Arbeit  geschaffen  haben.  Nach  dem  Beispiel
unserer  Väter  fest  und  getreu,  ernst  und  ritterlich,  demütig  vor  Gott  und  kampfesfroh
  vor  dem  Feind,  so  vertrauen  wir  der  ewigen  Allmacht,  die  unsere  Abwehr
stärken  und  zu  gutem  Ende  führen  wolle!

Auf  Sie,  geehrte  Herren,  blickt  heute,  um  seine  Fürsten  und  Führer  geschart,
das  ganze  deutsche  Volk.  Fassen  Sie  Ihre  Entschlüsse  einmütig  und  schnell!  —
das  ist  Mein  inniger  Wunsch.

Nach  Verlesung  der  Thronrede,  die  mit  lautem  und  sich  immer  wiederholendem
Beifall,  stürmischen  Hochrufen  und  großer  Begeisterung  ausgenommen  wurde,  ergriff
der  Kaiser  nochmals  das  Wort  und  sagte:

„Sie  haben  gelesen,  meine  Herren,  was  Ich  zu  Meinem  Volke  vom  Balkon
des  Schlosses  aus  gesagt  habe.  Ich  wiederhole:

Ich  kenne  keine  Parteien  mehr,  Ich  kenne  nur  noch  Deutsche.
(Stürmisches  Bravo.)  Zum  Zeichen  dessen,  daß  Sie  fest  entschlossen  sind,  ohne
Parteiunterschiede,  ohne  Stammes-  und  Konfessionsunterschiede  durchzuhalten
mit  Mir  durch  dick  und  dünn,  durch  Not  und  Tod,  fordere  ich  die  Vorstände
der  Parteien  auf,  vorzutreten  und  Mir  dies  in  die  Hand  zu  geloben.“

Die  Parteiführer  kamen  dieser  Aufforderung  nach,  unter  stürmischem,  andauerndem
  Bravo.  Darauf  trat  der  Reichskanzler  vor  und  erklärte  den  Reichstag
für  eröffnet.