Metadaten : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Dreizehnter Jahrgang. 1852. (13)

J.  Tu.  JagLoxskı,  Kırcn  und  seine  Familie,  Frisch.  115

Marıa  MarsArETA  KırcH  (1670-1720)  entdeckte  den  Kometen  von
1702,  besorgte  einen  grossen  Theil  des  Kalenderwerks,  correspondirte
  mit  Leissız,  dem  sie  ihre  Beobachtungen  schickte,  und  ist
sogar  mehrmals  als  astronomische  Schriftstellerin  (Über  die  bevorstehende
  Conjunction  von  Jupiter  und  Saturn  1712)  aufgetreten".
Der  rüstigste  und  fruchtbarste  Arbeiter,  den  die  Societät  seit
1706  besass,  war  der  aus  Sulzbach  stammende  Jomann  LEONIARD
Frisch  (1666-1743:  Lehrer  am  grauen  Kloster;  1708  Üonrector,
1727  Rector;  1731  Director  der  Ülassis  hist.-Germanica  der  Societät).
  Leissızens  Vertrauen  geniessend,  nahm  er  sich  ihn  voll  Verehrung
  zum  Vorbild,  arbeitete  zum  Theil  nach  seinen  Rathschlägen
und  erwarb  sich  in  unermüdlichem  Streben  eine  ähnliche  Vielseitigkeit
  und  praktische  Tüchtigkeit.  Der  vielbeschäftigte  Pädagog  und
geschätzte  Schulschriftsteller  fand  zu  Allem  Zeit,  was  ihn  interessirte,
  widmete  einen  grossen  Theil  seiner  Kraft  der  Societät  und
griff  nichts  an,  ohne  es  zu  fördern.  Er  hat  das  Seidenwerk  mit
höchstem  Fleiss  eingerichtet  und  geleitet  und  blieb  ihın  treu,  auch  als
ihn  die  Societät  —  die  Jasronskr’s  wollten  ihm  nicht  wohl  —  ziemlich
  schnöde  behandelte  (s.  u.)..  Aus  dieser  Arbeit  ging  eine  Schrift
über  den  Seidenbau  (1713)  hervor,  der  umfassende,  auf  scharfen
Beobachtungen  ruhende  Studien  über  die  Insecten  und  Parasiten
folgten.  Neben  dem  grossen  Werk  über  »allerlei  Insecten«,  zu  dem
er  selbst  die  Abbildungen  zeichnete,  hat  er  eine  noch  umfangreichere
  Publication  über  die  deutschen  Vögel  begonnen;  die  Zuverlässigkeit
  der  nur  etwas  steifen  Zeichnungen  hat  Cuvier  gerühmt
(tres-exactes,  sans  &tre  elegantes).  Daneben  trieb  er  gründliche
slavische  Studien:  seine  grösste  Bedeutung  liegt  aber  auf  dem
Gebiete  der  deutschen  Lexikographie  und  Dialektforschung.  Hier
folgte  er  den  von  Schotter  und  Leisnız  gegebenen  bahnbrechenden
Winken  und  gab  nach  mehr  als  dreissigjährigen  Vorstudien  —  auch

!  Auch  die  Kinder  von  Kırcu  widmeten  sich  der  Astronoinie.  Der  Sohn

CHristrriep  (1694—1740)  erhielt  im  Jahre  1717  die  Stelle  seines  Vaters  an  der
Societät  und  hat  seine  zahlreichen  Beobachtungen  in  den  Abhandlungen  der  Akademie
niedergelegt.  Die  Tochter  Christine  (1696  —1782)  wirkte  zuerst  mit  ihrem  Bruder  zusammen
  und  hat  später  bis  zum  höchsten  Alter  in  Dienst  und  Auftrage  der  Societät
die  Kalender  für  Schlesien  hergestellt  (über  ihre  besonders  ehrenvolle  Verabschiedung
  s.  das  nächste  Buch).  —  Ein  Theil  des  Briefwechsels  von  Lrisxız  ınit  dem
Ehepaare  Kırcn  befindet  sich  in  Hannover,  s.  BoDENANXN,  Briefwechsel  S.  113.  102
(daselbst  auch  vier  Briefe  von  J.  H.  Horrnmaxn  an  Leisvsız,  s.  BopdEenanx  S.  93).  ein
anderer  auf  der  Bibliothek  des  ‚loachimstlialschen  Gyinnasiums  zu  Berlin.  Beide
habe  ich  eingesehen.  Lrissizens  Urtheil  über  die  Frau  Kıren  s.  im  Urkundenband
Nr.  60.

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