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wälzung reif, denn auch die bürgerlichen Harteien hatten sich bei der
allgemeinen Unzufriedenheit den Umstürzlern angeschlossen. Die
furchtbare Mißwirtschaft, die Derschleuderung der Staatsgelder, der
unglückliche Verlauf des Krieges und die Haltlosigkeit des Saren
den verschiedensten Einflüssen gegenüber, die sich geltend machten,
kamen in der Duma zur Sprache, und als diese infolgedessen aufgelöst
wurde, beschloß sie am LI. April, weiterzutagen und löste
damit einen gewaltigen Aufstand unter den Truppen und Arbeitern
von St. Detersburg aus, der von einer gefährlichen Empörung der
Kriegsflotte in Kronstadt, Reval und Helsingfors begleitet war. Schon
am 15. März war Kaiser Rikolaus zur Abdankung gezwungen und
später ermordet worden. Es folgte eine bürgerlich-demokratische Regierung
erst unter dem Fürsten Cwow, dann unter Miljukow; beide
konnten sich nicht behaupten, und es folgte ihnen im Juni lolc eine
revolutionär-demokratische Regierung unter dem Diktator Kerenski.
Die Entente aber unterstützte in jeder Weise die Staatsveränderung
in Rußland und tat alles, um diesen Staat trotz allem beim Bündnis
festzuhkalten. Welche Gründe dabei maßgebend waren, läßt sich heute
noch nicht übersehen, für Deutschland aber bedeutete das Ereignis
zweifellos eine gewaltige Entlastung. Ob es überhaupt imstande
gewesen wäre, den Anstürmen im Westen Trotz zu bieten, wenn diese
Entlastung nicht eingetreten wäre, läßt sich heute nicht sagen; aber
auch damals war nicht zu beurteilen, wieweit eine Entspannung der
kriegerischen Derhältnisse eintreten würde, und auf Angriffe im Osten
mußte immer noch gerechnet werden; eine bedeutende Minderung
der russischen Kriegsfähigkeit war aber zweifellos. Truppen und
Munition konnten im Csten gespart werden, und der Austausch im
Westen abgekämpfter Divisionen mit besseren aus dem Osten konnte
im weiten Umfange vorgenommen werden. Mun konnte man wieder
Roffnungsvoller in die Sukunft sehen, und wenn der U-Boot-Krieg
das hielt, was der Admiralstab früher versprochen hatte, durfte man
hoffen, den Krieg siegreich zu beenden, bevor Amerika mit ausreichenden
kriegstüchtigen Kräften auf dem Schauplatz erscheinen
onnte.
Daß dieses Land den Krieg erklären werde, wenn die Entente
den Krieg zu verlieren in Gefahr kam, stand von vornherein fest;
und ebenso sicher war es, daß der unbeschränkte U-Boot-Krieg diese
Entwicklung beschleunigen werde. England und Frankreich schuldeten
Amerika, d. h. den amerikanischen Geldleuten, ungeheure Summen,
die nicht mehr sicher waren, wenn sie den Krieg verloren. Auch
war der Hauptgeldmarkt von London nach Teupork gewandert, und
die Dereinigten Staaten hofften auch in bezug auf den Handel die
erste Macht der Welt zu werden, wenn ihre Verbündeten mit ihrer
Hilfe siegten. Daß eine völlige Niederwerfung Deutschlands den
zukünftigen und bleibenden Interessen Amerikas nicht entsprechen
konnte, wurde über den augenblicklichen Geldinteressen übersehen.