248 Kämpfe vor Orleans.
der den ganzen Tag währte, wurde gerungen, auch die Baiern und
die 17. Division traten ins Gefecht, ebenso von französischer Seite
bedeutende Truppenmassen. Bei 8 Grad Kälte wurde gekämpft, die
Franzosen schlugen sich mit großer Tapferkeit, und lange schwankte
der Kampf hin und her, bis er sich am Abend zu Gunsten der Deut—
schen entschied, nachdem ein letzter gewaltiger Vorstoß der Franzosen
abgeschlagen war. An diesem blutigen Tage bei Artenay haben sich
die hanseatischen Regimenter durch ausdauernde, heldenmüthige Tapfer—
keit ganz besonders ausgezeichnet, leider aber auch schwere Verluste
erlitten. Die Deutschen machten 1750 Gefangene und nahmen sechs
Kanonen.
Am 2. Dezember war also die Armee des Großherzogs in zwei
verschiedenen Richtungen siegreich vorgegangen.
Die Hauptstärke der französischen Loirearmee konzentrirte sich nun
vor Orleans. An den Angriff dachte General Aurelles de Paladine
jetzt nicht mehr, hinter den starken Erdwerken, die dicht vor Orleans und
auf allen Straßen nach Orleans aufgeworfen und mit schwerem Ge—
schütz armirt waren, stellte er seine Truppen auf, um die „heilige“
Stadt der Jungfrau von Orleans zu vertheidigen, welcher der Prinz-Feldmarschall
jetzt schon von allen Seiten nahe gerückt war.
Für den 3. Dezember befahl der Prinz Friedrich Karl einen
allgemeinen Angriff auf Orleans. In einem Halbkreise wurden die
Truppen um die Stadt her aufsgestellt, der Mittelpunkt war Orleans,
darauf gingen sie alle los. Das 9. preußische Korps sollte im Zentrum
auf der Straße Paris-Orleans vorgehen, das 3. Korps auf dem
linken Flügel auf der Straße Pithiviers-Orleans, der Großherzog auf
dem rechten Flügel auf der Straße Chartres-Orleans. Das 10. Korps
folgte in der Front dem 9. und 3. Korps.
Das 9. Korps warf den Feind aus Artenay und bestand einige
Kilometer drüber hinaus ein heftiges Gefecht bei Moulin d'Anvillers.
Der Feind hatte sich hier festgesetzt, bei einer Windmühle stand er in
befestigter Stellung und wollte nicht weichen. Aber das 85. Regiment
(Holsteiner) nahm die Windmühle mit Sturm und setzte seinen
Vormarsch unter fortwährenden Schützenkämpfen bis Chevilly fort.
Als sie hier anlangten, hatte der Großherzog von Mecklenburg das