Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Neunter Jahrgang. 1881. (9)

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Räude.

§.  18.

Bei  der  Räude  ist  die  Desinfektion  ein  integrirender  Theil  des  Heilverfahrens.  Mit  der  Behandlung
der  Kranken  beginnt  die  Desinfektion  des  Stalles;  der  Dünger  wird  entfernt,  —  bei  hohen  Düngerschichten
in  Schasfställen  genügt  die  Entfernung  der  oberen  Schicht  —;  die  Stallwände  werden  bis  zu  einer  Höhe  von
mindestens  2,50  Meter  mit  Kalkmilch  übertüncht,  ebenso  wird  der  Fußboden,  wenn  er  nicht  von  Dünger  bedeckt
gewesen  ist,  mit  Kalkmilch  abgeschlämmt.

Stallgeräthe  werden  gründlich  gereinigt  und  mit  heißer  Lauge  gescheuert  oder  mit  Kalkmilch  übertüncht.
  Geschirr  und  Decken  werden  in  geheizten  Räumen  gut  ausgetrocknet,  oder  nach  vorgängiger  gründlicher
  Reinigung  mit  Karbolöl  eingeschmiert  (Lederzeug),  oder  mit  Wasser  gekocht  (Decken).

Bei  der  etwa  der  Radikalkur  vorangehenden  Schmierkur  der  Schafe  bedarf  es  einer  gründlichen  Desinfektion
  nicht,  sondern  nur  einer,  je  nach  dem  Grade  der  Krankheit  in  kürzeren  oder  längeren  Zwischenräumen
zur  wiederholenden  Reinigung  des  Stalles  und  der  Stallutensilien.

Die  Desinfektion  der  Stallungen  und  Räumlichkeiten,  in  welchen  räudekranke  Pferde  oder  Schafe
vorübergehend  aufgestellt  gewesen  sind  oder  in  welchen  die  vor  der  Einleitung  eines  Heilverfahrens  getödteten
Pferde  oder  Schafe  gestanden  haben,  erfolgt  nach  den  Bestimmungen  im  §.  9  dieser  Anweisung.

 

Anlage  B.

 

Anweisung
für  das
Obduktionsverfahren  bei  ansteckenden  Krankheiten  der  Hausthiere.

I.  Allgemeine  Bestimmungen.
  §.  1.
Die dem beamteten Thierarzte unter Mitwirkung der von dem Besitzer etwa zugezogenen Sachverständigen
  obliegenden  Obduktionen  sollen  in  Gegenwart  des  leitenden  Beamten  der  Polizeibehörde  oder  eines
von  demselben  beauftragten  Beamten  ausgeführt  werden.

§.  2.
Die  Obduktionen  müssen  in  der  Regel  so  schnell  als  möglich,  bei  Rotz  und  Tollwuth  aber,  wenn  es
angänglich  ist,  erst  nach  dem  Erkalten  der  Kadaver  vorgenommen  werden.
Die  von  dem  Tode  der  Thiere  bis  zur  Obduktion  verstrichene  Zeit  ist  im  Protokoll  zu  erwähnen.

3.  3.
Die  Sachverständigen  haben  dafür  zu  sorgen,  daß  die  zur  Verrichtung  der  Obduktion  nothwendigen
Sektionsinstrumente  zur  Stelle  und  im  gehörigen  Zustande  sind.
§.  4.
Die  Obduktionen  sind  an  einem  passenden  Orte  auszuführen.  Die  Polizeibehörde  hat  für  die  zur
Ausführung  der  Obduktion  etwa  erforderliche  Hülfsmannschaft  zu  sorgen.

II.  Verfahren  bei  der  Obduktion.
§.  5.
Die  Obduktionen  haben  den  Zweck,  über  den  Ausbruch  einer  Seuche  Gewißheit  zu  erlangen  oder
die  Krankheit  eines  Thieres  rücksichtlich  der  Entschädigungsleistung  festzustellen.  Die  Obduzenten  haben  diesen
Zweck  beim  Erheben  des  Befundes  zu  beachten  und  alle  Mittel  zur  Erreichung  dieses  Zweckes  zu  erschöpfen.