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gewohntem Heldenmuth, und fand hierbei an dem Prinzen von Würtemberg,
der mit 6000 Mann unter den Mauern der Stadt ein festes Lager bezogen
hatte, einen zuverlässigen Beistand. Endlich jedoch war der Posten nicht mehr
zu halten. Der tapfere Prinz rettete durch einen fast unglaublichen Rückzug
Alles, was ihm von Truppen in dem langen Kampfe geblieben war; allein die
Festung war nicht mehr zu behaupten, da sie weder entsetzt noch mit neuen
Vorräthen versehen werden konnte. Nach einer höchst rühmlichen, 4 Monate
dauernden Belagerung sah Heyde sich endlich gezwungen, den Platz dem Feinde
zu übergeben (den 16. December).
Durch Colberg und Schweidnitz erlitt der König zwei schwere Verluste,
denn, was bisher trotz aller harten Schläge des Schicksals noch nie geschehen
war, die Feinde bezogen ihre Winterquartiere auf preußischem Grund und Boden
in Schlesien, Pommern und in der Neumark. Auch Sachsen konnte nicht mehr
in der Ausdehnung wie bisher behauptet werden, denn, wenn auch Prinz
Heinrich ruhmvoll die überlegene Streitmacht des Feldmarschall Daun, namentlich
durch die erfolgreichen Unternehmungen der Generale Seydlitz und Kleist,
aufgehalten hatte, so konnte er doch nicht Alles schützen, und mußte an manchen
Orten der allzugroßen Uebermacht weichen.
Hierzu kam am 5. October des Jahres 1761 ein höchst bedeutsamer
Wechsel in dem Ministerrathe des Königs von England. An die Stelle des
berühmten William Pitt, dieses Bewunderers und treuen Freundes des Königs
von Preußen, der Englands Ehre von der siegreichen Beendigung dieses Kampfes
abhängig hielt, trat Lord Bute, Georg III. Jugendführer, ein Mann von ganz
entgegengesetzten politischen Ansichten. Er scheute einen Krieg, der mit dem
ganzen Aufwande der Kräfte von dem englischen Volke geführt werden mußte,
und deshalb eine Regierung im populären Sinne nothwendig machte. Georg
und sein Minister neigten sich zu einer Regierung in unbeschränkt monarchischer
Weise. Obwohl der König in seiner ersten Parlamentsrede feierlichst versprochen
hatte, seine Verbindlichkeiten gegen Friedrich II. zu erfüllen, und dabei einen
so allgemeinen Anklang fand, daß man in der Antwort darauf die für Friedrich
schmeichelhaften Worte vernahm: „Wir können die unerschütterliche Standhaftigkeit
des Königs von Preußen, unseres Bundesgenossen, und die unerschöpflichen
Hülfsmittel seines Geistes nicht genug bewundern — von ganzem Herzen
und ohne Verzug bewilligen wir die Hülfsgelder zu seiner Unterstützung;“ so
wurde dennoch der Subsidienvertrag nicht wieder erneuert, und überhaupt von
Seiten des englischen Ministeriums jetzt auf einen einseitigen Frieden hingearbeitet.
Luch hier sah sich also Friedrich gerade in dem Augenblicke der härtesten Bedrängniß
verlassen. Doch was auch geschah, sein Beschluß stand fest; eher Tod,
als seiges Nachgeben. In welcher Seelenstimmung er sich befand, geht aus
seinem Gedicht: „Cato's von Utica letzte Worte“ hervor, welches er in dem
Lager von Strehlen dichtete.