Und die Derwirklichung dleses Gedankene war es, die England nun ungesäumt
und mit selner ganzen, von jeder moralischen und gefüblemäßigen
Hemmung freien Tatkraft in Angriff nahm. Oes teuflisch großen, teuflisch
schändlichen Gedankens der Hungerdlockade, zu der sich die Rohstoffdlockade
gesellte.
4.
Die ODurchführung dieses Gedankens hatte vom ersten Tage der Kriegserkldrung
an Englande Verhalten und damit den Adlauf der kriegerischen Erelgnisse
aus der dritten Front bestimmt — auf der Seefront.
Während unsere Aufmerksamkeit disher der Betrachtung fast unüder--sehdar
weiter, aber doch immerhin geographisch degrenzter Schlachtgefilde
zugewandt gewesen war, tut sich nun vor unserem schwindelnden Auge der Blick
auf die Unermeßlichkelt des Weltmeeres auf. Des Weltmeeree, auf dem die
deutsche Phantasie erst seit wenigen Jahrzehnten beimlsch zu werden sich angeschickt
hatte — und von dem wir peute wleder in unsere stickige Festlands--enge
zurückgebannt sind .
Aus descheidensten Anfängen hatte sich unser deutscher Uderseehandel
und Schlffescerkehr in wahrhaft schwindelndem Zeltmaß zu weltumspannender
Bedeutung emporgereckt. Diel langsamer, fast schüchtern war ihm die Entwicklung
unserer Seekriegemacht gefolgt. Ader immer noch viel zu stürmisch und
auffallend, als daß England es ertragen zu müssen geglaubt hätte.
Denn England hatte sich seit dem achtzehnten Zahrhundert zu einer Sonderstellung
unter den Bölkern der Erde aufgeschwungen, welche ihm die Macht gab,
auf allen Meeren des Erdballe seinen Willen durchzusetzen.
Wohl hatte schon im Jahre 1609 der Begründer der Völkerrechtewissenschaft,
der große niederländische Jurist Zugo Grotius in seinem derühmten
Werke vom „„Mare liberum“ den Begriff der Freiheit der Meere ausgestellt.
Den Grundsatz also, daß das grenzenlose Weltmeer nicht den Hobeiterechten
eines einzelnen Staates oder Volkes unterworfen sein könne, sondern Eigentum
der ganzen Menschheit sei. Und dleser Grundsatz war von der Cheorie aller
Völker angenommen worden.
In der Praxie ader hatten sich die Oinge ganz anders entwickelt. Während
alle anderen Staaten der Erde ihre ganze Ledenskraft vorzugsweise der Erringung,
Befestigung und Ausbreitung ihrer Macht üder möglichst welte und
wertvolle Strecken des festen Landee dienstbar gemacht hatten, war England
leit nahezu zweihundert Jahren seinen desonderen Weg gegangen: es hatte
die Entwicklung seiner Seemacht zur Grundlage seiner Politik gemacht und
Landgewinn nur ale Frucht und Grundlage seiner Seeherrschaft erstrebt.
Die Erfindung der Dampfmoschine, der höchste Triumph und Trumpf
englischen Geistes, hatte diese Entwicklung vollendet. Die englische Handeleflagge
deberrschte die Meere, und neden ihr wehte schützend und dräduend allüberall
die englische Krlegsflagge.
. Allerdinge hatten die üdrigen „Weltmächte“ — sie waren eigentlich neden
England samt und sondere nur große Landmächte — dleser Entwicklung nicht
ohne Besorgnie zugesehen. Und an Versuchen, eine Seemacht zu gründen,
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