Metadata : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

I.  Im  nordischen  Krieg  im  Zwange  Schwedens.  13

des  Kurfürsten  Umgebung  arbeiteten  manche  Waldeck  entgegen
und  dieser  klagte  sogar,  der  Kurfürst  selbst  wahre  das  Geheimnis
  nicht  hinreichend,  obgleich  im  Krieg  „die  Sekretesse“  doch
alles  wäre,  und  sprach  den  bedeutsamen  Wunsch  aus:  „Gott
regiere  Ew.  Kurfürstl.  Durchlaucht,  daß  Sie  Ihre  Leute  kennen
lernen!“  Dieser  Zwiespalt  an  der  zur  obersten  Leitung  berufenen
  Stelle  brachte  den  Rinsker  Vertrag  um  jede  Wirkung,
zumal  die  Stände  des  Königlichen  Preußen  das  Verheißene  nicht
leisteten.

So  mußte  Waldeck  an  der  Grenze  Litauens  die  Zeit,  wo
außerhalb  Preußens  etwas  zu  unternehmen  gewesen  wäre,  ungenützt
  verstreichen  lassen,  bis  ihm  der  Kurfürst  am  11.  November
  befahl,  im  Fall  eines  Angriffs  zurückzuweichen:  nur  mit
der  Reiterei  sollte  er  bleiben,  bis  das  längs  der  Grenze  durch
Litauen  herziehende  schwedische  Corps  unter  de  la  Gardie  ihn
überholte.  Im  Westen  war  General  Stenbock  die  Weichsel
abwärts  im  Anmarsch;  in  der  Mitte  nahte  das  Hauptheer  unter
Karl  Gustav.  Ihm  ergab  sich  Anfang  Dezember  Thorn;  dann
vereinigte  es  sich  mit  de  la  Gardie,  während  Stenbock  das
Land  linko  von  der  Weichsel  occupierte.  Am  20.  Dezember
öffnete  Elbing  den  Schweden  die  Thore.  Nur  Danzig  beharrte
im  Widerstande,  blieb  aber  zunächst  unbehelligt:  mit  dem
Schicksal  Preußens  mußte  auch  das  des  nordischen  Venedig  sich
entscheiden.  Der  König  aber  war  seiner  Sache  da  um  so
sicherer,  als  die  brandenburgische  Politik  in  ihrem  Werben  um
Verständigung  um  jeden  Preis  das  klägliche  Schausfpiel  wiederholte,
  das  sie  wenige  Monate  früher  gleich  nach  dem  Abschluß
der  niederländischen  Allianz  dargeboten  hatte.

Ende  November  erschienen  Somnitz  und  Dobrezenski  bei
Karl  Gustav.  Ihre  Instruktion  rechnete  bereito  mit  der  Möglichkeit,
  daß  derselbe  die  polnische  Krone  gewänne.  Auch  dann
sollte  Preußen  polnisches  Lehen  bleiben:  für  die  Einräumung
des  geforderten  Anteils  an  den  preußischen  Zöllen  aber  und
die  Ueberlassung  des  Königlichen  Prenßen,  auf  das  er  „viele
und  große  Unkosten“  verwendet  hätte,  forderte  der  Kurfürst  im
Frieden  Ermeland  als  weltliches  Fürstentum  und  Vollmacht  zu
dessen  sofortiger  Besetzung.  Der  Pakt  wegen  der  Zölle  sollte