235 irden — irre.
inzwischen, als mein herr so über mich klagte, samleten
sich die gäste Simpl. 1, 120; bemerkungen
soweit sic mir inzwischen zugänglich geworden sind
Bismarck Reden 10, 9; inzwischen betestigt ihr eure
stellungen CF Meyer Pesc. 104; auch einen milden
Gegensatz hervorhebend: inzwischen (obschon noch nicht
Zeit zur näheren Besprechung) will ich doch einiges
hier schon beibringen Goethe DuW. 12; als Conjunction:
inzwischen dasz er es zu überwinden suchte
W. Meister 2, 9; inzwischen er redetc, verloren sich die
Zzuhörer.
Irden, aus Erde bestehend, ahd. irdin, mhd. irdin
neben erdin; als Gewerkswort der Töpfer, irdenes geschirr,
irdenc pfannen, kruge, töpfec; der irdene topf
Sir. 13, 3; irden gekes 2. Sam. 17, 28; bei Dichtern
des 17. Ih. auch — irdisch: ein himmlisches gemühte
ist irdnen sachen feind Fleming 71. — irdisch, der!
Erde zugehörig, ahd. irdisc, mhd. irdisch neben erdisch,
in mancherlei Beziehungen; von Zuständen, Leben und
Treiben, Gegensatz zu himmlisch, mit dem Beisinne des
Vergänglichen auch zu ewig; cs sind bimlische cörper
und irdische cörper 1. Cor. 15, 40; (ein Gut) das sich
nicht läszt verzehren, wie irdisch reichtum thut
PEerhard 26; wenn eine irdische angelegenheit dazu
berechtigen kann, die rube der seligen zu stören
Schiller. 4, 241; als Subst.: des lebens ungemischte
freude ward keinem irdischen zu theil Ring des Polykr.;
einer bessern welt . bei deren anblick alles irdsche
schweigt Grillparzer 9, 200; — in Beziehung auf
die Erdfläche, namentlich in den Zusammensetzungen
ober-, unterirdisch; an Erde als Stoff anknüpfend,
— erdig (s. d.): irgend etwas mineralisches oder irdisches
(in einem Wasser) Goethe 16, 266; — irden:
nicht allein güldene und silberne gefesze, sondern auch
hulzerne und irdische 2. Tim. 2, 20, in beiden letzteren
Auwendungen jetzt nicht mehr.
Irgend, allgemein Ort, Zeit, Art angebend; entstanden
aus ahd. io wergin, wovon io unser je (s. d.),
wergin für früheres hwargin eine verallgemeinernde
Bildung des ahd. hwar wo ist; Zusammenziehung schon
im späteren Ahd. zu iergin, mhd. zu iergen, irgen;
das bereits im 13. Ih. vereinzelt, später allgemein antretende
Schluß-d hat keine etymologische Bedeutung.
Selbständigere Stellung im verallgemeinernden Sinne
weniger häufig; örtlich: irgend üm diese gegend, (oca
Lcec cirestey Stieler; wenn dir noch ein funken
von hoffnung irgend anderswo glimmt Schiller Räub.
3, 2; bei Raum-, Maß-, Zahlbestimmungen, -etwa:
irgend aus ganz Israel 5. Mos. 18, 6; es sind irgend
zehn meilen auf Leipzig Stieler; zeitlich, = je einmal:
dasz ein sie (die Brücke) bricht, wird irgend sie
betreten Grillparzer 7, 67; artbestimmend: es sei
(das Opfer) irgend jr gelübd oder von freiem willen
3. Mos. 22, 18; = etwa: ob sie irgend verliebt sei
Zesen Assenat 17; schläfts irgend vielleicht in meinem
vorsaal auch? Schiller Karl. 3, 1; — gewöhnlicher in
fester Verbindung mit einem Pronomen oder Adverb,
dessen Begriff verallgemeinernd: irgend wer. was, etwas,
jemand, welch, ein, wie, wo, woher, wohin. auch zusammengerückt
irgendwer u. s. w. geschrieben, im Gegensatz
zu einer dem Pronomen oder Adverb nachfolgenden
Stellung, wo es die folgende Satzaussage allgemeiner
macht: wer irgend kann, kommt; wo irgend etwas los
war, da gieng er hin; jeder irgend anständige mensch
bleibt hier fern, u. ähnl.; jeder nur irgend baltbare
ort Schiller 8, 73. — Die genitive Form irgends wie
irgend: die tugend wird doch irgends gelten Lessing
Od. 1, 4; jetzt wenig mehr gebraucht. 1
Irre, das Ziel verfehlend, vom rechten Wege abgekommen;
gemeingerm., nur im Altnord. nicht mehr
vorhandenes Wort, goth. atrzeis. altengl. yrre (mit rr
aus früherem rs), altsächs. ahd. irri, mhd. irre, in allen
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alten Dialecten auch mit der Bed. des Verführten und
Erzürnten, urverwandt ist lat. errare, error Irrtum
(für ersare, ersor), der weitere Hintergrund des Wortes
aber dunkel. Als alte Bed. erscheint die des Umherschweifenden,
Unstäten: ahd. vagus hirrer ahd. Gloss.
1, 294 (nach 1. Mos. 4, 12); irri muat vage mens Murbacher
Hymnen 9, 3; auch später noch: die landsknechte
so im lande irre laufen, und krieg suchen Luther
3, 239b; ain irrgender stern Planet Megenberg
68, 15; sein (des Mondes) kuhles silber irren scheines
rann Geibel 2, 56; da mir einst die zukunft feblte,
ging die lieb auf irrer spur Rückert Liebesfr. 1,24;
so fährt und schweift mein irrer muth Freiligrath
I, 20, vgl. irrfahrt; von Gespenstern: im garten des
pfarrers von Taubenhain gehts irre bei nacht Bürger
Pfarrers Tocht. v. Taubenh.; von Gedanken: vertieft in
irre gedanken Klopstock Mess. 3, 664; — gewöhnlicher
gewandelt in den Sinn — abgewichen vom rechten
Wege, verirrt: den zerstreuten irren herden im gebirge
gleichen wir Goethe Cland. 1; besonders in
Verbindungen irre gehen, führen, leiten u. a.: dag wir
niht irre varn Nib. 1526; gehen irre im finstern Jes.
8, 22; macht sie irre, wie die trunkene Hiob 12, 25;
der edle hirsch hat über berg und thal so weit uns
irr geführt, dasz ich mich selbst. nicht fnde Goethe
nat. Tocht. 1, 1; ich bin irre, ich wollte in das andere
zimmer; übertragen: sind vom glauben irre gegangen
1. Tim. 6, 10; eure weisheit macht den irren geist noch
irrer Lessing 1, 190; ich fürchte, du bist irr gegangen
Heyse 3, 128; so bald das verlogene wesen dir den
redlichen sinn irre zu führen versucht Keller Werke
10, 23; bewegung gegen die irregegangene oder miszleitete
heiligkeit C F Meyer Pesc. 134; gern in Bezug
auf Urteil: bin ich irre? Schiller 5, 15; der mann
dessen lächeln ltalien irre führte Fiesko 3, 1; mein
freies urtheil habt ihr irr geleitet Tell 3, 3; dasz ich
nicht irre geschlossen hatte Goethe 30, 118; ich
werde irr — ich begreif es nicht Wildenbruch
Generalfeldob. 4, 13; doch liesz er sich keine gefahr
irre machen Ranke Päpste 1, 353; auf das Rechtsgefühl
bezogen: etliche schrien sonst, etliche ein anders,
und war die gemeine irr Ap. Gesch. 19, 32; die menge
war nun einmal in ihrem rachesinne irre gemacht
Goethe 30, 320; irre sein, werden an jemand, im
Glauben an ihn wanken: ich bin irre an euch Gal.
4, 20; sie wurden irre an dem mächtigen könig, der
sich so viel gefallen lasse Ranke Päpste 2, 163; ward
man auch an seinen predigten irre 1, 208; — die Bed.
des geistig Gestörten schon mhd.: wẽ mir sfju, vil irrer
krage Neidhart 90, 11; in der neueren Spr. häufig:
irre im kopf sein Stieler; ich muszte Sie für irre
im kopfe gehalten haben Lessing j. Gel. 2, 11; seine
augen nahmen allgemach einen seltsam-irren ausdruck
an Immermann Münchh. 3, 171; sie besorgte, ihr
alter vater rede irre Hauff 11, 180; als Subst.: ein
irrer, anstalt für unheilbare irre; die arme irre Heyse
5, 21; — die Bed. des Zornigen, wie sie im - Altengl.
und auch im Niederd. hervortritt (erre, ere, err, eir,
iralus, commotus Schiller= Lübben), im Hochd.
selten, nur in ältecrer Spr.: got was vil irres muotes
wol vünt tüsent jär Minncs. 2, 3685; da ir von gottes
gewalt redet, wart er gar iir Schade Sat. 1, 65, doch
vgl. irren 1. — Zusammensetzungen: Irrbahn, k. in
die Irre führende Bahn: so geleit ich gerne den
sicheren auf der irrbahn Hölderlin 26; die entdeckung
. führte mich in einc irrbahn Hauff 10, 96.
— Irrenanstalt, fk., -haus, n. Heilanstalt, Pflegehaus
für Irre. — Irrfahrt, f. Fahrt, Zug in der Irre, ohne
bestimmtes Ziel. — Irrgang, m. Gang in der Irre,
verfehlter Gang: schrecklicher irrgang meiner schlusse
Schiller 1, 35; Ubertragung von Labyrinth: laborin--tus
irrgang Dief.; ir (der Bienen) wechsinen irrgang
Irrbahn — Irrgang.