Zur Zeit des schwedisch-polnischen Krieges fühlte Friedrich Wilhelm zum
ersten Male recht lebhaft das Bedürfniß einer Seemacht, und sofort mußten
alle Schwierigkeiten seinem starken Willen weichen (1657). Noch dringender
stellte sich das Bedürfniß nach der Schlacht von Fehrbellin heraus. Um diese
Zeit ward Brandenburg eine förmliche Seemacht (1676). Der holländische
Kaufmann Benjamin Raulé hatte dem Kurfürsten das Anerbieten gemacht,
drei Fregatten zu zwanzig Kanonen und zehn kleinere Fahrzeuge in der Ostsee
gegen die Schweden kreuzen zu lassen. Raulé wurde als Rath und General-Director
der Marine in Dienst genommen, mit der Befugniß, unter kurfürstlicher
Flagge auf seinen Vorschuß und Kredit eine gewisse Anzahl von Schiffen
zu equipiren. Ueber Ausrüstung der Schiffe, so wie über Bemannung und Verpflegung
der Mannschaft schloß Friedrich Wilhelm jedes Mal mit Raulé einen
Vergleich, ehe die Schiffe in See gingen, und da einige von diesen Fahrzeugen
zugleich mit Kaperbriefen versehen waren, auch über die zu machenden Prisen.
Diese unter den dem Kurfürsten so drangvollen Umständen neu geschaffene
Flotte nahm nicht allein eine bedeutende Anzahl schwedischer, sondern auch englischer
Fahrzeuge, ja sogar eine schwedische Fregatte von 23 Kanonen. In Betreff
der englischen Schiffe, welche Fracht nach Frankreich bringen wollten, und
nach dem Colberger Hafen geführt worden waren, erhoben sich in England große
Klagen über die kurfürstliche Marine. Als jedoch der Kurfürst noch überdies
zur Belagerung Stettins drei Fregatten kaufte und in Amsterdam Kriegsschiffe
bauen lassen wollte, zeigte sich in England die ernstlichste Besorgniß. Schwerin
berichtete (1677), Mylord Arlington habe ihm gesagt, daß die englischen Kaufleute
darüber sehr beunruhigt wären, eine Hinderung der englischen Schifffahrt
befürchteten, und darauf antrügen, daß der König eine Flotte nach der Ostsee
schicke. Daß die Kaufleute in Sorgen stehen, schreibt er, ist gewiß, denn ich
weiß, daß auf der Börse davon gesprochen ist, und die Actien um drei Prozent
gefallen sind. Als ich mich näher erkundigte, erfuhr ich, daß Peter Joje
(ein englischer Kaufmann, dem eines der genommenen Schiffe gehörte) geäußert,
E. K. D. Rath Raulé habe sich verlauten lassen, er wolle die englischen Schiffe
noch wohl besser kuriren.“
Jur Belagerung von Stralsund wurde die Flotte bis auf zehn Fregatten
vergrößert, welche, mit einigen dänischen Fahrzeugen vereinigt, unter dem Befehl
des Admirals Tromp standen und die Landung auf der Insel Rügen unterstützten.
Zu derselben Zeit ward das kaufmännische Institut einer Seehandlung
gestiftet, und mit Raulé darüber ein zehnjähriger Kontrakt abgeschlossen.
Was war natürlicher, als daß der große Kurfürst nach Beendigung des
schwedischen Krieges seine bedeutende Seemacht zum Nutzen der materiellen Interessen
des Landes auszubeuten und seinen Unterthanen einen einträglichen überseeischen
Handel zu eröffnen gedachte. — Raulé, ein Mann von keckem, unternehmendem
Geiste, der, wie sein Herr, vor keiner Schwierigkeit zurückschreckte,
wenn es galt etwas Großes ins Werk zu richten, suchte zu beweisen, daß der