Volltext : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

März  6.

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alles  und  dass  ich  von  der  union  so  ganz  und  gar  wogen  einer  so
geringen  summa  verlassen  sein  solle,  mir  billich  schmerzlich  fürkombt.
  Muess  es  also  gleich  Gott  und  der  zeit  befelchen.  Und  ist
sich  wol  billich  zu  verwunderen,  dass  ein  cassa  der  anderen  nit  so
vil  freundschaft  erzeigen  und  eine  dergleichen  geringe  summa  gelds,
dardurch  der  ganzen  catholischen  liga  schimpf,  spott,  mutination
des  volks  und  dardurch  entspringend  unwiderbringlicher  schaden
verhietet  werden  kunte,  fürstrecken  solle.  Dass  mir  nun  aber  alle
hoffnung  jetzt  und  inskünftig  benommen  sein  solle,  kann  ich  wiss
Gott  also  nit  verschmerzen  sonder  protestier  nochmal  hiemit  für
Gott,  da  auss  diser  missbezahlung  und  dass  ich  so  ganz  verlassen
werde,  einiche  mutination  von  dem  in  disem  erzstift  der  union  zugehörig
  verpflichtem  kriegsvolk  erregt  und  disem  armen  stift  einicher
schaden  und  gefahr  (welches  der  allmechtig  verhiete)  erfolgen  sollte:
dass  ich  hieran  genzlich  und  zumal  entschuldiget  sein  will,  dann
wie  oben  und  sonst  mehrmahl  von  mir  angedeitet,  zu  ferner  underhalt
  der  soldaten  nit  allein  gar  kein  mitel  mehr  vorhanden  sonder
ich  muess  daneben  noch  in  itzig  vorstehender  frankforteı  fastenmess
an  die  achttausend  reichstaler,  so  ich  der  union  zum  besten  von
guten  ehrlichen  leuten  uf  meinen  credit  entlehnet,  bezahlen.  Das
kan  aber  uf  kein  andere  weiss  zugehen  als  dass  ich  letztlich  meine
mobilia  und  was  ich  habe,  angreifen  und  meinen  biss  daheer  Gott
lob  erhbaltnen  glauben  rette..e  Wie  wehe  mir  aber  nun  darbei  geschechen
  und  zu  wass  grossem  schaden  mir  diss  unionwesen  gereiche,
ja  mich  bald  zur  desperation  bringe,  gibe  E.  L.  ich  freundlich  zu
erwegen  und  were  mir  bei  so  geschaffenen  sachen  besser,  dass  ich
disen  erzstift,  deme  ich  nunmehr  etliche  jahr  lang  ohne  rhuemb
treulich  vorgestanden,  niemals  gesechen  noch  darein  kommen,  Bitte
daher  E.L.  freund-brüederlich,  Sie  wollen  doch  diss  alles  der  notturft
nach  beherzigen  und  mich  berichten,  wess  ich  mich  noch  entlich  zu
diser  union  zu  getrösten,  wiewols,  wann  cs  sich  nit  anderst  als
bishero  beschechen  anlast,  mehr  einer  disunion  geleich  sechen  will.!
Zu  wass  ruemb  es  nun  aber  diser  liga,  damit  man  in  die  zwei  jahr
umbgangen,  bei  meniglich  gereichen  und  wass  es  sowol  bei  den
Catholischen  als  Uncatholischen  für  ein  seltzams  nachdenken  machen
wirdet,  ist  bei  verstendigen  leichtlich  zu  erwegen.  Ich  kann  mir
aber  je  nicht  einbilden,  wann  dio  sambtliche  stend  bei  kunftig
fülligem  bundstag  zusamenkommen,  dass  man  dassjenige,  welches  biebevor
  so  reiflich  und  wol  bedacht,  von  allen  interessirten  stenden

—  m  un

Kasse  zur  ungesäunten  Einlieferung  ihrer  Quoten  zu  veranlassen.  Der  Kurfürst
wies  auf  die  leero  Kasse  hin  und  erklärte  sich  einverstanden,  die  Säumigen,
besonders  Speier,  zu  ermahnen;  auch  eine  Zuwendung  aus  Jen  päpstlichen
Hilfsgeldern  wolle  er  unterstützen;  wegen  der  Abdankung  des  Volkes  und
der  Rettung  der  Stiftslande  handle  man  am  besten  beim  bevorstehenden
Bundestag  (Wmz.,  Religionsakten,  Bd.  12,  no.  46;  Protokoll  von  Faber).

!  Der  Herzog  bemerkt  am  Rand:  „Diss  ist  der  dankh“.