Volltext : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Schlimm  war“s,  daß  auf  diese  Weise  die  Verteldiger  ln  zwel  wesentlich  verschiedenwertige
  Klassen  zerflelen.  Wie,  wenn  elnes  Tages  die  ganze  Westfront
elnem  gleichzeltlgen  Generalangriff  der  Feinde  standzuhalten  haben  würde?!
Völlig  fehlte  aber  auch  den  Angriffodloislonen  dle  wichtigste  Angriffewaffe:
der  Kank..  „Unsere  Angrlffe  gelangen  auch  ohne  Canks,“  melnt  Ludendorff
lelchthln.  Wir  werden  ja  sehen

Und  die  Bundeegenossen?  Würde  nicht  auch  für  sle  der  Krleg  an  der  deutschen
  Westfront  entschleden  werden?  Würden  sie  ulcht  mlt  Freuden  berelt  seln,
dle  gemelnsame  Sache  mit  lhrer  letzten  Kraft  durchzufechten?!

Sie  dachten  gar  ulcht  daran.  Der  Türkei  war  eine  Betelligung  am  wenlgsten
zuzumuten.  Und  gerade  ihr  in  Rumänien  bewährtes  15.  Armeekorps  hätte
Ludendorff  gern  an  der  Westfront  eingesetzt.  Aber  Enver  verlangte  es  für  den
Kaukasus,  „wo  es  dann  tatlos  herumstand“.

Bulgarlen  versagte  sich  grundsätzlich  jeder  Verwendung  selner  Truppen
auberhalb  dee  Berelchs  selner  elgenen  ummittelbaren  Kriege-,  d.  h.  Annexlonslnteressen.
  Es  bestand  sogar  noch  lmmer  auf  Belassung  deutscher  Truppen
an  der  zurzelt  doch  ganz  ungefährdeten  mazedonischen  Front.

Und  Osterrelch-Ungarn?  Es  welgerte  Truppensendungen  und  stellte  nur,
wle  belm  Kriegebeginn,  selne  prachtvollen  Skodamörser  —leider  mit  völlig  ungenügender
  Munltion,  so  daß  sie  bald  verstummen  mußten.

Den  Endkampf  des  ganzen  Vlerbundee  —  Deutschland  würde  ln  alleln
ausfechten  müssen.  Nur  für  den  Fall  eines  Gelingens  des  Durchbruche  hatte
Osterreich  elne  neue  Offensive  in  Italien  in  Autslcht  gestellt.

J.

Das  war  also,  reln  ziffernmäßlg  augeschaut,  das  Angrtlffslnstriunent.  Erinnern
  wir  une,  daß  die  Engländer  dle  Flandernschlacht  mlt  einem  Einsatz  von
21  Diolstonen  elngeleltet  hatten,  so  gibt  das  den  Maßstab  für  die  Großzüglgkelt
  des  deutschen  Ausfalls,  der  nahezu  das  Orelfache  an  Ololsionen  gegen  die
felndlichen  Linlen  warf  —  nur  daß  lelder  die  Reserven  fehlten.  Einen  ähnlich
riesenmäßigen  Vorstoß  hatte  dle  Entente  allerdlngs  niemals  unternommen.
Diese  Zahlen  waren  an  slch  wohl  geelgnet,  dle  O.  H.  L.,  welche  sie  einsetzen  konnte,
mit  Zuversicht  zu  erfüllen.

Zur  Bedenkllchkeit  mußte  trotzdem  dle  Tatsache  stlmmen,  daß  es  der  Entente
in  drel  Belagerungssahren  nicht  ein  einzlgee  Mal  gelungen  war,  trotz  ungeheuerlicher
  Anstrengungen  einen  Durchbruch  durch  das  deutsche  Stellungsspstem
zu  erzulngen.  Demgegenüber  wußte  Ludendorff  nach  den  Erfahrungen  von
Tarnopol  und  vom  Isonzo,  welch  hinrelßender  Schwung  auch  heute  noch  In
selne  Diolsionen  fuhr,  wenn  sie  den  Gräben  entstelgen  und  zum  Angrlff  stürmen
durften.  Das  taktische  Anfangsproblem,  den  Durchbruch,  lösen  zu  können  war
er  fest  überzeugt.

Mle  aber  stellte  er  sich  dle  Durchfübrung  des  welteren  und  unendllch  olel
schwlerigeren  Problems  vor:  der  strateglschen  Auewlrkung  —  elne  Frage,  über
deren  Lösung  Erfahrungen  zu  sommeln  der  westliche  Kelegeschauplatz  kelner  der
Partelen  jemals  Gelegenheit  gegeben  hatte?

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