Schlimm war“s, daß auf diese Weise die Verteldiger ln zwel wesentlich verschiedenwertige
Klassen zerflelen. Wie, wenn elnes Tages die ganze Westfront
elnem gleichzeltlgen Generalangriff der Feinde standzuhalten haben würde?!
Völlig fehlte aber auch den Angriffodloislonen dle wichtigste Angriffewaffe:
der Kank.. „Unsere Angrlffe gelangen auch ohne Canks,“ melnt Ludendorff
lelchthln. Wir werden ja sehen
Und die Bundeegenossen? Würde nicht auch für sle der Krleg an der deutschen
Westfront entschleden werden? Würden sie ulcht mlt Freuden berelt seln,
dle gemelnsame Sache mit lhrer letzten Kraft durchzufechten?!
Sie dachten gar ulcht daran. Der Türkei war eine Betelligung am wenlgsten
zuzumuten. Und gerade ihr in Rumänien bewährtes 15. Armeekorps hätte
Ludendorff gern an der Westfront eingesetzt. Aber Enver verlangte es für den
Kaukasus, „wo es dann tatlos herumstand“.
Bulgarlen versagte sich grundsätzlich jeder Verwendung selner Truppen
auberhalb dee Berelchs selner elgenen ummittelbaren Kriege-, d. h. Annexlonslnteressen.
Es bestand sogar noch lmmer auf Belassung deutscher Truppen
an der zurzelt doch ganz ungefährdeten mazedonischen Front.
Und Osterrelch-Ungarn? Es welgerte Truppensendungen und stellte nur,
wle belm Kriegebeginn, selne prachtvollen Skodamörser —leider mit völlig ungenügender
Munltion, so daß sie bald verstummen mußten.
Den Endkampf des ganzen Vlerbundee — Deutschland würde ln alleln
ausfechten müssen. Nur für den Fall eines Gelingens des Durchbruche hatte
Osterreich elne neue Offensive in Italien in Autslcht gestellt.
J.
Das war also, reln ziffernmäßlg augeschaut, das Angrtlffslnstriunent. Erinnern
wir une, daß die Engländer dle Flandernschlacht mlt einem Einsatz von
21 Diolstonen elngeleltet hatten, so gibt das den Maßstab für die Großzüglgkelt
des deutschen Ausfalls, der nahezu das Orelfache an Ololsionen gegen die
felndlichen Linlen warf — nur daß lelder die Reserven fehlten. Einen ähnlich
riesenmäßigen Vorstoß hatte dle Entente allerdlngs niemals unternommen.
Diese Zahlen waren an slch wohl geelgnet, dle O. H. L., welche sie einsetzen konnte,
mit Zuversicht zu erfüllen.
Zur Bedenkllchkeit mußte trotzdem dle Tatsache stlmmen, daß es der Entente
in drel Belagerungssahren nicht ein einzlgee Mal gelungen war, trotz ungeheuerlicher
Anstrengungen einen Durchbruch durch das deutsche Stellungsspstem
zu erzulngen. Demgegenüber wußte Ludendorff nach den Erfahrungen von
Tarnopol und vom Isonzo, welch hinrelßender Schwung auch heute noch In
selne Diolsionen fuhr, wenn sie den Gräben entstelgen und zum Angrlff stürmen
durften. Das taktische Anfangsproblem, den Durchbruch, lösen zu können war
er fest überzeugt.
Mle aber stellte er sich dle Durchfübrung des welteren und unendllch olel
schwlerigeren Problems vor: der strateglschen Auewlrkung — elne Frage, über
deren Lösung Erfahrungen zu sommeln der westliche Kelegeschauplatz kelner der
Partelen jemals Gelegenheit gegeben hatte?
167