Volltext : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

an.  Wenn  auch  diese  Guerillakämpfe  nur  örtliche  Bedeutung  hatten,  so
mußte  doch  der  Anreiz  des  Feindes,  die  Vorberge  der  Vogesen  zur  größeren
Beherrschung  der  Mülhausener  Ebene  in  Besitz  zu  nehmen,  beseltigt
werden.  Deshalb  wurde  der  Antrag  der  Armee-Abteilung  Gaede  auf
erheblichere  Artillerieverstärkung  zur  Wegnahme  der  Thanner  Berge
bewilligt.  Am  22.  Januar  1915  fiel  der  vielumstrittene  Hartmannsweiler
Kopf  in  unsere  Sand,  und  es  bestand  die  Absicht,  diesen  Erfolg  in
Richtung  Wolfskopf  —  Amselkopf  —  Thann  auszubauen.

Im  Dauerkampfgebiet  der  Argonnen  eröffnete  der  Franzose  das  neue
Jahr  mit  überwältigenden  Feuerüberfällen,  so  daß  auch  hier  auf  Rosten
ruhigerer  Frontteile  verstärbte  Artillerle  eingefahren  wurde.  Schon  am
8.  Januar  machte  diese  Maßnahme  sich  bei  der  33.  J.  D.  und  am  29.
bei  der  27.  J.  D.  bezahlt,  indem  dank  dem  tapferen  Verhalten  der
6.  Reservesäger,  der  hessischen  Landwehr  und  meiner  Württemberger  an
2000  Gefangene  in  Gegenangriffen  eingebracht  wurden.  zZur  besseren
Stütgung  erhielt  das  schwer  kämpfende  XVI.  A.  R.  weitere  Bataillone  der
13.  und  43.  Landwehr-Brigade  zugewlesen.  Sie  blldeten  zusammen  mit
den  Jäger-Bataillonen  5  und  6  eine  vierte  Divislon  dieses  Armeekorps.

Auf  Befehl  Seiner  Majestät  des  Raisers  durfte  ich  dem  bewährten
Rommandierenden  General  v.  Mudra,  dessen  echt  soldatische  Eigenschaften
sich  glänzgend  auf  seine  Truppe  übertrugen,  zu  meiner  Freude  den  Orden
Pour  le  meérite  überreichen.  Er  war  die  Seele  der  offensio  geführten
Urgonnenverteidigung.  „Wo  das  XVI.  A.  K.  und  alles,  was  in  seinem
Bereich  steht,  angreift,  da  glbt  es  Bruch  und  Bresche"  —  von
diesem  Gedanken  waren  Führer  und  Truppe  in  gleichem  Maß  beseelt.
Damit  auch  die  Zeimat  verständnievollen  Anteil  an  dem  Zeldentum  jener
Waldkämpfer  nehmen  konnte,  wurden  der  deutschen  Hresse  Schilderungen
berufener  Militärschriftsteller  über  packende  SEpisoden  schon  abgeschlossener
Gefechtshandlungen  zugeleitet.  Doch  wer  vermochte  sich  das  Dasein  an
der  Front  im  Grabenschlamm  stürmisch  regnerischer  Winterwochen  vorzustellen,
  der  nicht  darinsteckte  oder  wenigstene  die  bilometerweisen  Uberschwemmungen
  der  Maas-Niederungen  gesehen  hatte?  Oie  täglichen,  in
ihrer  lapidaren  Kürze  mir  oft  zu  nüchtern  erscheinenden  Zeeresberichte
ließen  nichts  ahnen  von  jenem  stillen  Zeldentum,  zu  dem  der  Oflichtgedanke
  den  deutschen  Frontkämpfer  täglich  und  stündlich  befähigte,  ohne
daß  ihm  Lohn  und  Anerkennung  winkte.

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