Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

 

 

je  auf  uweisen

Aummer  219

Heute  ist  die  Antwort  der  Mittehnächte  auf  die
#oli4he  Friedensnote  bekannt  gegeben  worden-Die
  Tatsache  ist  unbestreitbar,  dchen  rlin*x“mt  Kriegslage
  öber  jeden  Jweisel  die  ünstigste  ist,  die  wir
hutten.  Wenn  also  in  unserer

 

Antwort  unsere  Friedensbereitschaft  zum  Aus

druck  kommt,  so  beruht  sie  in  leiner  Beziehung
auf  irgend  welchen  Befürchtungen  mizitörischer
Natur,  sondern  ent##ringt  ledigiich  dem  fried.
liebenden  Geiste  unseres  Kaisers  und  unierer  iegierung.
  Wir  hätten  von  der  Fortsetzung  des
Kricges  vichts  zu  befürchten,  auh  dann  nicht,
wonn  die  mit  echt  amerilanischen  Zahlen  arbeitenden
  Rüstungen  der  Amerikaner  auf  dem
Kriegsschauplatze  in  Erscheinung  treien  soliten.

Die  lezte  Faandernofsensive  it  rerschellt,  und  in
diesen  Tagen  legamen  die  Engländer  nen
neuen  An##urm,  dessen  ersten  Tag  wir  bereits
solgreich  bestanden  haben.  Bei  Verdun  haten  sh
die  Framosen  wieder  eine  neue  sehr  schwere  Niederlage
  gehoit.  welche  die  bisherige  Erfahrung
bestätigte,  daß  die  Französen  bei  Verdun  ihr
Jiel  nie  erreichen  werden.  Ihre  Haufen  bo##en
ein  gutles  Ziel  und  eine  furchtbare  Ernte,  die
auf  das  Haux  #  der  französischen  Heeresleitung
lommt.

So  sind  diese  Bo  rgänge  der  letten  Tage  gerade
für  die  Absendung  aunserer  Antwort  auf  die
WVarstnote  von  höchster  Bedemung.  da  lsie  unsere
  ungerstörbare  Kraft  und  Ucberiedenteeit  beweisen.
  Atles  Mlul,  das  in  den  letten  Monaten
auf  dem  westlichen  Kriegsschauxjatz  geflossen  ist,
hat  leine  Véränderung  der  Lage  hero:  orgerufen.
Mogen  die  Führer  der  Westmächte  sich  ehrlich
die  Frage  vorlegen,  weschen  Zmeää  die  furchtbaren
Orfer  an  Gut  und  Vlut  gehabt  haben,  sie  werden
  sie  nur  auf  der  Schuldseite  verbuchen  können.
  Mit  einer  emsetzlichen  Regesmäßigkeit  folgen
didje  sinnlosen  Unterneh  mungen  einander  fast
täglich.  Im  Osten  liegen  die  Dinge  selbst  nach  der
Anschauung  der  englischen  und  krankösischen  Fachleute
  in  mit  itariĩcher  Ber  iehung  vollig  und  unheilbar
  im  urgen.  In  Mar  zedonien  handeit  es
lch  um  einen  völiig  "#%  orenen  Pesen  unserer
Ceinde.  den  sie  wenigitens  mit  Ehren  eu  halren
versuchen,  nachdem  sie  eingesehen  haben,  daß  sein.
Anlage  verfel#t  il.  So  ist  die  ganie  militärische
Lage  fur  die  Abschätzung  unserer  Antwort  auf
die  Pal##ilnote  von  nicht  zu  verkennender  Vedeulung.


Angichte  deisen  lann  uUns  sicher  ich  niemand
der  Schwäche  eilhen,  wenn  wir  inder  Antwort  an
den  Pai#t  cinent  unsere  Friedeuslereitschaft  aussfrrechen.
  Was  den  Inhan  der  Amtwort  selbit
unbeiangt.  so  mußte  sie  sich  lediglich  auf  grund.
lätzliche  Erorterungen  des  päpilrichen  Vorschlages
beschränlen.  In  Eineheiten  lonme  und  durite
sie  sich  nicht  verieren.  Dabei  lomm  die  Ant
wor!  dem  Fäpitichen  Verschlag  in  weitesiem
Mase  entaegen,  weiter  als  wir  es  au:  früheren
Kundgebungen  unierer  Regierung  gehört  haben.
Auch  iticht  sie  himmeiweit  von  der  Anmaßung
ab.  die  Wi  son  seiner  Antmert  an  den  rapitl  ichen
Stuh:  unterlegen  u  dürfsen  glaubte.  Das  We.
sentsichile  der  deutichen  Antwort  ist.  daß  der  lom.
mende  Friede  dem  GMeiste  der  illigleit  und  der

Lage  in  (##pa  entsprechen  müsse.  In  diesem
Zusammenhang  lann  dann  auch  Drutschland
weitgelende  Zugeiländnisse  für  eine  schiedsge
richtiiche  Regelung  von  Streitfragen,  für  allge
meine  Ahrustung  anbieten.  Dieses  ECntgegenkom
men  ist  im  Hinlei  aus  die  vage  Deulschlands
umso  bedcutungsvorser,  als  es  wähtend  des  blutigsten
  Oaseinlumpfer  ausgesprochen  wird.  In
ähnlichem  Sinne  äußert  sich  auch  die  Antwort,
wesche  Kaiser  Karl  direlt  an  den  Heiligen  Vater
geiangen  ließ.

Deutsch'and  und  Oesterreich  Ungarn  haben  also
geantwortet.  Ei  muß  nun  abgewartet  werden,
wa#  unser:  geinde  dem  Pa!#  auf  seine  Anrequng
zu  sagen  haben.  Auf  unsere  fruheren  Friedens
Angeboten  find  ulberhebende  Drohungen  gefoigt;

Selen#e  Auge##e

auf  den  Beschluß  des  Neichötages  vom  19.  Juli
hat  man  lich  in  Schweigen  gehülm.  Was  werden
wir  jetzt  zu  hören  bekommen?  In  den  jüngsten
Tagen  noch  vernahmen  wir  die  ichlimmsten  Tiraden
  in  der  französischen  Kammer.  Wird  unter  den
Schiägen  der  verbündeten  Wafsen,  die  in  Flandern,
  an  der  Düna,  am  Isonz?,  in  Mazedonien
eine  deutsiche  Sxrache  eben  jetzt  wieder  reden,  die
Einsicht  viezleicht  sich  doch  noch  recht:  eitig  einstellen?


die  Reiegsponeik  der  Ealenle.

Die  Entente  hält  die  Zeit  für  gelommen,  um
die  Mittelmächte  durch  den  Anschein  der  Unnachgiebigleit
  diplomatisch  immer  weiler  zurückzudrängen.
  Jetzt  genügt  ihr  der  Status  auo
nicht  merr.  Nächstens  würde  ihr  das  linle  Rheinufer
  nicht  mei;r  genügen,  wenn  sich  ein  Narr  finden
  solite,  der  es  ihr  anböte.

Die  „Times“  melden  aus  Wastington:  Was
Deutschiand  auh  tut;  fest  sicht,  daß  Wi'son  nicht
von  dem  Wege  abweichen  wird,  den  er  in  allen
seinen  Aeup##erungen  vorgezeichnet  hat.  nämlich
nicht  an  den  Frieden  i  denten.  bevor  der  „Kaisoris
  awis“  und  die  „Preußische  Antokrorie“  akaeschafft
  sind,  entweder  durch  das  deursche  Voll
enn  oder  die  bewaffnete  Macht  der  Alliier#ten.

Das  Lolländische  „Nieuwme  Bureau“  meldet
aus  Wasington:  Lant  effixeilen  Berichlen  wird
der  Pa#  seinen  Friedensvorschlag  nicht  wiederholen.

  Man  nimmt  jedech  an,  daß  der  Krieg  noch
weitere  wei  bis  drei  Jahre  dauern  wird,  bis
die  amerilanischen  Kriegsmaßnahmen  ihre  volle
Wiriung  tun  werden,  und  entweder  ein  aligemeiner
  Sieg  der  Entente  oder  eine  völlige  Auflösung
aller  Kriegführenden  eingetreten  ist.  Derartige
  billige  Prorh##eiungen  sollen  uns  bluffen.
Abter  wir  glauben  nicht  an  den  Edelmur  der  Ame-*—ie
  sich  wegen  der  Entente  zu  verbluten.

Die  „Times"“  schreiben:  Der  Feind  sieht  ein,
das  er  auf  dem  Schlachtfelde  nie  mehr  siegen
lann  und  daß  es  ihm  jeden  Monat  schwerer  wird,
das  Geländc,  das  er  im  ersten  Vorstoß  gewonnen
  hat,  zu  behaurten.  Aus  Frankreich  und  Amerila
  lommen  jetzt  klare  und  wohlüberlegte  Erklärungen,
  daß  man  sich  dort  weigert,  irgend  einen
schlauen  Plan  der  Wilhelmstrafee,  der  einen  Frieden
  auf  Grundlage  des  status  quo  herbeiführen
möchte,  auch  nur  anzuhören.  Es  war  derade  dieser
Halus  ano,  der  den  Krieg  hervorgerusen  hat.
und  deosbalb  darf  man  nicht  daru  zurüägehen.
Oie  Bedingungen,  welche  Painleve  als  wesentliche
Grundlagen  der  Krieges  be-eichnet,  breiben  nach
wic  vor  die  eimigen,  unter  denen  der:  Vielverband
bereit  ist,  dem  Feinde  Frieden:  zu  gewähren.

Belglen  und  Eisaß-soksringen.

In  Folilischen  Kreisen  rechnet  man  damil,  daß
der  Neichs  Slanzler  in  seiner  Reichstagstede  am
nächiten  D  onnerstag  auch  über  die  belgisch:
Frage  und  die  verschie  denen  feindlichen  Kriegsziele
  sKrrechen  wird,  und  zwar  bestimmter  und
ausführlicher,  uls  er  selbst  und  sein  Vorgänger
es  bisher  gew#  !  und  getan  haben.

Hinsichtlich  der  belgischen  Frage  ist  wohl  als
zuverlassig  zu  betrachten,  daß  lch  die  deursche  e
gierung  auf  einen  englischen  Fühjer  hin  berei
erllärt  hat,  i#ren  Standpunkt  zur  Sache  zu  weren
llarzmegen.  Danach  deult  sie  nicht  daran,  das
lbelgische  Gebiet  danernd  zu  behajten,  ist  vielmehr
bereit.  die  Unabhängigleit  Belgiens  wiederherzustellen,
  natürlich  umer  bestimmten  Garantien,
namentlich  bezüglich  der  belgischen  Nemaalitat.
Niht  minder  selbstversiändiich  ist,  daß  wir  das
besetzte  Geliet  wie  alm:  anderen  besechren  Gebiete
  vor  dem  Friedensschluß  nicht  herausgeben
werden.

Diese  Mitteungen  finden  auf  alldeutscher  und
lonservativer  Seite  hefrigen  Widerspruch.  Die

„Kreuzzeitung“  befürchtet,  daß  die  Preisgabe

der  flandrischen  Küste  dazu  beitragen  lann,  England
  zu  weiteren  Forderungen  zu  ermutigen,
wie  sich  das  ja  jetzt  schon  in  der  englisch  en  Presse
gezeigt  hat.  Das  Ingeständnis  werde  uns  als
ein  Klotz  auf  dem  Wege  liegen,  wenn  wir  versuchen
  werden,  wirkliche  Bürgschaften  für  die
Neutralität  Belgiens  zu  erreichen.

Der.  „Vorwärts“  bessl,  daß  noch  einige  „Unllarheiten“
  binsichi#tich  der  belgischen  Frage  bis
eum  Toge  der  Nan-lerrede  beseitigt  werden  würden.
  Dann  fährt  er  fori:  Verktändig  ist  der
Standunkt:  Wir  geben  Velgien  wieder  heraus,
denlen  aber  gar  nicht  daran,  Elsaß  Lothringen
oder  ein  anttiges  Stüt  des  Reichsgebietes
Leraus:  eten.  Er  ist  notwendig.  Klarheit  nach
beiden  Seiten  zu  schaffen  und  nach  der  neuesten
Nede  Ribote  ist  er  deppeln  notwendig.  An  die
Auslieferung  E'sai;  Lottringene,  das  sall  man
in  Frankreich  wissen,  denkt  in  Demschland  lein
Mensch,  auch  lein  Mann  der  allerlinksten  Opposition.
  Würde  kente  beisrielsweill  Karl  Lieblnecht
  Reichskan#ler,  so  würde  er  die  iranzösische
Forderung  nach  Elsaß-Leihringen  genan  ebenso
urudweisen  müssen  wie  Michaelis.  Will  Fraulteich
  —  Lotlringen  haben,  se  muß  es  Deulschland
  ersc  schi  agen.  so  schlagen,  daß  jeder  Widerstand
  geren  die  Edrderungen  des  Feindes  völlig
aussichtslos  erscheint.  Die  Franzosen  sollen  sich
nur  sellst  die  Frage  teamworten,  ob  sie  das
können.

Dann  schreilt  der  „Vorwärts“  weiter:  Hofsentlich
  wird  Michae#is  nicht  so  unklug  sein,  zu
sagen,  das  wir  „Garantien  für  die  wirkliche  Neutralitäl
  Beigiens“  haben  müssen.  Belgiens  Neutralität
  war  bis  zum  Ausbruch  des  Krieges  so
gesichert,  wie  eine  Neutralirät  nur  esichert  sein
lann.  Eine  bessere  Sicherung  kann  nur  dadurch
geschaffen  werden,  daß  auf  allen  Seiten  der  gute
Wilje  geschafsen  wird,  sie  zu  respektieren.  Wie
das  aber  gemacht  werden  sol-  verschweigt  der

„Vorwärts“.

die  3.  Schlacht  is  Ilandern.

Der  englische  Bericht.

Der  eng:  ische  Bericht  über  den  Beginn  der  drit
len  Schiacht  in  Flandern  meldet:  „Wir  griffen
heute  morgen  auf  breiter  Frent  ön:  ich  von  Mern
an.  Es  wird  ein  befriedigender  Fortschrint  gemeidet;
  unsere  Trurpen  haben  bereire  wichiige
Stellungen  genemmen“.  In  einem  späteren  Be
richt  heißi  es:  ..  Ein  grottr  Erseig  war  unseren
Trurpen  beichieden.  Es  wurden  Stollungen  von
bedeulender  misjitärischer  Wichtigkeil  gewonnen
und  dem  Feinoe  schmere  Ver-  uite  beigebracht.“
In  diesem  Tone  gebt  es  dann  nrch  weiter.  Und
wei  die  Engländer  gar  nichis  Positives  melden
tönnen,  benden  sie  ilr  eigener  Volk  mit  der  Auf.
rallung  von  Häusern,  Gekoften  und  Dicichten,
die  sie  as  s  wichtige  Stellungen  genonimen  haben
woilen.  Die  „erilen“  und  die  „letzten  Jiele“  wä—
ren  erreicht.  worden.  Und  damit  doch  noch  etwas
gesagt  wird,  heiht  es  um  Schiuß:  „Eine  ge.
naue  Schätzung  der  Ge  efangenenzahl  lann  noch
nicht  gegeben  werden.  Soweit  man  weiß,  überschreitet=
  ie.  20000.  Wir  erbeuteten  auch  vier  Ge,
schütze“.  Diese  Dürftigkeit  des  uletzten  Jieles“
lenn  in  Engzrand  wohl  schwerlich  Ge  jallen  finden.
Wir  ha'ten  uns  an  unsercn  V  "sericht:  Der  erste
Tag  der  driten  Flandern.  Schlacht  ist  erfolgreich
lennden  und  sämtiiche  Onsschaften  sind  in  unserer
  Hand.  Alles  ubrige  ist.  englisches  Geilun

ler.
WMgemelnes  vom  en.
Argentinien  auf  dem  Kriegaspfad.
Die  „Centra#  Rews“  melden:  Der  Beschluß
des  argentinischen  Senats,  die  Beiehungen  zu
DeutschiIand  ab-ubrechen,  wurde  mi  23  gegen
eine  Stimme  gesaßt.

 

enschen.
Noman  von  Frit  n  ens
a  6##rn.—

Drunten  am  Hange  lag  die  lleine  Stadt
in  der  vollen  Blust  ihrer  Lbstbnume.  Und  an
den  Spalieren  im  Warnickichen  Garten  leuchtete
  das  zarte  Rosa  der  Pürsichbluten.

in  ihm  alles  wie  ehedem.
Lewerenz  schausfelte  wie  sonst  die  Gartenwege,
und  Laulenne  Klauken  jötete  nebenon  ein  Beet
rü

õ  x  beiden  Alten  waren  von  dem  Nachkelses
  Warnicks,  einem  jungeren  Mannec,  der

Herbsi  nach  dem  Tode  seines  Voraanger#
in  das  Glinoower

58/)

MNotariat  eingezogen  wat
und  ein  halbes  Jahr  spater  sich  verbewatet
hatte,  gewissermaßen  ais  „altes  Inventar“
mit  übernommen  worde

Obwohl  sie  keinen  Geuno  zur  Klage  hatten,
sehnten  he  die  seuheren  Verhältnisse  mitunter
doch  zuruck  15  ipr  achen  bejonders  haufig  von
Frau  Negin

Auch  bene  verhandelten  sie  dies  Thema.

„Der  Salat  ul  mieder  viel  zu  dicht  gesät“,
  meinte  Susanne.  „Jh  habe  das  unserem
  neuen  Herru  schen  in  hern  Jahre  gelogt,
  aber  er  weiß  alles  bosser.

„Warmn  solle  er  chli  “entgegnete  Le.
werenz,  von  seinem  Schausfeln  ablassend.  „Cr
F#uaie  n  ein  Junger  und  die  Jugend  weiß  immer
alles  126#

4  iös.  ebenso  mie  jeine  Frau.  Susanne.
das  macht  man  heute  nicht  mehr  so,  sondern

Und:  „Du  verstebst  das  nicht,  sieh  mal,
ich  werde  es  dir  zeigen."  Dergleichen  bekomme
ich  alle  Tage  zu  hören  Und  ich  hab'e  doch

–.
mun  shon  an

 

und  W  alte  Frau  war  immer  zutrieden
mit  mir.“

„Ja,  unsere  alle  Herrin!“  seufzte  Lewerenz.

Nun  ließ  auch  Susanne  ihre  Hände  ruhen.
Die  beiden  Alten  starrten  nachdenklich  und  verloren
  auf  den  sonnenflimmernden  Gartenweg.

Die  Klaulen  schüttelte  dann  zuerit  alle
wehmutigen  Gedanken  ab  und  zupfte  eifriger
als  zuvor  die  Nesseln  und  das  Kreuzkraut  aus
dem  u  dicht  gesaten“  Salat.  „Na,  lassen
Sie  nur,  Lewerenz.“  meinte  sie  nach  einer  Weile.
„wir  werden  unsere  paar  Jabre  schon  noch
schaffen.  Und  sollten  wir  vor  der  Zeit  absolut
meht  mehr  zu  gebrauchen  sein,  dann  haben
wir  ja  einige  viotgroschen  jür  den  Rest.“

Lewerenz  pilichtete  Uhr  bei.  ind  dann
arbeiteten  lie  eine  Zeitlang  schweigen

.Freuen  tun's  mich.,“  hun  lns.  schließ.
lich  wieder  an.  „daß  uns  Jrau  Warnick
nicht  vergißt.  Und  wenn  ein  Miei  von  ihr
aus  Thüringen  kommt,  ist's  für  mich  iedes.
mal  ein  Jubeltag.  Und  immer  schreibt  sie:
„Vergiß  das  Grab  nicht,  Susanne,  pflege  es
und  pflanze  neue  Biumen,  wenn  die  alten
verdorrt  sind“  ßz  wird's  einmal  nach  une
tun,  Lewerenz  2n%

„Wir  sind  nicht  die  einzigen  auf  der
Welt,  Klauten,  ni  schließlich  zerfallen  alle

über

„Un  d  in  neues  Geschlecht  geht  achtlos
darüber

„Bis  auch  das  nicht  mehr  ist.“

,  „Lewerens.  Und  wir  beide  werden's
nicht  än

vrd  ner  Also  wollen  wir  uns  nicht  dle
göpse  darüber  zerbrechen,  daß  es  so
Wissen  Sie  übrigens  schon,  dah  die  Möriene

—  .
die  viergig  Jahre  verstanden,

 

Sonntag,  23.  September  7912

ve:  siamys  zut  Ve.

Ein  japanischer  Panzerkreuzer
ge  sunken.
Wie  die  Peiersburger  Teiegraphenagenturmms
Tolio  meldet,  ist  der  japanische  Panjerlrenzer
„Otowa“  gesunken.  Das  Schiff  faßte  über  30000
Jonmen  und  hatte  310  Mann  Besatzung  an
Nord.

Die  Vorgäuge  in  Noßlond.

.„Inden  Armen  liegensich  beide“.

Havas  meldet  aus  Peiersburg:  Kerensli  er
llärte,  Kornitew  labe  aus  rein  patrio#ischen  Ve
neggründen  gel  andelt  und  daß  die  Regierung
den  gegen  Kernilew  unternommenen  gerichtlichen
Mas-rahmen  leine  Folge  geben  wird.  Man  rech
net  sogar  mit  der  Möglichleit  einer  Auesöhnung
zwischen  Kornilew  und  Kereusli.

Malien.

Dic  italienischen  Blulopfer.

Nach  dem  vom  österreichisch-  ungarischen  (de
neralstab  veröffenelich,en  abschliesenden  Bericht
über  den  Verlauf  der  11.  Isenzoschlacht  i#llen
sich  die  Zissern  noch  wesentlich  boher  dar,  auls
bisher  angenommen  wurde.  Danach  wurden
nämlich  italien:  scherseit  43  Drvisonen  auf  laum
ebensoviel  Kilometer  in  der  11.  Isonzoschlach.
eingesetzt.  Auch  betragen  die  italienise  chen  Ber
luste  nach  dem  gleichen  öslerreichisch-un  ri
Vericht  nach  Kenphre,  Berechnungg  (20  00%
fangene  mitge;  zäh:t  230  000  Man,

Die  Gärung  in  Ita

Nul,  snNu  Beisriel  keginnt  —858  der  Alpen
zuu  wirien.  Die  Nachrichten.  die  seit  den  Tagen
der  Grenssperre  zu  uns  her  wrüberdringen,  deuten
auf  beginnenden  Wirrwar.  Das  Voll  wiil  leinen
Winterfeldzug  melr,  jetzt,  wo  das  lüägliche  Er
gebnis  der  11.  Isonzoô#Schlacht  die  Unmöglickleit
  des  Hauptrurchbruchs  ge:  eigt  hat.  Neutra
liiten  und  Sozialisten  sordern  heftig  die  Einberusung
  der  Kammer.  So#ialitische  Rundschreiben,
die  der  „Porclo  d'’  Italia“  veroffentsicht.  for
dern  die  Genossen  auf,  durch'uhalten.  Die  Entscheidungsstunde
  sei  nabe.  Die  Lofung.  sei:  Kei
nen  Winter  meler  im  Schützengraben!  In  Süditalien
  werden  die  Vauern  ausgefordert.  die
Landarbeit.  vor  aliem  die  Auesaaten,  einm
schränken,  um  durch  Nal,  rungemitielmangert  im
Lande  das  Ende  der  Krieges  herbeimführen.
Nach  einer  weileren  Meldung  entfanen  dire  rör
mischen  Sorialisten  ungeu  b.  iche  Tätigleit.  deren
  Grund  unverkennbar.  -  „Berner  Tag
blam“  meidet  aus  Mailand:  Private  Todesangeigen
  für  gesalzene  OÖsfizierc  lassen  de  utlich  er.
lennen,  day  sie.  Opfer  der  Unterdrück  ung  der
sogen.  Turiner  Bretrevolunion  wurden.  Es  wur
den  dabei  Mailänder  Bataillone  verwendek.

De  deutschen  Soakkaftn  and  die
Kiiegsanleihe.

In  der  Bewegung  der  Einlagen  bei  den  deut
schen  Sparkassen  spiegeln  sich  die  wirtschafnichen
A#rhällnisse  der  breiten  Schichien  der  Bevol
lerung.  Ueber  diese  Beuegung  werden  wir  LorlO
laufend  unterrichtet  durch  die  Monais#l#  atisuten,
welche  in  dem  Amtsbalt  des  deulschen  Sparkassenverbandes,
  der  „Sparkasse“,  erscheinen.

In  diesen  Monatsitauii  ulen  zeigt  sich  nun,
weiche  gewaltigen  Beträge  den  Sartassen,  brsonders
  seit  Kriegebeging..  Mna  für  Mona
zuflieten.  Man  hat  auch  feit  zeie  Il.  daß  der  stei
gende  Zuwachs  an  Witen  en  seinen  Uriprung
nicht  nur  im  vermehrten  Zusiun  von  Ein  agen,
ledem  in  der  Abnahme  der  Rülzahlungen  hal.

azu  kommt,  daf,  die  Zahl  der  Sparbücher  —
Ver

 

tAMA  des  Krieges  eine  ganz  gewai:  rige

 

E  —  —  —  —
Nasten  vom  Doitor  drüben  in  Begdorf  gestern

gestorben  ist?
„Nein!“  Susanne  sabe  erschrocken  auf  und
legte  die  Hände  in  den  Schoß-„Und
  sie  war  ert  Schoh,  über  sechzig.
Das  treue  Wurm!  Nun  wird's  dem  Doltor
ganz  und  gar  einsam  sein.  Die  Nottraut  fort
und  die  Marlene  tot.“
Lewerenz  nickte  gemessen  und  nachdenksch
„Schlleßlich  bleibt  er  nun  auch  nicht  D
dorf,  sondern  geht.  .  wie  heil
doch  g  d%  sakr  rische  2
München?,  behinse  Susanne.  „Zu
den  -nrbeer  meinen  Sie?  Warum  nicht!
Der  Frau  Rottraut  dürfte  es  schon  recht  sein,
und  dem  Maler  auch.  Und  die  beidees  Buben

werden  mit  solchem  Großvater  schon  was
Rechtes  anzufangen  wissen.  muß  ein  rechtes
Glück  in  München  sein.  Damals,

im  Seh  als  ich  nach  Bebder  zum  Doktor
war  mit  meiner  bösen  Hand,  Sie  wissen  noch,
Lewerenz,  erzöhlte  mir  die  Marlene  viel  von
den  Malerleuten,  wie  sie  im  vorigen  Sommer
auf  ein  paar  Tage  zum  Besuch  gewesen  wären.
Denn  viel  Zeit  hat  solch  Maler  nicht,  wie  der
einer  ist,  den  die  Rottraut  zum  Mann  bat.
Der  muß  immerzu  malen,  und  seine  Bilder
gehen  für  ein  fündhaft  bohes  Geld  weg  wie
die  wormen  Semmeln.  Marlene  melnte,  der
Maler  sei  ein  ganz  berühmter,  relcher  Mann.
Na,  das  Geld  und  Her  Ruhm  machen  das  Glück
in  einer  Ehe  auch  nicht.  Aber  die  beiden,
der  Maler  und  3.  Rottraut,  würden  auch
ohne  Relchtum  glücklich  sein;  denn  sie  haben
die  Liebe  im  Herzen.  Die  Marlene  erzählte,
als  der  Maler  wieder  fort  mußte,  hätte  er  seiner
Frau  desagn.  sie  solle  noch  bleiben,  auch  der

Häüätte  agequält.  Aber  da  war  la  an  eln

 

Bleiven  gar  niä  zu  oenten.  IZumer  mit  ihm
sort  nach  Munchen.  Wo  ihr  Mann  sei,  da
müsse  sie  auch  sein,  hat  sie  nur  auf  alles.  Iureden
  neamwortet.  Und  da  sind  sie  dann  nit
ihren  beiden  Zuben  schon  am  dritten  Tage
wie  der  hn  kbdamptt.  ebrigens  heiszt  einer  von
den  u:  en  tleinen  Kerls  Wolsgang.=un

  and  nach  ihrem  langen  Pericht,
renz  miut  auf  den  Schauselstiel  gerden
  schweigend  zugehort  hatte,  von
rbeet  auf,  denn  sie  war  mit  dem
Jäten  in,  klopfte  den  Sand  von  ihrer
Schürze  und  dachte  nun  plönlich  wieder  an  den
Ausgang=  runtt  ihrer  Erzählung.

„Ach  ja,  nun  ist  die  Marlene  auch  tot“,
sagte  *  wehmütig  und  bliäte  mit  traurigen
Augen  in  die  sonnenschimmernde  Ferne.  „Deute
abend  will  ich  einen  Kranz  binden.  Und  morgen
werde  ich  zum  Begräbnie  gehen.“

ewerenz  war  mit  seinen  Gedonten  noch
bei  dem  Schluß  ihrer  Erzä
Wolfgang  heißt  einer,  An  Sie  Wo
mag  denn  unser  Wollgang,  sein?
wer  weiß  d  In  ihrem  letzten
Prief  ##neb  Grus  buache,  die  letzte  Nachricht
hätte  sie  von  ihm  aus  BParis  erhalten.  Das
liegt  meit  da  hinten  in  Krantreich.  Wissen  Sie?“
„Ne  und  ol!“"  entgeanele  Lewerenz  und

  

  
 
  

demtun

Ihren

reckte  ich  hoch  auf.  „Wir  Baben's  ja  #anno  70
und  71  ##nit  belagern  hbeisen.  Und  weit  da
hinzen  stimmt  nicht.  Muten  win  liegt's,  an
ei  Sceinen“

Fortsetzung  folgt.