Metadata : Leitfaden für das Preußische Jäger- und Förster-Examen.

—  265  —

Starkholz  erreicht  man  am  besten  durch  Ueberhalten  von  einzelnen  Waldrechtern,
  wenn  keine  zu  große  Sturmgefahr  droht  oder  im  Lichtwuchsbetrieb;
  bei  letzterem  ist  jedoch  zu  beachten,  daß  der  Lichtstandszuwachs
der  Kiefer  höchstens  10  Jahre  dauert,  da  namentlich  alte  Kiefern  ihre
Krone  und  damit  das  Ernährungsvermögen  nicht  vermehren.

Enger  Stand  ist  für  die  Bildung  guten  Nutzholzes  (vollholzig,
gleichmäßige  feinringige  concentrisch  gewachsene  Jahrringe)  sehr  wichtig.

Die  Fichte.  Abies  excelsa  (De).

8  192.
Allgemeines.

Die  Fichte")  ist  hauptsächlich  der  bestandsbildende  Baum  des  Gebirges,
  nur  im  Osten  und  Norden  von  Deutschland  bildet  sie  auch  in
der  Ebene  ansehnliche  Bestände;  in  jüngster  Zeit  hat  sich  ihre  Kultur  sehr
erweitert,  sie  ist  in  das  Hügel=  und  niedere  Bergland,  sowie  auf  den
besseren,  frischen  und  bindigen  Boden  der  Ebene  des  mittleren  und
westlichen  Deutschlands  herabgestiegen;  auch  die  Küste  zeigt  wegen  ihrer
Luftfeuchtigkeit  bessere  Bestände.  Sie  hat  eine  sehr  flach  streichende  Bewurzelung,
  die  sie  zum  Hauptopfer  der  Stürme  macht  und  ist  eine  halbe
Schattenpflanze,  wie  ihre  dunkle  und  nur  alle  5—7  Jahre  wechselnde
Benadlung  anzeigt;  bei  ihrer  Lang=  und  Geradschäftigkeit  wie  dichtem
Stande  giebt  sie  weit  höheren  (bis  zum  doppelten)  Massenertrag  als  die
Kiefer.  Groß  ist  ihre  Reproduktion  von  beschädigten  oder  verbissenen
Zweigen  und  Aesten,  dagegen  vermag  sie  Schälwunden  oder  Entnadlung
durch  Raupenfraß  nur  sehr  schwer  zu  überwinden.  An  den  Boden
macht  sie  den  Anspruch  von  Frische  und  einiger  Bindigkeit;  zur
Bodenverbesserung  eignet  sie  sich  fast  so  gut  als  die  Kiefer,  auch  trägt
sie  vermöge  ihres  weiten  Wurzelgeflechts  zur  Austrocknung  von  feuchtem
Boden  beiz  doch  wird  sie  auf  zu  feuchtem  Boden  leicht,  auf  früherem
Ackerland  immer  rothfaul.

 

*)  Professor  v.  Purkyn  unterscheidet  „grünzapfige  und  rothzapfige“  Fichten;
die  noch  nicht  verholzten  Zapfen  sind  an  den  Farben  kenntlich;  in  den  reifen  grünzapfigen
  Fichten  ist  der  Same  um  die  Hälfte  größer;  die  anderen  angeblichen
Unterschiede  sind  noch  nicht  endgültig  festgestellt.  Es  wäre  wichtig,  dieselben  weiter
zu  beobachten  und  darüber  zu  berichten.