Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1909. (36)

Nr.  14.  257

Berechtigten  getroffen,  so  steht  jedem  Koppelfischereiberechtigten,  welcher  das  Recht  zur  persön—
lichen  Ausübung  der  Fischerei  besitzt,  auch  das  Recht  zu,  im  Rahmen  und  mit  den  Beschränkungen
  des  Art.  35  des  Fischereigesetzes  Erlaubnisscheine  auszustellen.

8  11.

Für  die  Zuteilung  gewisser  Gewässerstrecken  an  einzelne  Koppelfischerei—
berechtigte  kommt  in  Betracht,  daß  die  einzelnen  Strecken  als  solche  sich  für  einen  wirt—
schaftlichen  Fischereibetrieb  eignen  müssen,  wenn  sie  auch  nicht  in  jedem  Falle  die  in  Art.  18
Abs.  2  des  Fischereigesetzes  regelmäßig  geforderte  Uferlänge  von  2  km  besitzen.

8  12.

Die  in  Art.  28  Abs.  2  Nr.  6  des  Fischereigesetzes  erwähnte  Verwaltung  der
gemeinsamen  Gewässerstrecke  umfaßt  auch  die  Bestimmung  über  die  Vertretung  der
Gesamtheit  der  Koppelfischereiberechtigten.  Auch  hier  hat  die  Vereinharung  der  Beteiligten
als  Grundlage  für  die  Regelung  in  der  Fischereiordnung  zu  dienen.

13.

Handelt  es  sich  um  die  Ausübung  von  Koppelfischereirechten  in  öffentlichen  Gewässern
oder  in  Privatgewässern,  die  sich  im  Eigentum  des  Staates  befinden,  so  ist  vor  der
Erlassung  der  Fischereiordnung  die  Regierungsfinanzkammer  um  Außerung  anzugehen.

V.  Ausübung  von  Fischereien  durch  Gemeinden.
8  14.

Die  Beschlußfassung  darüber,  wie  die  Gemeinde  eine  ihr  zustehende  oder  zur  Ausübung
  übertragene  Fischerei  nutzen  will,  erfolgt  durch  den  Magistrat,  Gemeindeausschuß  oder
Gemeinderat.  Für  die  Wahl  der  in  Art.  30  des  Fischereigesetzes  aufgeführten  Nutzungs—
arten  müssen  die  fischereilichen  Interessen  maßgebend  sein.  Bei  der  Nutzung  durch  Ausgabe
  von  Erlaubnisscheinen  ist  mit  besonderer  Vorsicht  zu  verfahren.  Die  hiezu
erforderliche  Genehmigung  der  vorgesetzten  Verwaltungsbehörde  ist  nur  beim  Vorhandensein
eines  Bedürfnisses  und  nur  für  solche  Gemeinden  zu  erteilen,  bei  welchen  besondere  Verhältnisse
  es  rechtfertigen.  Dies  wird  z.  B.  für  Gemeinden  an  größeren  Seen,  in  Badeorten
oder  Orten,  welche  als  Sommerfrischen  in  Betracht  kommen,  der  Fall  sein.

Die  Höchstzahl  sowie  der  Inhalt  der  auszugebenden  Erlaubnisscheine  ist  mit
Rücksicht  auf  die  fischereilichen  Verhältnisse  nach  Anhörung  von  Fischereisachverständigen  festzusetzen.
  In  den  Erlaubnisscheinen  sind  die  Plätze,  an  denen  und  die  Geräte  (Angeln,  Netze,
Reusen),  mit  denen  gefischt  werden  darf,  zu  bezeichnen.