6 Erster Zeitraum.
und den Johanniterorden kennen, und auf seine Bitte folgten ihm mehrere
Ritter nach Brandenburg. Er wies ihnen Kirchen mit reichem Grundbesitz
an, z. B. den Johannitern Werben, den Templern Müncheberg;
an die letzteren erinnern noch die Namen Tempelhof und Templin. Auch
Mönche ließen sich in der Mark nieder; in Jerichow entstand ein Prämonstratenserkloster,
und die Bistümer Havelberg und Brandenburg traten wieder
ins Leben. Um die durch Kriege und Auswanderung stark gelichtete Bevölkerung
wieder zu vermehren, ließ Albrecht deutsche Adlige, Bürger und Bauern
zur Ansiedelung einladen. Damit begann-eine Rückwanderung der Deutschen,
die in der Mark Brandenburg zu gänzlicher Wiederverdeutschung des Landes,
in den weiter östlich liegenden Landschaften zu einem noch nicht beendeten
Ringen zwischen deutscher und slavischer Art geführt hat. Einen Teil der
eroberten Länder nahm Albrecht für sich, einen andern ließ er gegen Grundzins
den Wenden; aber auch für seine Krieger und die Einwanderer blieb
noch herrenloses Land genug. Die Adligen erhielten Rittergüter, die gewöhnlichen
Krieger kleinere Grundstücke. Die Nittergutsbesitzer mußten dem Markgrafen,
so oft er ihrer bedurfte, mit ihren Knechten zu Hilfe eilen. Die
Angesehensten derselben waren die „Schloßgesessenen“, am zahlreichsten die
„Zaunjunker“", deren Hof nur mit einem Zaun umgeben war. Auch wurden
große Flächen Odländereien, besonders sumpfige Niederungen, urbar gemacht,
indem der Markgraf einem geschickten, unternehmenden Manne etwa 50 Hufen
von je 30 Morgen oder 7,5 ha zur Anlegung eines Dorfes überließ. Einen
Teil desselben durfte dieser als erbliches, steuerfreies Lehnsgut für sich nehmen,
ein Teil wurde für die Kirche ausgesondert und das übrige unter Kolonisten
verteilt, die dafür dem Markgrafen einen jährlichen Zins zu zahlen und
Kriegsdienste zu leisten hatten, sonst aber frei waren. Der Unternehmer
erhielt erblich das Schulzenamt des neuen Dorfes, führte den Vorsitz im
Dorfgericht, dem außer ihm noch mehrere Gemeindeglieder als Schöffen angehörten,
erhob die Abgaben und mußte den Kriegsdienst zu Pferde leisten;
dafür erhielt er ein Drittel der gerichtlichen Strafgelder sowie des von den
Kolonisten zu zahlenden Grundzinses und hatte das Recht, eine Mühle anzulegen.
Mehrere Schulzen bildeten unter Vorsitz eines markgräflichen Vogts
das Landgericht. Das ganze Land zerfiel in etva 30 Vogteien. Der Vogt
hatte an Stelle des Landesherrn dem Gericht vorzusitzen, den militärischen
Oberbefehl und die Landesverwaltung zu führen; er mußte für die Sicherheit
der Burgen sorgen, die Güter des Landesherrn verwalten und die Abgaben
für ihn einziehen. Die meisten Einwanderer kamen aus Holland,
Friesland, Westfalen und Flandern; an letztere erinnert noch der Name
Fläming. Durch sie wurden in der Mark nicht nur wüstliegende Höfe wieder
bebaut und neuc angelegt, Sümpfe ausgetrocknet und Wälder gelichtet, sondern
sie brachten auch manche Kunstfertigkeit und manches neue Gewerbe mit. So
führten sie statt des wendischen Feldsteinbaus den Backsteinbau ein. Die
Wenden lernten deutsche Sitte und Bildung schätzen und eigneten sich manches
zu ihrem eigenen Vorteil an. Den wendischen Adel suchte Albrecht dadurch zu
gewinnen, daß er ihn dem deutschen gleichstellte, so daß durch Wechselheiraten
die wendischen und deutschen Adligen der Mark miteinander verschmolzen.