Metadata : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

68  3.  Der  jpanische  Erbfolgefrieg.

Seite  der  Herzog  Friedrich  von  Holftein-ottorp,  ein  Schwager  des
jungen  Königs  Karl  XI  von  Schweden,  und  auf  der  Gegenfeite  der
Kurfürit  Auguft  von  Sachen  al3  König  von  Polen  unmittelbar,
Preußen  und  das  ganze  nördliche  Deutichland  mittelbar  beteiligt.
König  Auguft  IT  von  Polen  hatte  mit  Dänemarf  und  mit  dem
HBaren  Peter  von  Rußland  ein  Bündnis  geichloffen,  das  zum  Yiwvede
hatte,  die  Jugend  und  vermeintliche  Schwäche  des  jungen  Schwedenfönigs
  zu  Erwerbungen  oder  Nücdferoberungen  der  ehemals  polnischen
  Befigungen  an  der  Dftjee  zu  benüben.

Mit  Abichluß  von  Bündniffen  und  Gegenbündnifjen  vergingen
noch  einige  Monate:  ein  nicht  unmwejentliche®  SInterefje,  Da8  Die
Ipanische  Erbfolgefrage  für  Deutjchland  hatte,  bejtand  eben  in  dem
Berhalten  der  Zerritorialfürften,  in  der  Art,  wie  fie  von  ihrem
Bündnisrechte,  ihrer  Souveränität,  Gebrauch  machten,  3.8.  wie  der
Kurfürft  von  Sachien  in  jenem  nordischen  Sntrigenftüd  die  Kräfte
jeines  deutjchen  Erblands  einem  lediglich  perjönlichen  Zwed,  feinem
Schattenfönigtum  in  Polen  mehr  Gewicht  zu  geben,  opferte.  Der
KRaifer  jtand  noch  ziemlich  allein,  al3  er  den  Krieg  im  Mai  1701
eröffnete.  Die  leitenden  StaatSmänner  in  England  und  Holland,
König  Wilhelm  in  England  und  der  Ratspenfionarius  Heinfiuz,
hatten  noch  Grund  zu  zögern  und  verargten  ihm  die  ablehnende
Haltung  gegenüber  dem  von  ihnen  gemachten  zweiten  Teilungsvorjchlag:
  auch  die  Stimmung  im  Bolfe  war  noch  gegen  den
Krieg.  Nichtsdeftoweniger  war  man  in  Wien  zu  diefem  entihlofien;
  hatte  man  doch  diesmal  dag  Glück,  das  SÖfterreich  nicht
oft  beichieden  war,  einen  großen  eldheren,  den  Sieger  von
Benta,  den  Prinzen  Eugen  von  Savoyen,  zu  befiten.  Diejen
hatte  Zudwig  XIV  jelbft  der  Faiferlichen  Sache  geliefert:  der
Prinz,  einer  Oeitenlinie  des  Hauje8  Savoyen  entiprofjen,  war
am  18.  Oftober  1663  in  Paris  geboren,  der  Sohn  einer  Nichte
des  jeinerzeit  allmächtigen  Kardinal3  Mazarin.  Am  franzöfiichen
Hofe  wuchs  er  auf,  neigte  früh  dem  Soldatenjtande  zu,  aber  als
fünfter  Sohn  jeines  Haujes  und  feiner  wenig  martialifchen  Geftalt
wegen  hatte  man  ihn  zum  Geiftlichen  beitimmt.  Als  ihm  vom