290 Dritter Zeitraum.
Die Schlachten um Metz am 14., 16. und 18. August.
Die Nachricht von den erlittenen Niederlagen hatte in Paris die größte
Aufregung hervorgerufen. Alle Bürger zwischen dem dreißigsten und vierzigsten
Jahre wurden sofort der Mobilgarde eingereiht, alle Deutschen aber aus Frankreich
ausgewiesen. Sehnlichst wünschte Napoleon eine Schlacht bei Metz, um
durch einen Sieg seine Lage zu bessern; aber seine Generale widerrieten,
deshalb legte er, krank und müde, den Oberbefehl in Bazaines Hände. Die
französischen Heerführer beschlossen nun, den Osten bis auf Metz und Straßburg
aufzugeben, ihre sämtlichen Truppen bei Chälons zu vereinigen und
unter den Mauern von Paris die Entscheidungsschlacht zu liefern. Deshalb
gab Bazaine Befehl zum Abmarsch, um über Verdun Chälons zu erreichen.
Es war bereits zu spät, denn bevor er an die Mosel kam, wurde er am
14. von der ersten Armee bei Colombey (Courcelles) so heftig angegriffen,
daß ein Teil seines Hceres kehrt machen mußte und er einen vollen Tag
verlor. Am 15. nahm er seinen Abmarsch wieder auf, aber vorsichtig und
langsam. Napoleon mochte nichts Gutes ahnen, denn er verließ am folgenden
Morgen nebst seinem Sohne diese Armee.
Inzwischen hatte die zweite deutsche Armec in Gewaltmärschen südlich von
Metz die Mosel überschritten, um den Franzosen den Weg nach Chälons zu
verlegen; schon am Abend des 15. standen die am weitesten vorgeschobenen
Truppen westlich von Mars la Tour. Als nun Bazaine am 16. seinen
Rückzug fortsetzte, wurde er in seiner linken Flanke von dem brandenburgischen
(3.) Armeekorps (von Alvensleben) mit solcher Heftigkeit angegriffen, daß er
die gesamte zweite Armee vor sich zu haben wähnte und sein ganzes Heer
zum Angriff führte.
Das Schlachtfeld bildet eine wellenförmige Hochebene, die etwa in der Mitte
von der Landstraße Metz— Verdun durchschnitten wird. Das deutsche Korps stand in
einer nahezu eine Meile langen Linie gegen eine unendliche übermacht; leicht hätte
Bazaine es vernichten können, wenn er entschieden vorgegangen wäre. Aber er richtete
sein Augenmerk nur darauf, seine Verbindung mit Metz zu sichern, vielleicht auch
darauf, dem deutschen Heere die Verbindung mit der Mosel abzuschneiden; daher hatte
unser rechter Flügel einen schweren Stand. Aber die Brandenburger waren nicht zu
überwältigen; drei Stunden lang stritten sie gegen eine drei-, ja vierfache Ubermacht,
bis sie Verstärkun erhielten. Die Entscheidung mußte auf dem linken Flügel bei
Vionville und Mars la Tour herbeigeführt werden, den ein französisches Korps
unter Aufbietung großer Infanterie= und Kavalleriemassen zu umtlamiern suchte.
Um eine feindliche Vatterie nördlich von Vionville zum Schweigen zu bringen,
sandte von Alvensleben Halberstädter Kürassiere und altmärkische Ulanen ab. ie
ein Orkan brausen die tapferen Reiter daher, überreiten das erste Treffen der Insanterie,
überwältigen eine Batterie, duxchbrechen auch die kreite Linie. Da wirft sich
die feindliche Kavallerie mit vierfacher Ubermacht über sie; die Tapferen müssen zurück
und sich zum zweitenmal eine blutige Gasse bahnen.
„Doch ein Blutritt war es, ein Todesritt;
Wohl wichen sie unsern Hieben,
Doch von zwei Regimentern, was ritt und was stritt,
Unser zweiter Mann ist geblieben.“
Mit Ubermacht drängen die Franzosen vor und drohen, den linken Flügel bei
Mars la Tour zu umgehen und Vionville zurückzuerobern. Voigts-Rhetz eilt mit