Full text : Deutsches Kolonialblatt. XIX. Jahrgang, 1908. (19)

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Maßregeln  gegen  Einschleppung  der  Dest.

Der  Ausbruch  der  Beulenpest  in  Akra  hatte
das  Gouvernement  des  Schutzgebietes  Togo  Mitte
Januar  veranlaßt,  über  die  von  Akra  her  Lome
anlaufenden  Schiffe  die  Quarantäne  zu  verhängen.
Ende  Januar  d.  Is.  war  dann,  um  der  Einschleppung
  der  Seuche  durch  den  Landverkehr
vorzubeugen,  die  Quarantäne  für  den  Grenzverkehr
  über  den  südlichen  Teil  der  Westgrenze  Togos
angeordnet  worden.  Nach  einem  Telegramm  des
Gouverneurs  haben  nunmehr  pestverdächtige  Fälle
in  Anamaboe  und  Brewa,  kleinen  Küstenorten
der  englischen  Goldküstenkolonie,  die  Erweiterung
der  Quarantäne  für  sämtliche  Häfen  der  Goldküste
  von  Cape  Coast  Castle  bis  Prampram
notwendig  gemacht.  Es  ist  anzunehmen,  daß
durch  die  energischen  Maßnahmen  der  Verwaltung
die  gefährliche  Krankheit  von  unserem  Schutzgebiet
jerngehalten  wird.

Das  Kalklager  von  Tohpli.

Beim  Dorfe  Adabion,  etwa  1,5  km  südlich
der  Zollstation  Tokpli,  liegt  im  Monu,  dem
Grenzflusse  zwischen  Togo  und  Dahomey,  zur  Zeit
des  Niedrigwassers  (also  in  den  Monaten  Dezember
bis  Mai)  auf  mehrere  hundert  Meter  ein  Kalklager
  zutage,  welches  für  die  kalkarme  Kolonie
von  großem  Werte  zu  werden  verspricht.  Der
Kalk  besteht  fast  nur  aus  den  in  Kalkspat  verwandelten

  Gehäusen  von  Mollusken,  Echinodermen

und  Korallen;  er  hinterläßt  beim  Lösen  in  Salzsäure
  nur  einen  ganz  geringen  Rückstand.  Eine
Analyse  hat  L.  v.  Ammon  in  seiner  Arbeit:  „Zur
Geologie  von  Togo  und  vom  Nigerlande“  (Mitteilung
  der  Geograph.  Ges.  in  München  Bd.  I,
S.  469)  veröffentlicht,  sie  ergab:  "

Kohlensauren  Kalk  95,59  v.  H.
Kohlensaure  Magnesia  0,76

Kieselsänrne  1,30
Titansäure.  0,06  6
Tonerde  044
Eisenoxryd  1,16  =
Manganoxydul  0,24
Kait  0,12
Natro  0,16

Aus  dieser  Analyse  geht  schon  die  große  Reinheit
  des  Kalksteines  zur  chon?  hrnon,  insbesondere
  auch  seine  Armut  an  der  unerwünschten
Magnesia.  Gebrannt  und  gelöscht  muß  daher
dieser  Kalkstein  einen  „fetten“  Mörtelkalk  liefern;
tatsächlich  wurde  dies  bei  Brennversuchen  stets
festgestellt.

 

Die  Mächtigkeit  des  Lagers  ist  zwar  nirgends
mit  Sicherheit  ermittelt,  da  liegende  Schichten  des
Kalkes  nicht  zutage  treten;  aber  die  Klippen  im
Flußbett  zeigen,  daß  der  Kalkstein  mächtiger  als
2  m  sein  muß.  Zunächst  käme  wohl  für  die  Ausbeutung
  die  größere,  am  meisten  flußabwärts  befindliche
  Fläche  in  Betracht,  ein  Kalkgebiet  von
etwa  250  m  Länge  und  durchschnittlich  45  m
Breite,  nämlich  nur  bis  zum  Talweg  des  Flußbettes,
  der  Landesgrenze  gegen  das  französische
Dahomey.  Legt  man  nun  selbst  keine  größere
Mächtigkeit  als  2  m  der  Berechnung  zugrunde,
so  könnten  demnach  auf  der  angegebenen  Fläche
zur  Zeit  des  Niedrigwassers  250  Xx  45  K  2
—  22  500  ehm  Kalkstein  gewonnen  werden,  welche
etwa  22  500  K  1,35—  30  375  Tonnen  gebrannten
Kalk  ergeben  würden.  Bemerkt  sei,  daß  nach  Angaben
  des  Bauamts  in  Lome  dem  Gouvernement
die  Tonne  gebrannten  Kalks,  von  Deutschland
bezogen,  auf  etwa  110  Mk.  zu  stehen  kommt.

Der  obigen  äußerst  vorsichtigen  Schätzung  des
Kalksteinvorrats  ist  nur  ein  sehr  kleiner  Teil  des
Lagers  zugrunde  gelegt;  die  Ziffern  erhöhen  sich
noch  beträchtlich,  wenn  einmal  die  weiter  oberhalb
  im  Flußbette  belegene  etwa  3500  am  große
Fläche  hinzugenommen  wird.

Das  Brennen  des  Kalkes  muß  in  erster  Linie
mit  dem  Holze  der  angrenzenden  Baumsteppe  erfolgen;
  daneben  kann  aber  noch  vorteilhaft  ein
stark  zusammengepreßter,  holzreicher  Torf  verwertet
  werden,  wie  er  nur  wenige  Kilometer  oberhalb
  Tokpli  bei  Esse  Anna  in  der  Niedrigwasserlinie
  des  Monu  an  den  Ufern  und  auf  kleinen
Inseln  sehr  verbreitet  ist,  von  wo  ihn  die  Eingeborenen
  in  ihren  Einbäumen  leicht  heranbringen
könnten.

Zur  Ausbeutung  des  Kalklagers  erscheint  folgender
  Weg  durch  die  Jahreszeit  und  den  Wasserstand
  des  Flusses  geboten.  In  der  Trockenzeit
muß  der  Kalk  gebrochen  und  gleichzeitig  das  nötige
Brennholz  geschlagen  werden.  Gegen  das  Ende
der  Trockenzeit  könnte  der  Kalk  in  ununterbrochenem
Betriebe  gebrannt  werden.  In  der  Regenzeit,
also  etwa  von  Juli  bis  Oktober,  führt  der  Monn
so  reichlich  Wasser,  daß  ein  Transport  des  Kalkes
auf  großen  Einbäumen  nach  dem  45  km  Luftlinie
entfernten  Anecho  stattfinden  kann.  Von  Anecho
aus  ist  bekanntlich  die  weitere  Verfrachtung  auf
der  Küstenbahn  nach  Lome  usw.  möglich.  Es
ist  auch  nicht  ausgeschlossen,  daß  ein  Teil  des  angrenzenden
  Dahomey  mit  dem  Kalke  versorgt  wird
und  daß  eine  Verschiffung  nach  anderen  westafrikanischen
  Kolonien,  insbesondere  nach  Kamerun,
stattfindet.