Full text: Deutsches Kolonialblatt. XIX. Jahrgang, 1908. (19)

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geborene Arbeiter gelandet, welche dazu bestimmt 
sind, eine Pflanzung anzulegen. Die Zeit während 
der Landung der Passagiere und Güter benutzte 
ich zu einem Besuch in dem auf der westlichen 
Hälfte der Insel gelegenen Eingeborenendorf. 
Auf Veranlassung des Häuptlings wurde von 
etwa 30 Kriegern der bekannte Kriegstanz der 
Admiralitäts-Insulaner vorgeführt, bei dem die 
Tänzer als einziges Kleidungsstück eine Muschel 
tragen. Drei kräftige Burschen gingen als Re- 
kruten für die Polizeitruppe mit an Bord. 
Nachmittags trafen wir vor der Station Noru 
der Firma Hernsheim & Co. ein. Von hier 
aus mußte die Bestrafung der Usiai in die Wege 
geleitet werden, welche den Kutter „Waikatu“ im 
Hintergrund der Shallow-Bai weggenommen und, 
wie bemerkt, vier Mann der schwarzen Besatzung 
ermordet hatten. Meine Absicht war, durch eine 
Expedition im Hinterland der Shallow-Bai den 
Aufenthalt der Usiai zu ermitteln, wenn möglich 
sofort, bevor sie sich und ihre Habe in Sicherheit 
bringen konnten, einen Schlag gegen sie zu 
führen, dann an einem geeignet erscheinenden 
Platz der Hauptinsel 40 Mann Polizeitruppe zur 
weiteren Verfolgung der übeltäter zurückzulassen 
und die Truppe auf der Rückreise von Eitapé 
(Kaiser Wilhelmsland) wieder an Bord zu nehmen. 
Ich sicherte mir einige Eingeborene von der In- 
sel Harungan als Führer; außerdem erbot sich 
der Leiter der Station Noru, Kaufmann Hans 
Schmidt, als Führer mitzugehen. 
Am anderen Morgen verließ die Expedition 
in drei Ruderbooten den „Seestern“. Bald ver- 
riet das Dröhnen der Signaltrommeln, daß die 
Bewohner der Insel Sori uns beobachteten und 
die Usiai warnen wollten. Bei Tagesanbruch 
erreichten wir die Stelle im Hintergrund der 
Shallow-Bai, wo an einer mit Mangroven um- 
gebenen Flußmündung eine kleine rote Flagge 
im flachen Wasser den Ort kenntlich machte, an 
welchem der Überfall auf den Kutter stattgefunden 
hatte. Nach einstündiger Fahrt den kreekartigen 
Fluß aufswärts hinderten schwere Verhaue das 
weitere Vordringen. In zweistündiger Arbeit 
wurden die Verhaue überwunden und ein kleines 
Flußbecken erreicht, das offenbar den Usiai bisher 
als Kanu-Landungsstelle diente. Ein Pfad führte 
von dort nach den ersten Hütten des verlassenen 
Usiai-Dorfes Lindoch. Die Arbeiter von Noru 
hatten in dem Flußbecken den geraubten Kutter 
und in den Häusern des Dorfes Ausrüstungs- 
gegenstände sowie Schädel und Knochen der er- 
schlagenen und aufgefressenen Mannschaft vor- 
gefunden. Es konnte also kein Zweifel darüber 
bestehen, daß die Bewohner dieses Dorfes die 
Übeltäter waren. Die Mehrzahl der Häuser war 
offenbar schon vor längerer Zeit von den Be- 
  
wohnern selbst niedergebrannt worden. Ein auf 
einem Höhenrücken nach Süden führender Pfad 
zeigte die Richtung, in welcher die Dorfbewohner 
abgezogen sein mußten. 
Nach längerem Marsch über Hügel und durch 
Sagosümpfe wurde auch richtig die neue Nieder- 
lassung der Usiai erreicht. Sie hatten drei durch 
einen Höhenrücken verbundene Bergkuppen rings- 
um auf 100 m abgeholzt und begonnen, die 
Kuppen selbst mit einem etwa 3 m hohen festen 
Palisadenzaun zu umgeben. Hinter den fertigen 
Teilen des Palisadenzaunes war der Boden mit 
spitzen Bambusstücken als Fußangeln gespickt. 
Die auf den drei Kuppen zerstreuten provisorischen 
Hütten waren bereits geräumt. Einige Männer 
standen auf Wache und verschwanden nach dem 
ersten Schuß jenseit des Abhanges. 
Herr Hans Schmidt war bei dem letzten 
Ansturm, obwohl ich ihn kurz vorher aufgefordert 
hatte, nicht zurückzubleiben, mit einigen Harungan- 
Leuten etwa 200 Schritt zurückgeblieben. Ein 
plötzliches furchtbares Geschrei der Harungan-Leute 
veranlaßte uns zurückzugehen. Wir fanden 
Schmidt, nicht weit von dem Austritt des Pfades 
in die Lichtung, schwer verwundet am Boden 
liegen. Er war mit einem Speer von hinten 
unterhalb des Schulterblattes getroffen. Augen- 
scheinlich war der Speer in die Lunge gedrungen. 
Ich mußte unter diesen Umständen die weitere 
Verfolgung der Usiai abbrechen. Der Schwer- 
verwundete wurde auf eine Bahre geladen. In 
Lindoch am Flußufer schlug die Truppe ein 
Lager auf, um am nächsten Tage die Verfolgung 
der Usiai wieder aufzunehmen. Ich brachte den 
Verwundeten an Bord des „Seestern“ und ging 
sofort nach Friedrich-Wilhelmshafen in See. 
Dort wurde der Verwundete am 23. in das 
Krankenhaus eingeliefert, das er — nach ander- 
weitiger Mitteilung — entgegen dem Anraten 
des Arztes schon am 5. Mai wieder verließ, um 
sich nach Matupi zu begeben. 
Nach kurzem Besuch in Eitapé (Kaiser 
Wilhelmsland) traf der „Seestern“ am 28. April 
wieder vor Noru ein. Auf Grund der Aus- 
sagen der Eingeborenen von Harungan und 
Ponam, ferner auf Grund derjenigen des zur 
Zeit in Noru stationierten Landmessers und eines 
Japaners konnte ich über die näheren Umstände 
der Wegnahme des Kutters „Waikatu“ folgendes 
feststellen: 
Die Arbeiter auf den fünf Hernsheimschen 
Stationen in den Admiralitäts-Inseln werden 
fast ausschließlich mit Saksak, dem von den Ein- 
geborenen aus der einheimischen Sagopalme ge- 
wonnenen Sago, verpflegt. Da die Eingeborenen
	        
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