Volltext : Deutsches Kolonialblatt. XXIV. Jahrgang, 1913. (24)

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Palmkultur  dargelegten  Gründen  ist  die  Regierung
nicht  imstande  gewesen,  die  Ausbeutung  des  Harzes
durch  Angapfen  der  Bäume  einguführen  oder  auch  nur
das  Aufsammeln  der  schwimmenden  Stücke  zu  veranlassen.
  Auf  dem  anderen  Kongoufer  dagegen  ist
dieses  Produkt  Gegenstand  eines  starken  Verkehrs;  die
jährliche  Ausfuhr  des  belgischen  Gebiets  übersteigt
1200  Tonnen.  Französisch  Aquatorial-Afrika  hat  im
Jahre  1911  nur  10  Tonnen  zur-  Ausfuhr  gebracht.

10.  Kupfererze.  Die  Compatzuie  Ainidre  du
Congo  krangais  hat  im  Mai  1911  die  Eisenbahn  vollendet,
  welche  ihr  Bergwerk  in  Minduli  mit  dem
Stanley-Pool  verbindet.  Mit  diesem  Zeitpunkt  hat
sie  die  Ausfuhr  aufnehmen  können.  Im  Jahre  1911
hat  sie  1899  t  Chalcosin  zur  Versendung  gebracht,  ein
beinahe  reines  Kupsersilikat,  welches  durchschnittlich
etwa  60  v.  H.  reinen  Kupfers  enthält.  Es  ist  zu
hoffen,  daß  die  Erzeungung  wächst,  denn  es  sind  ausgedehnte
  Lagerstätten  reicher  Erze  festgestellt  worden.
Die  Schwierigkeiten  in  der  Beschaffung  und  Verpflegung
  der  Arbeiter,  die  Notwendigkeit  des  bergmännischen
  Abbaues  und  schließlich  die  Unzulänglichkeit
des  Schienenweges,  der  nur  eine  Spurweite  von
60  cm  hat  und  mit  großer  Schpnelligkeit  über  eine
Strecke  von  170  km  gelegt  ist,  haben  bisher  jedoch
nur  die  Ausfuhr  von  250  Kt  monatlich  gestattet.  Zur
Zeit  studiert  die  Gesellschaft  ein  Verfahren,  die  Erze
durch  mienwemnische  Anreicherung  vorläufig  aufzubereiten:
sie  denkt  auch  daran,  durch  eine  hydroelektrische  Anlage
  das  Metall  direkt  darzustellen,  um  aufr  diese  Weise
die  Transportkosten  zu  verringern,  die  im  Verhältnisse
zum  Marktwerte  des  Erges  zu  hoch  sind,  wenn  nur
das  Erz  selbst  exportiert  wird.

Zollpolitisches  Verhältnuis  zum  Mutterlande.

Da  die  Regierung  die  Absicht  angekündigt  hat,
den  Kammern  einen  Gesetzentwurf  vorzulegen,  welcher
der  Kolonie  Gabun,  die  durch  Gesetz  vom  11.  Jannar
1892  dem  mutterländischen  Tarif  unterworfen  worden
ist,  die  Zollautonomie  geben  soll.  so  ist  die  Untersuchung
  von  Interesse.  wie  im  einzelnen  die  bisherige
Zollpolitik  die  wirtschaftliche  Entwicklung  der  Kolonie
beeinflußt  hat.  Zu  Beginn  des  vorliegenden  Berichts
sind  die  wichtigsten  Gr#hwe  dargelegt  worden,  weshalb
die  wirtschaftliche  Entwicklung  des  Landes  so  langsam
vorangeschritten  ist.  Gleichgültig,  welche  Zölle  auf
die  Einfuhr  gelegt  worden  wären,  der  bei  der  Verwaltung
  bestehende  Mangel  an  Personal  und  an  Einnahmequellen
  und  die  Auslieferung  eines  großen
Teiles  des  Landes  an  privilegierte  Gesellschaften
würden  doch  venselben  Erfolg  herbeigeführt  haben.
Aber  der  zum  konventionellen  Kongobecken  gehörige
Teil  der  Kolonie  hat  unter  derselben  Lage  der  Dinge
zu  leiden  gehabt;  die  Nebeneinanderstellung  der  statistischen
  Ergebnisse  gestattet  daher  Schlüsse  zu  ziehen.
die  sich  auf  exakt  saßbare  Grundlagen  stützen.

In  Gabun  bestand  seit  18.  ein  Zolltarif,  der
die  französischen  Waren  in  gemäßigter  Form  schügte.
An  seine  Stelle  trat  im  Jahre  1893  der  mutterländische

Tarif.  Die  Ergebnisse  der  Jahre  1892  und  1893
dürfen  nicht  zum  Bergleich  herangezogen  werden,
denn  diese  Ziffern  sind  durch  die  Erwartung  der  Tarifänderung
  beeinflußt  worden,  weil  die  Kaufleute,  um
den  höheren  Zoll  zu  vermeiden,.  noch  schnell  große
Bestellungen  der  im  Zoll  heraufgesetzten  Artikel  ausführen
  ließen.  Im  Jahre  1894  kamen  bei  einer  Gesamteinfuhr
  von  2233  000  Fr.  aus  Frankreich  938  000
Fr.  und  aus  dem  Auslande  1  295  000  Fr.;  der  Auteil

der  heimischen  Waren  betrug  also  42  v.  H.  Dieser
Anteil  hat  sich  allmählich  gehoben:  seit  6  Jahren  ist
er  um  60  v.  H.  herum  stehen  geblieben.  Im  Jahre

 

1911  hat  die  alte  Kolonie  Gabun  aus  Frankreich  n
2  895  000  Fr.,  aus  dem  Auslande  für  2  117
im  ganzen  also  für  5  012  000  Fr.  eingesü  ührt.
enn  wir  die  gleichen  Jahre  für  die  im  konventionellen

  Kongobecken  gelegenen  französischen  Gebiete
untersuchen,  so  finden  wir,  daß  die  Einfuhr  aus  Franreich
  im  Jahre  1894  den  Betrag  von  242.000  Fr.
ausmachte,  gegen  2  130  000  Fr.  aus  dem  Auslande  bei
einer  Gesamteinfuhr  von  2  872  000  Fr.;  der  Anteil  der
franzöischen  Waren  betrug  also  10  v.  H.  Er  hob  sich
auf  12  v.  H.  und  hielt  sich  auf  dieson  Fuße  bis  zuit
Eindringen  der  Konzessionchgesellschahern  im  Jahre  1900.
Von  diesem  Zeitpunkt  an  stieg  -  Anteil  plöslich  auf
27  v.  H.  im  Jahre  1900,  42  v.  H.  im  Jahre  1901,
49  v.  H.  im  Jahre  1902.  Von  1905  bis  1909  hielr
er  sich  auf  einem  Durchschnitt  von  33  v.  H.  und  stieg
dann  wieder  auf  41  v.  H.  im  Jahre  1910  und  49  v.  K.
im  Jahre  1911.  In  den  beiden  letzten  Jahren  ist  der
Prozentsatz  dadurch  erhöht  worden,  daß  zahlreiche
Waren,  die  aus  den  Mitteln  der  Anleihe  von  19090
beschafft  wurden,  sowie  eine  große  Menge  Kriegsmaterial
  für  die  Okkupationstruppen  eingeiührt  worden
sind,  alles  Gegenstände,  welche  nicht  eigentliche  Handelsobjekte
  sind  und  in  sehr  viel  stärkerem  Maße  über
Brazzaville  als  in  Gabun  eingeführt  worden  sind.

Der  tatsächliche  Anteil  der  Einfuhr  französischer
Handelswaren  beträgt  in  den  Gebieten  des  konvenlionellen
  Kongobeckens  etwa  42  v.  H.  der  Gesamteinfuhr.
Der  Anteil  ist  daher  um  etwa  17  v.  H.  geringer,  ale
in  Gabunz  in  dieser  Zahl  drückt  sich  der  Vorteil  aus.
den  das  gegenwärtige  Schutzgollsystem  dieser  Kolonie
jür  die  mutterländische  Industrie  im  Gesolge  gehabt
hat.  Hierüber  darf  jedoch  ein  anderes  für  die  Bewertung
  wichtiges  Moment  nicht  außer  Betracht  gelassen
  werden.  Die  Umsätze  im  konventionellen  Kongo“
becken  sind  in  einer  geradezu  anffallenden  Weise
gestiegen.  und  zwar  weniger  durch  eine  Steigerung
der  Wainahmesähigkeit  der  unterworjenen  Bevölkerung.
als  durch  den  Hinzutritt  neuer  Abnehmer  unter  den
an  den  Wasserläufen  des  oberen  Nongobeckens  wohnenden
  Stämmen.  Eine  derartige  Begünstigung  kam
infolge  der  anders  gearteten  geographischen  Verhältnine
  der  Kolonie  Gabun  nicht  zustatten.  Aber  nachdem
im  Jahre  1906  die  Durchdringung  der  durch  die  Wasserstraßen
  des  oberen  Kongo  erschlossenen  Gebiete  einigermaßen
  vollendet  war.  wurde  die  Lage  der  beiden
Teile  der  Kolonie  wieder  vergleichbar.  Von  1906  bie
1911  hat  sich  die  Einfuhr  über  Braggaville  von  6  401  00„0
auf  9  783  000  Fr.  geboben.  sie  vermehrte  sich  also  in
sechs  Jahren  um  3  382.000  Fr.,  das  macht  jährlich
563  000  Fr.  und  entspricht  einem  jährlichen  Zuwach:
von  9  v.  H.  Wenn  diese  Zuwachsrate  in  Gabun  .
1894  wirlsam  gewesen  wäre,  so  würde  dort  gegenwärtig
  eine  Gesamteinfuhr  von  9  600  000  Fr.  zu  verzeichnen
  sein.  Bei  einem  nichtdt  fferenzierernden  Joltarif
  würde  hiervon  der  französische  Handel  12  v.  D
geliefert  haben,  das  macht  4032  000  Fr.  Unter  dem
gegenwärtig  geltenden  Tarif  von  1892  hat  der  leirangösische
  Handel  nur  2  895000.  Fr.  eingeführt.  Dieser
System  hat  also  in  Wirklichtein  für  die  franfösicr=Industrie
  und  den  französischen  Ausfuhrhandel  einen
Gewinnverlust  von  1  137  000  Fr.  für  das  Jahr  1911
mit  sich  gebracht;  gleichzeitig  sind  dem  lokalen  Budgel
die  einer  Einfuhr  von  gleichem  Werte  entsprechenden
Zollbeträge,  mindestens  also  200  000  Fr.,  entgangen.

Zolleinnahmen.

Die  Zolleinnahmen  haben  sich  im  Jahre  1911  aui
3524  193  Fr.  gehoben  gegen  2  828  788  Fr.  im  Jahre
1910  und  2  412  337  Fr.  im  Jahre  1909.  Sie  seuten
sich  wie  folgt  zusammen: