Aussöhnungsversuch des Papstes. 207
ohnehin zur Mäßigung gestimmt war. Hatten Friedrichs Gesandte mit
wenigen Rittern so großes erreicht, was hatte der Papst nicht erst von dem
Kaiser selbst mit seinem sich jetzt sammelnden starken Heere zu fürchten! Hadrian
IV. mußte für den Augenblick nachgeben, wie schwer es ihn auch ankam,
und wie heftig er auch innerlich auf dereinstige Vergeltung bedacht war.
So sandte er zwei milde und weltkluge Kardinäle an den Kaiser, Heinrich,
vom Titel des heiligen Nereus und Achilles, und Hyazinth, vom Titel der
heiligen Maria in schola graeca"). Um jedenfalls bei dem Kaiser geneigtes
Gehör zu finden, entschlossen sich die päpstlichen Gesandten zu einem Schritte,
wie er seit undenklicher Zeit nicht vorgekommen: sie suchten erst die kaiserlichen
Befehlshaber zu Modena auf, um sich von ihnen eine Empfehlung an
ihren Herrn geben zu lassen; und doch waren Reinald und Otto die Männer
gewesen, denen der Papst gerade ganz besonders Verderben angedroht hatte!
Auf der Weiterreise von Modena wurden die beiden Kardinäle im tridentinischen
Gebiete von zwei Tiroler Grafen angefallen, geplündert und einige
Zeit hindurch gefangen gehalten; indes bald darauf bestrafte Herzog Heinrich
der Löwe die beiden Übeltäter auf das strengste'?).
So befreit, gelangten die Kardinäle endlich in das kaiserliche Lager bei
Augsburg. Nach demütiger und verbindlicher Anrede an den Kaiser überreichten
sie ihm einen Brief des Papstes, den dieses Mal der dem Staat und
der Kirche gleich ergebene Bischof Otto von Freising übersetzte. Das Schreiben
tadelte in sehr milden Ausdrücken die Heftigkeit des „teuersten Sohnes,
des erhabenen Kaisers“ und schob die Veranlassung aller Streitigkeiten auf
die Dazwischenkunft Ubelwollender. Dann erklärte es das Wort „beneficium“
als in seinem ursprünglichen Sinne für bomum factum „Wohltat“ — nicht
„Lehen“ — gebraucht, und das „Ubertragen der Krone durch den Papst auf
den Kaiser“ als gleichbedeutend mit dem „Aufsetzen der Krone". Ausdrücklich
wird die Sendung der beiden Kardinäle als eine Folge der „Aufforderung
unseres geliebten Sohnes, des Herzogs Heinrich von Bayern und Sachsen“ bezeichnet?##).
Man sieht, eine wie hohe Stellung sich Heinrich schon durch den
Mut und die Festigkeit, die er bisher stets gezeigt, erworben hatte. Der Welfe
trat fast gleichberechtigt zwischen die beiden damaligen Großmächte des
Abendlandes, das Papsttum und das staufische Kaisertum.
Alles schien sich für Heinrich sowohl wie Friedrich auf das günstigste zu gestalten.
Auf die Beschwerden des Kaisers gaben die päpstlichen Gesandten
zufriedenstellende Antworten, und so trennte man sich äußerlich in völligem
Einvernehmen. Zugleich erschienen jetzt in Augsburg noch Gesandte des
cuins Dominus apprehendisse dexteram dicebatur, cuius usque fere ad remota
Orientis terror excesserat ete. Mehr kann man von den wärmsten Anhängern nicht
verlangen!
% Ragev. III. 18.
%) Regev. III, 21.— Ep. Gerhohi ad Henr. Leonem ap. Pez und Hormayr Il. co.
½%) Ragev. III, 23. — M. G. Const. I, 234 f.