Metadata : Die Verfassungsgeschichte der Germanen und Kelten.

Eap.  XII.  Die  Germanen.  95

angesiedelten  Anhängern  des  Marbod  und  Catualda  bildete  dann
im  Jahr  20  der  Quade  Vannius  an  der  linken  Donau  das  Vannianische
  Königreich,  regnum  Vannianum.  Rege  Vannio  gentis
Quadorum.  Pellitur  regno.  Prima  imperiü  aetate  etc.  Nachdem
er  nach  dreissigjährigem  Regiment  gestürzt,  teilten  seine  Schwestersöhne
  Vangio  und  Sido  das  Reich.  Ihre  Herrschaft  wird  als
dominatio  bezeichnet.  Regnum  Vangio  ac  Sido  inter  se  partivere.'
Vielleicht  infolge  dieser  Teilung  schied  sich  das  Königtum  der
Markomannen  in  Böhmen  von  dem  der  Quaden  in  Mähren  und
Oberungarn.  Später  werden  Sido  und  Italikus,  dieser  wohl  als
Nachfolger  des  Vangio,  als  reges  Sueborum  genannt.

Die  Herrschaft  des  Vannius,  des  Vangio  und  des  Sido  endete
in  Despotismus;  die  Treue  und  der  Gehorsam  des  Vangio,  Sido
und  Italikus  gegen  die  Römer  werden  ihrerseits  gelobt.  Ann.
IH  63;  XTI  29,  30;  Hist.  III  5,  21.  Plinius  hist.  nat.  IV  12,  81;
Mommsen  Röm.  Gesch.  V  196,  209.

„Den  Markomannen  und  Quaden,  sagt  die  Germania  42,  verblieben
  bis  auf  unsere  Zeit  Könige  aus  eignem  Stamm,  das  edle
Geschlecht  des  Marbod  und  Tudrus,  reges  ex  gente  ipsorum  nobile
  Marobodui  et  Tudri  genus.  Jetzt  dulden  sie  auch  schon
Fremde.  Aber  Macht  und  Gewalt  gewährt  den  Königen  das  römische
  Ansehn,  sed  vis  et  potentia  regibus  ex  auctoritate  Romana.
Selten  werden  sie  durch  unsere  Waffen,  öfter  durch  unser  Geld
unterstützt.“

Die  Cherusker  und  das  Stammkönigtum.

Das  bei  den  Sueben  heimische  Stammkönigtum  drang  auch
gen  Westen  zu  den  Cheruskern  vor.  Seiner  Einführung  ging
das  misslungene  Unternehmen  des  Armin  vorher.

Aus  der  knappen  Erzählung  des  Tacitus,  welche  durch  die
Kenntnis  der  Verfassungszustände  ergänzt  wird,  scheint  sich
der  historische  Zusammenhang  dahin  zu  ergeben:

Die  grosse  Kriegsepoche  der  Cherusker  und  ihrer  nordwestlichen
  Bundesgenossen,  ging  mit  dem  Abzug  der  Römer  und  der