Full text : Leitfaden der Preußischen Geschichte.

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Pflicht  machen;  durch  ein  Zensuredikt  zog  er  der  Presse  die
engsten  Schranken.

In  der  auswärtigen  Politik  handelte  er  anfangs  nach  dem
Rat  eines  tüchtigen  Ministers,  des  von  Friedrich  dem  Großen
gebildeten  Grafen  Hertzberg,  bald  aber  nach  seinen  persönlichen
Stimmungen.  Als  seine  Schwester,  die  Gemahlin  des  holländischen
  Erbstatthalters  Prinzen  von  Oranien,  bei  einem  Aufstande
  der  Holländer  eine  Kränkung  erfuhr,  besetzte  er,  ohne
Widerstand  zu  finden,  ganz  Holland  und  schaffte  dem  Erbstatthalter
  dort  seine  Rechte  wieder  (1787).  Preußen  hatte  von  diesem
  kostspieligen  Kriegszuge  keinen  Vorteil.  Ebenso  wenig  nützte
der  König  seinem  Staate  durch  sein  Verhalten  zu  Osterreich.
Dasselbe  führte  im  Bunde  mit  Rußland  Krieg  gegen  die  Türken,
während  Belgien  und  Ungarn  gegen  die  habsburgische  Herrschaft
sich  empörten,  und  Polen  und  Schweden  die  Waffen  zu  ergreifen
drohten.  Friedrich  Wilhelm  rüstete,  um  hieraus  für  Preußen
einen  Vorteil  zu  ziehen,  gab  aber  den  Plan  wieder  auf  und  vermittelte
  im  Vertrage  zu  Reichenbach  (1790)  zwischen  Osterreich
  und  der  Türkei  einen  Frieden.

§  67.  Die  Französische  Revolution  (1789),  in  welcher
die  Franzosen  die  drückenden  Vorrechte  des  Adels  und  der  Geistlichkeit,
  sowie  die  unumschränkte  Monarchie  abschafften,  erbitterte
Friedrich  Wilhelm  II.,  und  als  jene  in  ihrem  Freiheitstaumel
ihren  König  Ludwig  XVI.  und  dessen  Gemahlin  Maria  Antoinette
  auch  persönlich  beschimpften,  beschloß  er,  von  den  französischen
  Emigranten  (ausgewanderten  Prinzen  und  Edelleuten)
aufgereizt,  als  Wiederhersteller  des  königlichen  Ansehens  und
Unterdrücker  der  Demokratie  in  Frankreich  aufzutreten.  Nach
Entlassung  Hertzbergs  und  einer  Zusammenkunft  mit  Kaiser
Leopold  II.,  dem  Bruder  Marie  Antoinettens  (in  Pillnitz  1791),
verbündete  er  sich  mit  Osterreich  (1792),  und  als  die  französische
  Regierung  diesem  nun  den  Krieg  erklärte,  zog  er  als
dessen  Bundesgenoß  das  Schwert  gegen  Frankreich.

Der  Einfall  der  Preußen  in  die  Champagne,  sowie
das  drohende  Manifest  ihres  Befehlshabers,  des  Herzogs  Karl
von  Braunschweig,  reizte  jedoch  nur  die  Wut  der  Franzosen,
die  sich  massenhaft  den  Fremden  entgegenstellten.  Nach  der
Kanonade  von  Valmy  (20.  September  1792),  wo  der  Herzog