Metadata : Unser Preußen.

6.  Ältere  Geschichte  Preußens.  41

opfer  bringen,  aber  nur  geringe  Grenzgebiete  abtreten  mußte.  Dann  wies
er  den  Brüdern  das  einzige  Mittel,  den  Orden  zu  retten:  Erneuerung  der
strengen  Sittenzucht  für  die  Ordensritter,  Anteil  an  der  Regierung  für  die
Stände.  Um  das  Land,  das  nun  schwer  besteuert  werden  mußte,  zu  besänftigen,
bildete  er  aus  Adeligen  und  Bürgern  einen  „Landesrat“,  dem  er  landständische
Rechte  verlieh.  Hierdurch  sowie  durch  das  strenge  Vorgehen  Heinrichs  gegen
unwürdige  Ordensmitglieder  erbittert,  setzte  ihn  das  Ordenskapitel  ab.

Nun  ging  es  mit  dem  Orden  rasch  zu  Ende;  seine  Zuchtlosigkeit  und
Willkürherrschaft  wurden  immer  größer;  in  demselben  Maße  wuchs  aber  auch
die  Unzufriedenheit  der  Unterthanen.  Ritterschaft  und  Städte  schlossen  zur
Verteidigung  ihrer  Gerechtsame  den  „Preußischen  Bund“.  Vergebens  wandte
sich  der  Hochmeister  an  den  ohnmächtigen  Kaiser  Friedrich  III.  Zwar  befahl
dieser  dem  Bunde  sich  aufzulösen;  der  aber  kehrte  sich  nicht  daran,  sondern
erklärte  dem  Orden  den  Krieg  und  rief  die  Polen  ins  Land.  Vom  Kaiser
im  Stich  gelassen,  verlor  der  Orden  ein  Stück  Landes  nach  dem  andern;  um
Geld  für  Söldner  zu  erlangen,  verpfändete  er  sogar  die  Neumark  (1455)
an  Brandenburg.  Als  auch  dieses  nicht  mehr  reichte,  verkauften  die  Söldner
die  Marienburg,  und  weinend  verließ  (1457)  der  Ordensmeister  das  glänzende
Haupthaus  für  immer.  In  Ostpreußen  waren  viele  Lehnsleute  und  Städte
dem  Orden  treu  geblieben,  und  so  kämpfte  ein  Teil  der  preußischen  Stände
wider  den  andern.  Durch  den  Verlust  der  Neumark  und  Westpreußens  von
Deutschland  abgeschnitten,  erhielt  der  Orden  auch  dorther  keine  Unterstützung
mehr  und  mußte  endlich  1466  in  den  schimpflichen  Frieden  zu  Thorn
willigen,  in  welchem  er  nur  Ostpreußen  als  polnisches  Lehen  behauptete,
Westpreußen,  das  Bistum  Ermeland  sowie  Elbing  und  Thorn  aber
an  Polen  abtreten  mußte.  Dazu  sollte  künftig  die  Hälfte  der  Ordensritter
Polen  sein.  Der  Hauptsitz  des  Ordens  ward  nach  Königsberg  verlegt.

Preußen  war  stark  verheert,  und  auf  dem  platten  Lande  nistete  sich
jetzt  das  Slaventum  ein;  in  den  wohlhabenden  Städten  dagegen  hielt  sich
das  deutsche  Wesen,  und  namentlich  Danzig  erlangte  als  wichtigste  polnische
Hafenstadt  erst  unter  Polen  seine  höchste  Blüte.  Gegen  Ende  des  fünfzehnten
Jahrhunderts  ward  es  der  wichtigste  Hafenplatz  des  nordöstlichen  Europa.
Aus  den  weiten  Gebieten  von  Polen,  Galizien  und  Ungarn  führte  es  besonders
  Holz  und  Korn  aus  und  brachte  Heringe,  Salz  und  Kunsterzeugnisse
  dorthin.  In  einem  Jahre  sandte  es  1100  Schiffe  mit  Korn  nach  Holland.
  Die  Danziger  Schiffswerfte  lieferte  Schiffe  selbst  bis  nach  Portugal.

Die  Macht  des  Ordens  war  gebrochen;  vergebens  machte  er  den  Versuch,
wenigstens  Ostpreußen  von  der  polnischen  Lehnshoheit  zu  befreien.  Um  mehr
Teilnahme  im  Reich  zu  finden,  wählte  er  seine  Hochmeister  aus  berühmten
und  mächtigen  deutschen  Fürstenhäusern,  zunächst  Friedrich  von  Meißen  aus
dem  Hause  der  Wettiner;  aber  vergebens  bemühte  dieser  sich  bei  Kaiser  und
Papst  um  Hilfe.  Nach  seinem  Tode  stellte  der  Orden  1511  Albrecht  von
Brandenburg-Ansbach,  den  Schwestersohn  des  polnischen  Königs,  an  seine
Spitze.  Als  dieser  von  seinem  Oheim  den  Verzicht  auf  die  Lehnshoheit  durch
Güte  nicht  erlangen  konnte,  griff  er  zum  Schwerte,  doch  ohne  Erfolg.  Dann
eilte  er  nach  Deutschland  und  klopfte  überall  um  Hilfe  an,  aber  umsonst.