Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1900. (77)

1000  Meter  unter  Wäldern  von  Palmen,  Akazien,  Feigen,  Kardamomen,
Bananen  (Pisang),  Kolanußbäumen  und  afrikanischen  Eichen.  Die
Weinpalme  lieferte  das  Material  für  die  Hütten  und  zugleich  für  das
tägliche  Getränk,  da  die  Kürbisflasche  über  Nacht  auf  ihrem  Wipfel
angebracht  des  Morgens  stets  aufs  neue  sich  füllt.  Auch  Olpalmen
wachsen  hier  noch.

Dann  folgten  Wälder  von  Baumfarnen.  Auf  1500  Meter  fand
sich  ein  großes  Lavafeld.  Der  höher  gelegene  kleine  Krater  mißt
100  Meter  im  Durchmesser.  Bei  2400  Meter  fand  sich  eine  herrliche
Quelle,  die  Manns-Spring  getauft  wurde.  Dann  wurde  der  2800  Meter
hohe  Helenenberg  erklommen.  In  dieser  Höhe  beginnen  üppige  Moosstreifen
  und  unsere  Gebirgspflanzen,  Erika,  Bärlapp,  Veronika  die
Schlackenfelder  zu  bekleiden.  Der  mühsam  erreichte  Viktoria  Pik  bildet
den  Rand  eines  Doppelkraters,  der  mit  Asche,  Basalt=  und  Quarz-Geröll
gefüllt  ist.  Auf  dem  Albert  Pik  fanden  die  kühnen  Reisenden  eine
rauchende  Schwefelquelle.  Auch  hat  man  Flammen  aus  dem  ewigen
Schnee  aufflackern  sehen.  Ein  noch  tätiger  Krater  wurde  1905  entdeckt.

Die  Gestaltung  des  Landes  und  die  klimatischen  Verhältnisse  sind
denen  der  Schwesterkolonie  Togo  sehr  ähnlich.  An  der  Küste  beträgt  die
Jahrestemperatur  etwa  26°  C  und  fällt  im  September  etwa  auf  23°  C
Im  Hinterlande  schwankt  sie  zwischen  32,5  und  6°  C.  Mit  Ausnahme
der  Nebenflüsse  des  Schari,  der  mit  dem  Tsadsee  die  Nord=  und  Nordwestgrenze
  unseres  Schutzgebietes  bildet,  ergießen  sich  alle  Ströme  in
den  Golf  von  Biafra.  Unter  ihnen  ist  der  Lom,  auch  Mwelle,  im  Südosten
  der  größte.  Sein  Gebiet  ist  wohl  dem  der  Donau  an  Ausdehnung
gleich.  Sein  Oberlauf  mit  vielen  Nebenflüssen  liegt  in  dem  für  uns
wichtigen  und  sehr  kulturfähigen  Hochlande  Adamaua.  Sein  Unterlauf,
Sanaga,  erreicht  eine  Breite  von  1200—2000  und  eine  Tiefe  von  16  m.
Er  gibt  einen  breiten  Mündungsarm  an  den  Kamerun  ab,  dessen  Haff
ein  förmliches  Sammelbecken  von  Flüssen  ist.  Auch  der  Njong  und  der
Lokundje,  weiter  südlich,  sind  bedeutende  Ströme.  Alle  sind  aber  inland
durch  Stromschnellen  und  oft  800  m  hohe  Abstürze  vom  Meere  abgeschnitten.
  Nur  der  Wuri,  der  sich  ebenfalls  in  die  Kamerunmündung
ergießt,  ist  bis  50  km  aufwärts  schiffbar.  Und  um  den  vielfach  schiffbaren
  Oberlauf  dieser  Ströme  zu  gewinnen,  wird  man  in  späteren  Zeiten
denselben  Ausweg  wählen  müssen  wie  am  Kongo  und  Benue,  nämlich
den  der  Errichtung  von  Eisenbahnen  bis  zu  einer  passend  gelegenen