Full text : Handbuch für Preußische Verwaltungsbeamte. Zweiter Band. (2)

Abschnitt  XXXIV.  Krankenversicherungs-Gesetz.  293

Der  Austritt  ist  versicherungspflichtigen  Personen  mit  dem  Schlusse  des
Rechnungsjahres  zu  gestatten,  wenn  sie  denselben  spätestens  drei  Monate  zuvor
bei  dem  Vorstande  beantragen  und  vor  dem  Austritt  nachweisen,  daß  sie  Mitglieder
  einer  der  im  §.  75  bezeichneten  Kassen  geworden  sind.

Die  Mitgliedschaft  nichtversicherungspflichtiger  Personen  erlischt,  wenn  sie

die  Beiträge  an  zwei  auf  einander  folgenden  Zahlungsterminen  nicht  geleistet
en.

§.  20.  Die  Orts-Krankenkassen  sollen  mindestens  gewähren:

1.  im  Falle  einer  Krankheit  oder  durch  Krankheit  herbeigeführten  Erwerbsunfähigkeit
  eine  Krankenunterstützung,  welche  nach  §§.  6,  7,  8  mit  der
Maßgabe  zu  bemessen  ist,  daß  der  durchschnittliche  Tagelohn  derjenigen
Klassen  der  Versicherten,  für  welche  die  Kasse  errichtet  wird,  soweit  er
drei  Mark  für  den  Arbeitstag  nicht  überschreitet,  an  die  Stelle  des  ortsüblichen
  Tagelohnes  gewöhnlicher  Tagearbeiter  tritt;

25  eine  Unterstützung  in  Höhe  des  Krankengeldes  an  Wöchnerinnen,  welche
innerhalb  des  letzten  Jahres,  vom  Tage  der  Entbindung  ab  gerechnet,
mindestens  sechs  Monate  bindurch  einer  auf  Grund  dieses  Gesetzes
errichteten  Kasse  oder  einer  Gemeinde  -  Krankenversicherung  angehört
haben,  auf  die  Dauer  von  mindestens  vier  Wochen  nach  ihrer  Niederkunft,
  und  soweit  ihre  Beschäftigung  nach  den  Bestimmungen  der  Gewerbe-Ordnung
  für  eine  längere  Zeit  untersagt  ist,  für  diese  Zeit;

3.  für  den  Todesfall  eines  Mitgliedes  ein  Sterbegeld  im  zwanzigfachen
Betrage  des  durchschnittlichen  Tagelohnes  (Ziff.  1).

si  Die  Feststellung  des  durchschnittlichen  Tagelohnes  kann  auch  unter  Berückschtigung
  der  zwischen  den  Kassenmitgliedern  hinsichtlich  der  Lohnhöhe  beei
  henden  Verschiedenheiten  klassenweise  erfolgen.  Der  durchschnittliche  Tagelohn
ner  Klasse  darf  in  diesem  Falle  nicht  über  den  Betrag  von  vier  Mark  festgestellt
  werden.
k  erstirbt  ein  als  Mitglied  der  Kasse  Erkrankter  nach  Beendigung  der
unnnkenunterstützung,  so  ist  das  Sterbegeld  zu  gewähren,  wenn  die  Erwerbs-Küähigkeit
  bis  zum  Tode  fortgedauert  hat  und  der  Tod  in  Folge  derselben
e  ankheit  vor  Ablauf  eines  Jahres  nach  Beendigung  der  Krankenunterstützung

Ugetreten  ist.
besti  as  Sterbegeld  ist  zunächst  zur  Deckung  der  Kosten  des  Begräbnisses
das  umt  und  in  dem  aufgewendeten  Betrage  demjenigen  auszuzahlen,  welcher
Eheg  eBräbniss  besorgt.  Ein  etwaiger  Deberschuss  ist  dem  hbinterbliebenen
Sind  atten,  in  Ermangelung  eines  solchen  den  nächsten  Erben  auszuzahlen.

Solche  Personen  nicht  vorhanden,  so  verbleibt  der  Ueberschuss  der  Kasse.

kassew).  21.  Eine  Erhöhung  und  Erweiterung  der  Leistungen  der  Orts-Kranken-)
  ist  in  folgendem  Umfange  zulässig:
lte  Dauer  der  Krankenunterstützung  kann  auf  einen  längeren  Zeitraum
la  als  dreizehn  Wochen  bis  zu  einem  Jahre  festgesetzt  werden.

Vas  Krankengeld  kann  allgemein  oder  unter  bestimmten  Voraussetzungen
schon  vom  Tage  des  Eintritts  der  Erwerbsunfähigkeit  ab,  sowie  für
Sohn-  und  Festtage  gewährt  werden,  sofern  dieses  sowohl  von  der  Vertretung
  der  zu  Beiträgen  verpflichteten  Arbeitgeber  (S.  38)  als  auch
von  derjenigen  der  Versicherten  beschlossen  wird,  oder  sofern  der  Betrag

2  des  gesetzlich  vorgeschriebenen  Reservefonds  erreicht  ist.

«  Krankengeld  kann  auf  einen  höheren  Betrag,  und  zwar  bis  zu  drei

lertel  des  durchschnittlichen  Tagelohnes  (§.  20)  festgesetzt  werden;  neben
reier  ärztlicher  Behandlung  und  Arznei  können  auch  andere  als  die  im

3  ##,6  bezeichneten  Heilmittel?)  gewährt  werden.

v  eben  freier  Kur  und  Verpflegung  in  einem  Krankenhause  kann  Krankengeld
  bis  zu  einem  Achtel  des  durchschnittlichen  Tagelohnes  (§.  20)  auch

1  n
XIV  )Sie  darf  nicht  abhängig  sein  von  dem  Ermessen  des  Vorstandes,  E.  O.  V.
eine  gleich  Dagegen  ist  es  zulässig,  die  Mehrleistungen  im  Statute  zeitlich  oder  durch
illen  dem  Zeitablaufe  wirkende  Resolutivbedingung,  deren  Eintritt  nicht  vom
¾  Vorstandes  abhängt,  zu  beschränken,  E.  O.  V.  XXIV.  337.
3.  B.  auch  künstliche  Gliedmaßen,  theure  Weine.