Metadaten : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

984  Zur  Geschichte  der  Akademie  in  den  Jahren  1860-1899.

Die  physikalisch  -mathematische  Klasse  verlor  in  KRoNECcKER
(1861-1891)  nicht  nur  einen  Mathematiker,  dessen  Name  stets  neben
denen  von  Kummer  und  WeEIERSTRASS  genannt  werden  wird,  sondern
auch  ein  Mitglied,  welches  sich  um  die  Gesammt-  Akademie  besonders
  verdient  gemacht  hat  und  ein  wichtiges  Bindeglied  zwischen
den  Klassen  gewesen  ist.  —  Vier  grosse  Physiker  sah  die  Akademie
in  ihrer  Mitte;  war  sie  durch  Jacogr  und  DigicaLer  an  die  Spitze
der  mathematischen  Arbeiten  in  Europa  gestellt  worden,  so  hoben
sie  IIELMHoLTz  (1871-1894)  und  G.R.Kırcauorr  (1875-1887),  denen
WERNER  SIEMENS  (1873-1892)  und  Kunpr  (1833-1894)  zur  Seite
traten,  in  der  Physik  an  die  führende  Stelle.  In  diesen  Tagen  ist
Heımnortz’  Standbild  neben  dem  der  beiden  HunsoLpr  errichtet  worden,
  und  er  hat  damit  die  Ehre  erhalten,  die  ihm  gebührt.  Seit
Newron  ist  Niemand  so  tief  in  das  Innere  der  Natur  eingedrungen
wie  HrLmHoLTz,  und  unbestritten  ist  er  der  grösste  Naturforscher
gewesen,  den  die  Akademie  jemals  besessen  hat.  Das  Gesetz  von
der  Erhaltung  der  Energie  hat  er  neben  das  Gravitationsgesetz  gestellt
  und  zugleich  als  bahnbrechender  Entdecker  auf  den  Gebieten
der  Optik,  der  Akustik  und  der  Nervenphysiologie  die  alte  »philosophia
  naturalis«  zur  modernsten  und  zur  fruchtbarsten  Wissenschaft
erhoben.  Und  derselbe  Forscher,  der  die  Natur  der  menschlichen
Sinnesempfindungen  zuerst  durchschaut  hat,  der  die  schwierigsten
erkenntnisstheoretischen  Fragen  aufgriff  und  sie  mit  Induction  und
Mathematik  in  Beziehung  zu  setzen  wusste,  der  vor  den  verwickeltsten
  mechanischen  Problemen  nicht  zurückschreckte  und  nicht  rastete,
bis  er  sie  gelöst  hatte,  ist  durch  seinen  Augenspiegel  auch  der  Wohlthäter
  der  leidenden  Menschheit  geworden.  In  der  geschlossenen
Grösse  seines  einzig  auf  Erkenntniss  gerichteten  Geistes  lag  das  Geheimniss
  seiner  Kraft;  sie  gab  seiner  Bahn  die  Richtung,  unveränderlich
  und  sicher  wie  der  Lauf  der  Gestirne.  Die  Erfolge  beachtete
  er  stets  nur  nach  ihrem  sachlichen  Werth;  er  arbeitete,  um
zu  erkennen;  sonst  wollte  er  niehts  erreichen.  »Trachtet  am  ersten
nach  dem  Reiche  Gottes,  so  wird  euch  solches  alles  zufallen«,  war
der  Spruch,  in  dem  er  die  Erfahrungen  seiner  Arbeit  zusammenzufassen
  liebte,  als  wissenschaftlicher  Charakter  der  Grösse  seiner
wissenschaftlichen  Leistungen  ebenbürtig'.

und  Warrenpach  (1898).  Über  von  HeLanoLtz  vergl.  ausser  der  akademischen  Gedächtnissrede
  (nv  Boıs-Reymonn)  auch  die  Rede  von  von  BEzoLo  (Leipzig  1895).

I  Aus  Anlass  des  siebzigsten  Geburtstages  von  Hernaorız  überwies  ein
aus  Fachgenossen,  Freunden  und  Verehrern  des  Gelehrten  in  allen  Ländern  zu-