114 Kaiser Leopold 1.
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—.=Briefwechsel
mit seinem Freunde, dem Grafen Pötting, österreichischem
Gesandten in Madrid — seinem Herzen freien Lauf läßt und
offen von der Leber weg spricht. Wir lernen daraus seine Urteilsfähigkeit,
seinen richtigen politischen Blick kennen, seine Vielgeschäftigkeit,
seine abgrundtiese Gutmütigkeit, seine eigenartige Indolenz
den Ereignissen gegenüber. Wer ihn darum bittet, erhält Empfehlungen,
Geleitschreiben mit, er kann niemand etwas abschlagen;
bleiben sie wirkungslos, so ist er darob nicht beleidigt und tröstet sich
mit dem Gedanken, es sei vielleicht so besser gewesen!
Leopold hat nicht das Glück gehabt, große Männer, bedeutende
Minister auf seinem Lebenswege zu finden, dagegen besaß er tüchtige
Feldherren: Männer wie Montecucculi, Guido Starhemberg, Prinz
Eugen von Savoyen, Markgraf Ludwig von Baden, Herzog Karl
von Lothringen überstrahlten die militärischen Talente Österreichs
aus Vergangenheit und Zukunft. Sie fanden auch ein reiches Feld
für ihre Tätigkeit; Leopold führte Krieg gegen die Schweden 1657
bis 1660, gegen die Türken 1661—1664, 1682—1699; gegen Ludwig
XIV. 1672—1678, 1688—1697, 1702—1705, mitten im wütenden
spanischen Erbfolgekrieg starb er. Man staunt, wie es den österreichischen
Erbländern bei ihren geringen Einnahmen, bei ihrer wenig
geeigneten Verwaltung möglich gewesen ist, für so viele Kriegsjahre,
42 unter 47 Regierungsjahren, aufzukommen. Besonders da
die Finanzverwaltung eine nichts weniger als glückliche war, beispielsweise
Graf Ludwig Sinzendorf in seiner 20 jährigen Verwaltung
sich der gröbsten Unterschleife schuldig gemacht hatte. Es charakterisiert
die Gutmütigkeit und Sorglosigkeit des Kaisers, daß er
diesen Mann nur leicht gestraft und dessen Sohn sofort wieder in den
Staatsdienst ausgenommen hat. Er hat manche trübe Erfahrung
mit seinen Dienern machen müssen. Sein erster Minister, die Fürsten
Lobkowitz und Auersperg standen im französischen Solde, beide
mußte er in Ungnade entlassen, obwohl sie die späteren Politiker an
Verstand überragt haben. Nichts konnte aber Leopold hindern, immer
wieder die österreichische Aristokratie heranzuziehen und weit
über seine Verhältnisse hinaus mit Geld und Gütern zu überhäufen:
alles Unheil konnte ihn nicht zur Menschenkenntnis erziehen, Unter
ihm bildet sich eine österreichische Eigentümlichkeit aus, die starke Bevorzugung
und der starke Einfluß der Aristokratie; dadurch wird
abermals ein lebhaftes Zuströmen fremder nicht deutscher Elemente
bedingt. Zu den höchsten Stellen in Amt und Armee mußte man
geboren werden, nur selten gelang es einem Emporkömmling, diese