den meisten Fällen bei der Gutartigkeit des Leidens nicht noͤthig, ein zweckdienliches diaͤtetisches Verhalten
vielmehr die Hauptsache. Geräumige, mäßig warme, nicht zugige Stallungen, reichliche, trockene und
reine Streue, große Reinlichkeit im Allgemeinen, namentlich auch der Krippen, möglichst wenige Belästigung
der klauenseuchekranken Thiere, Trockenhalten der Füße, Vermeidung von Kälte, Nässe und Zugluft
sind unerläßliche Bedingungen für einen gutartigen Verlauf der Aphthenseuche. Einstellen der kranken
Thiere in fließendes Wasser, Austreiben derselben auf nasse Waiden, die Anordnung kühlender Umschläge
verschlimmern das Leiden und machen es bösartig. Das Trinkwasser muß fleißig verabreicht
und häufig eimeuert werden, damit die maulseuchekranken Thiere nicht nur nach Belieben ihren Durst
löschen, sondern auch das Maul erfrischen und ausspülen können. Statt des gewöhnlichen Trinkwassers
können Mehl= oder Kleientränke gegeben und denselben etwas Glaubersalz beigesetzt oder es kann das
gewöhnliche Trinkwasser mit Salzsäure, Schwefelfäure oder Essig schwach angesäuert werden. Anfangs
müssen die Thiere leicht zu kauendes Futter, z. B. Gras, weiches gutes Heu, Schlapp= und Bruhfutter
von Kleie, Schrot, Knollen und Wurzelwerk in kleineren Quantitäten erhalten, später wird gewöhnlich
trockenes, rauhes Heu allem Uebrigen vorgezogen. Unerläßlich nothwendig ist eine geregelte und in
hohem Grade schädlich eine zu reichliche Fütterung in der Rekonvalescenz. Innerliche Mittel sind selten
erforderlich, nur bei Gegenwart eines entzündlichen Fiebers oder bei andauernder Verstopfung gibt man
täglich einige Gaben Glaubersalz (4—6 Loth) mit etwas Salpeter (1—2 Loth) in einem Mehl= oder
Kleientranke oder in einer schleimigen Abkochung, z. B. von Gerste oder Leinsamen, bis weiches Misten
erfolgt. Ein Aderlaß ist nur bei sehr hochgradigem Fieber und kräftiger Konstitution angezeigt. Die
Blasen im Maule bleiben am besten unangetastet, das Herausziehen der Zunge aus dem Maule und
das Auspinseln desselben mit Maulwassemn ist zu unterlassen, weil dadurch die Oberhaut abgestreist und
den Thieren großer Schmerz verursacht wird. Tieser greifende Geschwüre erfordern östers Ausspritzen
des Maules mit Absuden von Abkochungen von aromatischen und leicht zusammenziehenden Mitteln,
z. B. von Heublumen, Salbei, Erdbeer-, Haidekraut, Eichen= oder Weidemrinde, welchen man noch eimas
Weinessig oder Honig beisetzt. Bei der Klauenseuche hat, so lange die Blasen noch in der Entwicklung
befindlich und nicht geborsten sind, oder wenn dieselben von selbst eintrochen und verschorfen, nichts zu
geschehen; erst wenn die wunden Stellen frei zu Tage liegen, nässen oder eitern, gebraucht man zum
Betupfen derselben gelinde austrocknende Mittel, z. B. Bleiessig (1 Loth) und Wasser (1/.2 Schoppen),
Kalkwasser oder eine schwache Auflösung von weißem Vitriol (etwa 1 Loth auf 2 Schoppen Wasser),
auch kann man dieselben mit Bleiessigsalbe bestreichen oder mit Eichemindepulver, rohem Alaun und
dergleichen bestreuen. Oberflächliche Verschwärungen mit oder ohne Abtrennung des Hornsaumes sind
meist ohne Belang, man bestreicht dieselben mit einfacher Digestivsalbe oder einer Salbe von 8 Theilen
Terpentin und 1 Theil schwarzem Steinöl. Hat sich ein Blasenausschlag am Cuter gebildet, so ist es
zweckmäßig, die Kälber nicht saugen zu lassen, theils wegen der schmerzhaften Zerrngen der Striche,
welche die Entzündung des Euters steigern, theils weil die mit dem Blaseninhalte vermischte Milch den
Kälbern schädlich werden kann. Bei bedeutenderen Abweichungen von dem gewöhnlichen Verlaufe oder
wenn die Aphthenseuche in Verbindung mit andern Krankheiten auftritt, bediene man sich der Hilfe
sachkundiger Thierärzte. Die Abhaltung der Seuche durch Sperrmaßregeln ist im Großen schwer auszuführen
und schadet dem Verkehr mehr als die Seuche selbst. Dagegen kann bei günstiger Lage einzel-