Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1864. (41)

den  meisten  Fällen  bei  der  Gutartigkeit  des  Leidens  nicht  noͤthig,  ein  zweckdienliches  diaͤtetisches  Verhalten
vielmehr  die  Hauptsache.  Geräumige,  mäßig  warme,  nicht  zugige  Stallungen,  reichliche,  trockene  und
reine  Streue,  große  Reinlichkeit  im  Allgemeinen,  namentlich  auch  der  Krippen,  möglichst  wenige  Belästigung
  der  klauenseuchekranken  Thiere,  Trockenhalten  der  Füße,  Vermeidung  von  Kälte,  Nässe  und  Zugluft
sind  unerläßliche  Bedingungen  für  einen  gutartigen  Verlauf  der  Aphthenseuche.  Einstellen  der  kranken
Thiere  in  fließendes  Wasser,  Austreiben  derselben  auf  nasse  Waiden,  die  Anordnung  kühlender  Umschläge
  verschlimmern  das  Leiden  und  machen  es  bösartig.  Das  Trinkwasser  muß  fleißig  verabreicht
und  häufig  eimeuert  werden,  damit  die  maulseuchekranken  Thiere  nicht  nur  nach  Belieben  ihren  Durst
löschen,  sondern  auch  das  Maul  erfrischen  und  ausspülen  können.  Statt  des  gewöhnlichen  Trinkwassers
können  Mehl=  oder  Kleientränke  gegeben  und  denselben  etwas  Glaubersalz  beigesetzt  oder  es  kann  das
gewöhnliche  Trinkwasser  mit  Salzsäure,  Schwefelfäure  oder  Essig  schwach  angesäuert  werden.  Anfangs
müssen  die  Thiere  leicht  zu  kauendes  Futter,  z.  B.  Gras,  weiches  gutes  Heu,  Schlapp=  und  Bruhfutter
von  Kleie,  Schrot,  Knollen  und  Wurzelwerk  in  kleineren  Quantitäten  erhalten,  später  wird  gewöhnlich
trockenes,  rauhes  Heu  allem  Uebrigen  vorgezogen.  Unerläßlich  nothwendig  ist  eine  geregelte  und  in
hohem  Grade  schädlich  eine  zu  reichliche  Fütterung  in  der  Rekonvalescenz.  Innerliche  Mittel  sind  selten
erforderlich,  nur  bei  Gegenwart  eines  entzündlichen  Fiebers  oder  bei  andauernder  Verstopfung  gibt  man
täglich  einige  Gaben  Glaubersalz  (4—6  Loth)  mit  etwas  Salpeter  (1—2  Loth)  in  einem  Mehl=  oder
Kleientranke  oder  in  einer  schleimigen  Abkochung,  z.  B.  von  Gerste  oder  Leinsamen,  bis  weiches  Misten
erfolgt.  Ein  Aderlaß  ist  nur  bei  sehr  hochgradigem  Fieber  und  kräftiger  Konstitution  angezeigt.  Die
Blasen  im  Maule  bleiben  am  besten  unangetastet,  das  Herausziehen  der  Zunge  aus  dem  Maule  und
das  Auspinseln  desselben  mit  Maulwassemn  ist  zu  unterlassen,  weil  dadurch  die  Oberhaut  abgestreist  und
den  Thieren  großer  Schmerz  verursacht  wird.  Tieser  greifende  Geschwüre  erfordern  östers  Ausspritzen
des  Maules  mit  Absuden  von  Abkochungen  von  aromatischen  und  leicht  zusammenziehenden  Mitteln,
z.  B.  von  Heublumen,  Salbei,  Erdbeer-,  Haidekraut,  Eichen=  oder  Weidemrinde,  welchen  man  noch  eimas
Weinessig  oder  Honig  beisetzt.  Bei  der  Klauenseuche  hat,  so  lange  die  Blasen  noch  in  der  Entwicklung
befindlich  und  nicht  geborsten  sind,  oder  wenn  dieselben  von  selbst  eintrochen  und  verschorfen,  nichts  zu
geschehen;  erst  wenn  die  wunden  Stellen  frei  zu  Tage  liegen,  nässen  oder  eitern,  gebraucht  man  zum
Betupfen  derselben  gelinde  austrocknende  Mittel,  z.  B.  Bleiessig  (1  Loth)  und  Wasser  (1/.2  Schoppen),
  Kalkwasser  oder  eine  schwache  Auflösung  von  weißem  Vitriol  (etwa  1  Loth  auf  2  Schoppen  Wasser),
  auch  kann  man  dieselben  mit  Bleiessigsalbe  bestreichen  oder  mit  Eichemindepulver,  rohem  Alaun  und
dergleichen  bestreuen.  Oberflächliche  Verschwärungen  mit  oder  ohne  Abtrennung  des  Hornsaumes  sind
meist  ohne  Belang,  man  bestreicht  dieselben  mit  einfacher  Digestivsalbe  oder  einer  Salbe  von  8  Theilen
Terpentin  und  1  Theil  schwarzem  Steinöl.  Hat  sich  ein  Blasenausschlag  am  Cuter  gebildet,  so  ist  es
zweckmäßig,  die  Kälber  nicht  saugen  zu  lassen,  theils  wegen  der  schmerzhaften  Zerrngen  der  Striche,
welche  die  Entzündung  des  Euters  steigern,  theils  weil  die  mit  dem  Blaseninhalte  vermischte  Milch  den
Kälbern  schädlich  werden  kann.  Bei  bedeutenderen  Abweichungen  von  dem  gewöhnlichen  Verlaufe  oder
wenn  die  Aphthenseuche  in  Verbindung  mit  andern  Krankheiten  auftritt,  bediene  man  sich  der  Hilfe
sachkundiger  Thierärzte.  Die  Abhaltung  der  Seuche  durch  Sperrmaßregeln  ist  im  Großen  schwer  auszuführen
  und  schadet  dem  Verkehr  mehr  als  die  Seuche  selbst.  Dagegen  kann  bei  günstiger  Lage  einzel-